Ein innovativer Baustein zum Landschaftsplan am Beispiel der Gemeinde Höhenkirchen–Siegertsbrunn
Die Natur und ihre Ökosysteme liefern zahlreiche Vorteile und Leistungen, die für das menschliche Leben unerlässlich sind. Zum Beispiel reinigen Wälder die Luft, Flüsse und Seen liefern Wasser und Böden sind Grundlage für die Lebensmittelproduktion. Diese Beiträge der Natur zu unserem Leben sind oft unsichtbar oder wirken wie selbstverständlich, aber sie sind von unschätzbarem Wert und müssen gepflegt und geschützt werden.
Die Leistungen, die aus den Prozessen der Natur entstehen, werden "Ökosystemleistungen" bezeichnet. Dazu zählen auch immaterielle Vorteile, die uns etwa Erholung und Inspiration in der Natur ermöglichen. Die Nutzung dieser natürlichen Ressourcen führt jedoch vielfach zu Spannungen und Konflikten.
Das Verständnis und die Anwendung des Konzepts der Ökosystemleistungen ermöglicht es, die Natur und ihre Leistungen besser zu schätzen und zu schützen. Dies führt zu einer nachhaltigeren Nutzung natürlichen Ressourcen, was letztendlich ein gesünderes, widerstandsfähigeres und lebenswerteres Umfeld für uns alle schafft.
Die Landschaft in unserer Kommune steht unter einem hohen Nutzungsdruck. Vor diesem Hintergrund schärft die Landschaftsplanung das Bewusstsein dafür, welche wertvollen Lebensräume uns umgeben.(…) Bei der Nutzung von Flächen fällt immer auch ein Ökosystem weg. Was wir damit eventuell aufgeben, kann in Zukunft im Planungsprozess besser und ehrlicher abgewogen werden.
Mindy Konwitschny, Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn
1. Nutzungskonflikte lösen: Herausforderung für Kommunen
Auch in Bayern steigt der Nutzungsdruck auf unbebaute Flächen kontinuierlich an. Vor allem im suburbanen, großstadtnahen Raum ist dies eine große Herausforderung für die Kommunen, da diese Regionen attraktive Standorte für Siedlungen, Gewerbe und Rohstoffabbau sind. Gleichzeitig sollen die Gemeinden Ressourcen wie etwa Grundwasser oder Böden schützen und Flächen für Freizeit- und Erholungsnutzung bereitstellen.
Die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist durch ihre Lage im „Speckgürtel“ von München von diesen Herausforderungen besonders stark betroffen. Es ist besonders herausfordernd, die genannten Interessen und Bedürfnisse in Einklang zu bringen.
2. Der Landschaftsplan als Lösungsweg
Für die Bewältigung dieser komplexen Herausforderung ist eine Balance zwischen wirtschaftlichen und sozialen Aspekten einerseits und der Sicherung von Umweltbelangen und der Lebensqualität andererseits erforderlich.
Der kommunale Landschaftsplan als querschnittsorientiertes Planungsinstrument bietet sich hierfür als ideales Werkzeug an. Er liefert umfassende Informationen zu Natur und Landschaft im Gemeindegebiet und integriert unterschiedliche Nutzungsansprüche. Daher beschloss die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn im Rahmen der Fortschreibung ihres Landschaftsplans eine Bewertungsmethode für Flächennutzungsentscheidungen zu entwickeln.
3. Innovativer Baustein des Landschaftsplans: Vergleich der Ökosystemleistungen
Die Entwicklung eines Bewertungssystems für Flächennutzungsentscheidungen erfordert eine fundierte Analyse ökologischer, sozialer und ökonomischer Faktoren. Um eine ganzheitliche Betrachtung zu ermöglichen, bietet sich das System der Ökosystemleistungen (ÖSL) an. Der wesentliche Vorteil dieser Herangehensweise ist die Quantifizierbarkeit. Die Leistungen der Natur können hier gemessen und verglichen werden. Dadurch können die Auswirkungen von Flächennutzungsentscheidungen objektiv bewertet werden. Die Entscheidungsfindung wird somit nicht nur erleichtert, sondern erfolgt transparent und objektiv auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse.
4. Der Weg der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn
Die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn beschloss, vor der anstehenden Änderung ihres Flächennutzungsplanes den Landschaftsplan fortzuschreiben. Mit dieser Vorgehensweise können die Ergebnisse zu den Ökosystemleistungen aus dem Landschaftsplan bei den Entscheidungen zur künftigen Flächennutzung berücksichtigt werden.
Die Gemeinde möchte damit dem enormen Nutzungsdruck und den damit verbundenen Einflussnahmen von Interessensgruppen und Personen vorausschauend begegnen..
5. Der Mehrwert
Objektive Argumentationsgrundlage: Die Vergleichbarkeit der für die Gemeinde relevanten Ökosystemleistungen bietet eine nachvollziehbare und objektive Grundlage für Entscheidungen des Gemeinderats. Durch die systematische Erfassung und Bewertung dieser Leistungen werden alle relevanten Fakten sichtbar und können faktenbasiert betrachtet werden. So wird eine ausgewogene Entwicklung ermöglicht, die sowohl den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Kommune als auch der Erhaltung natürlicher Ressourcen gerecht wird.
Vertrauen in die Entscheidungsfindung: Durch die nachvollziehbare Argumentationsgrundlage können Entscheidungen des Gemeinderates transparent gegenüber der Bevölkerung kommuniziert werden. Dies stärkt nicht nur das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungsprozesse der Gemeinde, sondern ermöglicht es dem Gemeinderat auch, seine Entscheidungen klar und überzeugend zu begründen.
Akzeptanz durch Beteiligungskultur: Die aktive Einbindung der Bevölkerung sowie relevanter Interessensgruppen in die Entwicklung des Landschaftsplans und der Ökosystemleistungen stellt sicher, dass unterschiedliche Perspektiven und Meinungen gehört werden. Dies führt zu einer fundierteren und gemeinschaftlich getragenen Planung.
Foto:Christine Danner


