Bauschutt / RC-Baustoffe

Z.B. Ziegel, Beton, Kalkstein, Dacheindeckungen, Fliesen und Keramik, Fehlchargen und Bruch aus der Produktion von mineralischem Baumaterial.

Aufgeschüttete Bruchstücke von Ziegelsteinen Bild vergrößern Ziegelbruch

Regelungen und Merkblätter

Fragenkatalog (FAQ)

Fragen und Antworten

Dürfen mit Perlit befüllte Ziegel die auf Baustellen in kleinen Mengen als Verschnitt (z.B. 2 m3 bei einem Einfamilienhaus) anfallen, zur Verfüllung von Gruben, Brüchen und Tagebauen verwendet werden?

Antwort:

Insbesondere zur Verbesserung der Wärmedämmeigenschaften werden in den letzten Jahren Ziegel hergestellt und verwendet, bei denen Hohlräume durch Dämmmaterial wie Styropor, KMF (künstliche Mineralfasern) oder auch Perlite gefüllt sind. Durch diese Füllungen und eventuell zusätzlich verwendete Bindemittel können sich allerdings Probleme bei der Entsorgung ergeben.

Mit dem unseres Wissens derzeit einzigen Hersteller perlitgefüllter Ziegel, der Firma Schlagmann Poroton konnte geklärt werden, dass - aufgrund einer Produktionsumstellung - die derzeit auf Baustellen als Verschnitt in geringen Volumina anfallenden perlitgefüllten Ziegel zur Verfüllung von Gruben, Brüchen und Tagebauen befristet zugelassen werden können.

Sofern es sich um Ziegel handelt, die nach dem 01.03.2016 produziert wurden und der Anteil perlitgefüllter Ziegel 1% vom zulässigen Bauschuttanteil (in der Regel 1/3) der jeweiligen Verfüllmaßnahme nicht überschreitet, können diese vorerst bis zum 31.12.2019 in Gruben der Kategorien B, C1 und C2 (Z1.1, Z.1.2 und Z2-Gruben) verbracht werden. Dabei kann analog zu anderem Bauschutt verfahren werden und die alleinige Überschreitung des Parameters pH im Eluat bei Z 1.1-Gruben aus unserer Sicht als bauschutt-typisch toleriert werden. Nach uns vorliegenden Untersuchungsergebnissen ist davon auszugehen, dass diese Überschreitung auch nicht auf die Perlitfüllung, sondern auf die Ziegel zurückzuführen ist. Aufgrund der derzeit geltenden Regelungen (im Leitfaden reicht der Wertebereich bei Z 1.1 nur bis pH 9) wäre für eine solche Überschreitung bisher eine Zustimmung im Einzelfall notwendig.

Abschließend weisen wir auf Folgendes hin: Grundsätzlich ist anzustreben, dass sowohl die beim Bau als Abfall (Bruch und Verschnitt) als auch die beim späteren Gebäuderückbau anfallenden Ziegel in geeigneten Aufbereitungsanlagen recycelt werden. Dabei sind "Ziegel" und "Dämmstoffe" (wie auch Perlite) wieder voneinander zu trennen, um eine bautechnische Verwertung der Ziegelfraktion zu ermöglichen. Derzeit fallen aber von den perlitgefüllten Ziegeln nur so geringe Mengen beim Neubau an, dass entsprechende Aufbereitungsanlagen nicht sinnvoll und wirtschaftlich zumutbar betrieben werden können.

Die Regierungen, Wasserwirtschaftsämter und die für Gruben, Brüche und Tagebauen zuständigen Genehmigungsbehörden (Kreisverwaltungsbehörden und Bergämter) wurden mit einem LfU-Schreiben vom 13.09.2016 über die Möglichkeiten der Verfüllung perlitgefüllter Ziegel in Gruben, Brüchen und Tagebauen informiert.

Muss Betonbruch allein aufgrund einer erhöhten Leitfähigkeit in eine höhere Schadstoffklasse eingestuft werden?

Antwort:

Nein. Sofern alle übrigen Parameter eingehalten werden und kein spezifischer Verdacht auf Verunreinigungen besteht, sind Überschreitungen der Zuordnungswerte für Leitfähigkeit und pH-Wert nicht maßgeblich für eine Beurteilung. Der Grund für die Überschreitung - Freisetzung von nicht ausreagiertem Calciumhydroxid am frisch gebrochenen Material - ist bei der Abfallcharakterisierung mit anzugeben.

