Insektenmonitoring

Spätestens seit dem Volksbegehren "Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die Bienen" (2019) ist der starke Rückgang der Insekten ins öffentliche Bewusstsein gerückt (Stichwort: saubere Windschutzscheiben) . Am 1. August 2019 traten neue Gesetze für den Artenschutz in Bayern in Kraft, die beispielsweise einen Ausbau des Biotopverbunds, die Förderung von Gewässerrandstreifen und Blühflächen beinhalten und auch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln definieren. Ob und inwieweit diese neuen Regelungen und Maßnahmen die Situation der Insektenfauna flächendeckend verbessern können, soll anhand eines langfristigen Monitorings an dem das Bayerische Artenschutzzentrum (BayAZ) beteiligt ist, dokumentiert werden.

Monitoring soll Bestandsentwicklung bundesweit aufzeigen

Bereits seit 2018 steht das Landesamt für Umwelt mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Austausch, um ein standardisiertes Monitoringprogramm zu entwickeln. Ziel des Monitorings ist, nicht nur Aussagen zur Bestandssituation und Entwicklung der Insektenfauna in Bayern, sondern für ganz Deutschland treffen zu können. Erste Bausteine des Konzepts sind bereits detailliert ausgearbeitet und werden ab dem Jahr 2021 schrittweise in Bayern umgesetzt.

Bayernkarte mit Punkten, welche die Standorte des Insektenmonitorings angeben. Auf 188 Stichprobenflächen wird die Situation der Insektenfauna analysiert

Das Monitoring soll die Biomasse, das Artenspektrum und die Individuenzahlen ausgewählter Indikatorgruppen mit standardisierten Methoden in regelmäßigen Zeitabständen auf abgegrenzten Stichprobenflächen erfassen. Bei der Auswahl der Indikatorgruppen wurden neben der Eignung als Indikator für die Lebensraumqualität auch Gesichtspunkte wie die Verfügbarkeit von geeigneten Methoden und von qualifiziertem Personal berücksichtigt. Auf Basis dieser Kriterien sollen in Bayern beispielsweise Tagfalter und Widderchen, Heuschrecken, Laufkäfer und die Gruppe der Fluginsekten erfasst werden. Die Erfassung dieser Indikatorgruppen bildet sowohl unterschiedliche Nahrungsebenen (pflanzenfressende Insekten – fleischfressende Insekten) als auch unterschiedliche räumliche Skalen (Boden – Luft, Biotopebene – Landschaftsebene) ab und kann auf die Gesamtheit der Insektenarten übertragbare Aussagen liefern.

188 der Stichprobenflächen liegen in Bayern

Als Kulisse für die Untersuchungen wird auf das bereits bestehende System der bundesweit repräsentativen Stichprobenflächen zurückgegriffen. Bundesweit liegen 1000 Stichprobenflächen vor - 188 davon in Bayern. Die einen Quadratkilometer großen Stichprobenflächen bilden in Anzahl und Verteilung die vorhandenen Standorttypen und Landnutzungen Bayerns ab. Untersucht werden soll auch der Einfluss von Faktoren wie Landnutzungs-, Lebensraum- oder Klimawandel auf den Insektenbestand. Auf denselben Flächen führt das BfN außerdem weitere naturschutzrelevante Dauerbeobachtungen durch, wie das Monitoring der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (HNV-Farmland Indikator), das Monitoring häufiger Brutvögel und das Ökosystem-Monitoring (in Aufbau), sodass zukünftig Aussagen hinsichtlich größerer Zusammenhänge möglich sein werden.

So laufen die Insektenaufnahmen in der Praxis ab

Um die Vielfalt der Insekten erfassen zu können, wird eine Vielfalt an Methoden verwendet. Dabei sind bestimmte Standards einzuhalten, um eine langfristige Vergleichbarkeit der Daten sicher zu stellen.

Ein Mann steht auf einer Wiese und beugt sich in ein meterhohes stoffumspanntes Quadrat, um die darin gefangenen Heuschrecken zu erfassen. Heuschrecken werden mithilfe eines sogenannten Isolationsquadrats zwischen Mitte Juli und Ende August erfasst, dabei wird ein stoffumspanntes Quadrat mehrfach auf eine Wiese gesetzt und alle darin gefangenen Heuschrecken werden bestimmt, gezählt und im Anschluss wieder frei gelassen; Foto: Katrin Schachtl
Eine zeltförmige Falle mit flüssigkeitsgefülltem Fangbehälter an der höchsten Spitze des Zelts steht auf einer Wiese. Die Vielzahl an flugaktiven Insekten wird am effektivsten mit Malaisefallen erfasst, die umherfliegenden Insekten stoßen per Zufall an die Mittelwand der zeltförmigen Falle und weichen nach oben in Richtung des einfallenden Tageslichts aus, dort befindet sich ein Fangbehälter mit ungiftiger Fangflüssigkeit, in der die Tiere getötet und konserviert werden, gefangene Insekten werden gewogen und die Artbestimmung geschieht mithilfe von genetischen Analysen; Foto: Katrin Schachtl