Ein innovativer Baustein zum Landschaftsplan am Beispiel der Stadt Penzberg (Oberbayern)
Eine fundierte Gestaltung und Pflege von städtischen Grünflächen ermöglicht, wichtige Lebensräume und Korridore für die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu schaffen und zu erhalten. Gleichzeitig kann die Begrünung dieser Flächen durch Bäume und Sträucher an heißen Sommertagen die Umgebungstemperatur senken. Auch ein sinnvolles Regenwassermanagement trägt entscheidend zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels bei.
Durch kluge Planung und Gestaltung von Wegen, Sitzgelegenheiten und Spielplätzen sowie Informationsmöglichkeiten über die heimische Flora und Fauna und deren Rolle bei einer nachhaltigen Klimaanpassung können diese Flächen auch für Naherholung und Umweltbildung genutzt werden.
Aufgrund der besonderen und oft spezifischen Lebensraumansprüche vieler heimischen Tiere und Pflanzen ist es sinnvoll, vor der Planung von Maßnahmen auf einzelnen Flächen ein detailliertes Biotopverbundkonzept für das gesamte Gemeindegebiet voranzustellen.
1. Flächenmangel: Herausforderung für Kommunen
Der Mangel an verfügbaren Flächen stellt Städte und Gemeinden in zunehmendem Maße vor erhebliche Probleme bei der nachhaltigen ökologischen Flächenentwicklung. Im Fokus stehen hierbei aktuell dringende Aufgaben wie die Klimaanpassung, die Bewältigung der Biodiversitätskrise oder die Erholungsvorsorge.
Auch die Stadt Penzberg steht vor diesen Herausforderungen. Die Stadtentwicklung der jungen und florierenden Industrie- und Wohnstadt mit Bergbauvergangenheit wird durch die umliegenden hochwertigen und streng geschützten Hochmoorgebiete natürlich begrenzt. Gleichzeitig möchte Penzberg auch seinen Charakter als „Stadt mitten in der Natur“ stärken.
2. Der Landschaftsplan als Lösungsweg
Die genannten Themenfelder Klimaanpassung, Biodiversitätskrise und Erholungsvorsorge haben viele gemeinsame Aspekte, die sich mit dem Instrument der kommunalen Landschaftsplanung gut vereinen lassen. Mit ihm lassen sich sektorale Fachkonzepte wie Klimaanpassungskonzepte, Hochwasserschutzkonzepte oder Biotopverbundkonzepte auf konkrete Einzelflächen herunterbrechen. Durch eine Überlagerungsanalyse können räumliche Informationen kombiniert und bestmögliche Lösungen gefunden werden. So lassen sich beispielsweise Flächen für den Biotopverbund identifizieren, die gleichzeitig als Hochwasserrückhalt oder zur Naherholung dienen. Diese Form der ganzheitlichen Planung stärkt die Widerstandskraft der Kommunen gegen den Klimawandel und andere Umweltveränderungen. Die Stadt Penzberg hat sich daher entschieden, den Landschaftsplan im Parallelverfahren mit dem Flächennutzungsplan fortzuschreiben.
3. Innovativer Baustein des Landschaftsplans: multifunktionale Biotopverbundplanung.
Die Stadt Penzberg möchte die genannten drängenden Herausforderungen in Einklang bringen. Mittels eines sinnvoll geplanten Biotopverbundkonzeptes soll die Natur in die Stadt „zurückgeholt“ werden. Auf den selben Flächen sollen damit einhergehend Maßnahmen zur Klimaanpassung, zur Extremwettervorsorge und zur Erholungsnutzung getroffen werden. Durch eine nachhaltige Besucherlenkung sollen diese Themen im öffentlichen Raum für die gesamte Bevölkerung verständlich und greifbar gemacht werden.
Dadurch kann die Stadt Penzberg nicht nur die Lebensqualität für die Bevölkerung erhöhen, sondern auch wirtschaftliche Vorteile erzielen, indem sie gleichzeitig Kosten für Klimaanpassung und Extremwettervorsorge langfristig senkt. Durch eine nachhaltige Besucherlenkung können die Maßnahmen zudem sinnvoll kommuniziert werden, was das Engagement der Bürgerinnen und Bürger und somit den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert.
4. Der Penzberger Weg
Auf Grundlage der Erhebungen und erster Ergebnisse des Landschaftsplanungsprozesses wurde ein detailliertes Biotopverbundkonzept erarbeitet. Ziel ist es, bei begrenzter Flächenverfügbarkeit die Flächen zu identifizieren, die den Bedürfnissen der heimischen Tier- und Pflanzenwelt gerecht werden.
Daraus wurden vier „Pilotflächen“ ausgewählt. Für diese Flächen wurde in Form von Steckbriefen modellhaft dargestellt, wie diese multifunktional die Natur wieder in die Stadt „zurückholen“ und gleichzeitig für Klimaanpassung, Naherholung und Umweltbildung genutzt werden können. Ein besonderes Augenmerk lag bei der gesamten Planung auf der digitalen Bearbeitung sowie auf der Kompatibilität der erstellten digitalen Daten mit dem Geoinformationssystem und dem „Digitalen Zwilling“ der Stadt Penzberg.
Um sowohl die Themen Klimaanpassung und Biotopverbund für die Öffentlichkeit verständlicher und greifbarer zu machen, als auch die verschiedenen Beteiligungsschritte und -formate der einzelnen Planung zu koordinieren, wurde für den gesamten Planungsprozess ein Kommunikations- und Beteiligungskonzept durch eine externes Kommunikationsbüro erarbeitet.
5. Der Mehrwert
Effiziente Flächennutzung: Wenn stadteigene Flächen für mehrere Zwecke genutzt werden, reduziert sich der Bedarf an zusätzlichen Flächen. Aktuelle Themen der Stadtentwicklung, wie Klimaanpassung oder Biotopverbund, können so gezielt angegangen werden. Durch dieses proaktive Vorgehen kann die Kommune langfristig Flächen und Kosten sparen.
Verbesserung der Lebensqualität und des gesellschaftlichen Zusammenhalts: Die Schaffung von Grünflächen und Biotopen erhöht die Lebensqualität in Penzberg, indem sie attraktive Erholungsräume bietet, die das Wohlbefinden der Bevölkerung fördern. Gleichzeitig stärken diese Räume das soziale Miteinander sowie das Engagement der Bürgerinnen und Bürger, indem sie Gelegenheiten für gemeinsame Aktivitäten schaffen und das Bewusstsein für Umwelt- und Klimathemen schärfen.
Zugängliche Daten: Durch die Integration der Biotopverbundplanung in das Geoinformationssystem der Stadtverwaltung Penzberg sind die Daten jederzeit verfügbar und einsehbar. Sie „verstauben“ nicht, wie es bei ähnlichen Fachplanungen in den vergangenen Jahrzehnten oft der Fall war, sondern können bei allen anstehenden Maßnahmen und Entscheidungen berücksichtigt werden.
Foto: Stadt Penzberg
Weiterführende Informationen
- Der Penzberger Weg
- Empfehlungen
- Multifunktionale Flächennutzung - sinnvoll geplant - Ein innovativer Baustein zum Landschaftsplan am Beispiel der Stadt Penzberg (Oberbayern)
- Schlussbericht: Das Fachmodul „Blau – grüne Adern durch die Stadt: Biotope vernetzen – Natur begreifen – Synergien schaffen“ als innovativer Baustein zum Landschaftsplan der Stadt Penzberg
- Flächensteckbriefe: Blau-grüne Adern durch die Stadt: Biotope vernetzen – Natur begreifen - Synergien schaffen