Für die Begründung wird auf den Abschnitt "Sammlung und Entsorgung" im Abfallsteckbrief für mineralische Abfälle auf der Internetplattform IPA "Informations-Portal-Abfallbewertung" des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) verwiesen:

"Spezielle Anmerkung zu Beton:
Beim Brechen von Beton wird kurzzeitig durch eine Hydratation im Zement die Freisetzung von nicht ausreagiertem Calciumhydroxid an den Bruchkanten hervorgerufen. Dadurch können bei einer Eluatanalyse hohe pH-Werte größer als 13 und stark überhöhte elektrische Leitfähigkeiten, ohne dass gleichzeitig erhöhte Werte für Chlorid und Sulfat vorliegen, gemessen werden.
Untersuchungen belegen jedoch, dass die gefahrenrelevanten Eigenschaften HP4 (reizend) oder HP8 (ätzend) unberücksichtigt bleiben können. Durch Luftkontakt erfolgt eine spontane Umsetzung mit Kohlendioxid zu schwer löslichem, ökotoxikologisch unbedenklichem Carbonat.
Der Parameter elektrische Leitfähigkeit, gemessen an frisch gebrochenem Beton, darf deshalb nicht als Kriterium für die Zulässigkeit oder Ablehnung einer Verwertung, sofern alle anderen abzuprüfenden Parameter den jeweiligen Zuordnungswert einhalten und kein spezifischer Verdacht auf Verunreinigungen besteht, herangezogen werden."

Das IPA ist ein bundesweites Projekt unter Beteiligung mehrerer Bundesländer, das Abfallsteckbriefe zu bestimmten Abfallarten zusammenstellt.

Hinweis:
Entsprechend der Abfallhierarchie (§ 6 KrWG) ist Beton bevorzugt dem Recycling zuzuführen. Erst wenn keine derartige Verwertungsmöglichkeit gefunden wird, kann er zur sonstigen Verwertung, beispielsweise zur Verfüllung von Gruben und Brüchen, verwendet werden.

Bei der Mindestgröße der Einzel- und Laborproben in Abhängigkeit vom Größtkorn unterscheiden sich LAGA PN 98 Tab. 3 und DIN 19698-1 Tab. 2. Was ist gültig?

Antwort:

Die LAGA PN 98 ist im Deponiebereich rechtlich verbindlich vorgegeben. Hier sind somit deren Vorgaben einzuhalten.

Für die übrigen Entsorgungswege können beide Vorschriften wahlweise herangezogen werden, da auch die DIN 19698-1 keinen verbindlichen Rechtscharakter aufweist, solange nicht in Verordnungen auf sie verwiesen wird. Sie ist als "Dokumentation des Stands der Technik und der aus fachlicher Sicht anzuwendenden Qualitätsanforderungen einzustufen" (vgl. Klaus Blomquist, Hessisches Landesamt für Umwelt, Altlasten-annual 2015: "LAGA PN 98 und/oder DIN 19698 – alles klar bei der Beprobung von Haufwerken?").

Muss bei einem Schwarzanstrich neben PAK auch immer MKW mitanalysiert werden?

Hintergrund:

Da es sich bei Bitumen um Mineralölkohlenwasserstoffe handelt, würde in diesem Fall der MKW-Wert immer über 2.500 mg/kg liegen. Das würde bedeuten, dass ab sofort der Großteil von Beton mit Schwarzanstrichen gefährlicher Abfall ist, obwohl der Anstrich "nur" bitumenstämmig ist.

Antwort:

In bitumenstämmigen Materialien liegen die Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW) als aliphatische Verbindungen in der Regel in Kettenlängen > C40 vor und sind deshalb für die abfallrechtliche Einstufung "gefährlich / nicht gefährlich" nicht zu berücksichtigen. Eine Untersuchung der MKW im Feststoff muss hier nicht erfolgen. Um sicherzustellen, dass es sich ausschließlich um bitumenstämmiges Material handelt, empfiehlt es sich, die MKW im Eluat zu untersuchen. Wenn es sich um bitumenstämmiges Material handelt, ist das Eluat unauffällig.