Stockheimer Steinkohle im Frankenwald

Vertreterin des Gesteins des Jahres 2018 in Bayern

Die Stockheimer Steinkohle im Frankenwald bei Stockheim wurde als Bayerns Vertreterin für das Gestein des Jahres 2018 ausgewählt.

Überdachtes Steinkohleflöz mit überlagertem Nebengestein und SitzstufenBild vergrössern Geotop "Stockheimer Steinkohle" nach aufwendiger Instandsetzung im Jahre 2015

Im Jahr 2008 hat die Gemeinde Stockheim das tief im Berg verborgene "Schwarze Gold" an einer Stelle auf dem Gelände der ehemaligen Steinkohlenzeche "St. Katharina" aufgeschürft und 2015 als Geotop mit Sitzstufen und einer Überdachung angelegt. Dieses geologische Kleinod ist heute der einzige Ort in ganz Bayern, an der Steinkohle "in natura" betrachtet werden kann. Die Stockheimer Steinkohle wurde daher als Vertreterin des Gesteins des Jahres 2018 in Bayern ausgewählt.

Bereits seit 2008 trägt das Steinkohleflöz das Gütesiegel "Bayerns schönste Geotope". Im Bergbau-Magazin und am Bergbau-Erlebnispfad in und um Stockheim kann man einiges über den Bergbau und die Steinkohle erfahren. Mehr Informationen zum Geotop Stockheimer Steinkohle finden Sie im Faltblatt (rechte Spalte) und auf unserer Internetseite.

Wie entsteht Kohle – Kohlearten

Voraussetzung für die Entstehung von Kohle ist eine große Menge unzersetztes, pflanzliches Material, das unter Abschluss von Sauerstoff nicht verfaulen kann, wie es in Mooren, Sumpfwäldern oder Schwemmfächern der Fall ist. In Folge der Sauerstoffverarmung erfährt der Kohlenstoffgehalt eine Zunahme - es bildet sich Torf.

Durch die Überdeckung mit jüngeren Ablagerungen gerät das pflanzliche Material im Laufe von Jahrmillionen immer mehr unter Druck; gleichzeitig steigen die Temperaturen. Dabei wird das Gestein fester und der Kohlenstoffgehalt erhöht sich. Diesen Prozess bezeichnet man als Inkohlung. Die Torfschichten werden dabei zusammengepresst, sodass aus dem Torf zunächst Braunkohle, bei höherem Druck und Temperatur Steinkohle entsteht. Durch gebirgsbildende Vorgänge und damit noch höhere Temperaturen und Drücke, können diese Kohlen auch zu Anthrazit beziehungsweise Graphit umgewandelt werden.

Fünf Quader die von links nach rechts für Torf, Braunkohle, Steinkohle, Anthrazit und Graphit stehen. Diese werden von links nach rechts immer mehr komprimiert, da der Druck auf das Gesteinspaket zunimmt. Damit verbunden wird der Flözhorizont von links nach rechts immer tiefer versenkt und verliert an Mächtigkeit.Bild vergrössern Grafik zur Entstehung der verschiedenen Kohlearten in Abhängigkeit von Druck und Temperatur

Kohle in Bayern

In Bayern kommen alle Kohlearten außer Anthrazit vor. "Schieferkohle" und "Pechkohle" sind inoffizielle Begriffe für zwei besondere Arten der Braunkohle, die in Bayern traditionell verwendet werden. "Schieferkohle" ist eine schwach inkohlte Braunkohle, während "Pechkohle" nahezu Steinkohlequalität aufweist. Die Kohlenvorkommen sind regional unterschiedlich verteilt:

  • Torf in Moorlandschaften, vor allem im Alpenvorland und in den nord- und ostbayerischen Mittelgebirgen
  • Schieferkohle vor allem im Alpenvorland
  • Braunkohle vor allem im Naabtal, aber auch am Untermain, in der Rhön und im Fichtelgebirge
  • Pechkohle am Alpenrand zwischen Sonthofen und Miesbach
  • Steinkohle bei Stockheim im Landkreis Kronach und Erbendorf im Landkreis Tirschenreuth
  • Graphit im südlichen Bayerischen Wald
Geologische Übersichtskarte von Bayern mit den verschiedenen Kohlenvorkommen, wie im Text erläutertBild vergrössern Geologische Übersichtskarte von Bayern mit den verschiedenen Kohlevorkommen

Weitere Informationen zu allen Vorkommen von Kohle und anderen mineralischen Rohstoffen Bayerns in Band 77 der Geologica Bavarica.

Die zugehörige Lagerstättenkarte ist auch über den Kartendienst UmweltAtlas Bayern abrufbar.

Beispiele für Kohlenvorkommen in Bayern

Torf

Rundweg auf einem Holzsteg durch das schware MoorBild vergrössern Holzsteg durch das schwarze Moor

Als Torf werden abgestorbene Pflanzenteile bezeichnet, die im Wasser luftdicht abgelagert wurden und nicht verfaulen können. Typischer Ablagerungsort sind Moore. Diese kommen in allen Regionen Bayerns vor, vor allem im Alpenvorland und in den Mittelgebirgen. Früher wurde der Torf verbreitet als Heizmaterial genutzt. Heute wird er nur noch in geringer Menge für medizinische Zwecke gewonnen.
Ein besonders gut erhaltenes Torfvorkommen ist das Schwarze Moor in der Rhön, das zu Bayerns schönsten Geotopen gehört und durch einen Rundweg mit Lehrpfad erschlossen ist.

Schieferkohle

Abbauwand mit horizontaler, schwarzer Flözschicht umgeben von ockerfarbenen KiesenBild vergrössern Die frisch abgeschürfte Aufschlusswand mit dem Schieferkohlenflöz, umgeben von Schotter und Kiesen

Als "Schieferkohle" werden in Bayern spezielle Braunkohlen bezeichnet. Sie entstanden während der Eiszeiten des Quartärs. Im Alpenvorland wurden warmzeitliche Moore durch die Auflast der ins Vorland vorrückenden kaltzeitlichen Alpengletscher zu Kohle gepresst. Diese Kohlen wurden früher für Heizzwecke abgebaut, zum Beispiel in Großweil bei Murnau. Eine Besonderheit ist das Vorkommen von Schieferkohle bei Dinkelscherben westlich von Augsburg, das zu Bayerns schönsten Geotopen gehört. Hier wurde Torf durch die Auflast jüngerer Sedimente (Schmelzwasserschotter späterer Kaltzeiten) zu Kohle gepresst.

Braunkohle

dunkelbraune Hügellandschaft mit jungem Baumbewuchs Bild vergrössern Hügellandschaft des Braunkohlereviers in Wackersdorf

Während des jüngeren Tertiärs bildeten sich unter subtropischen Klimabedingungen ausgedehnte Sumpfwälder. Die dabei entstandenen Torflagen wurden immer wieder von Feinsedimenten überdeckt, sodass mächtige Wechsellagen von Tonen, Sanden und humosen Lagen entstanden. Diese Ablagerungen wurden später von Flusskies überschüttet und durch den steigenden Überlagerungsdruck in mächtige Braunkohleschichten umgewandelt. Die wichtigsten Braunkohlevorkommen gab es entlang der Naab, am Untermain bei Aschaffenburg, in der Rhön und im südlichen Fichtelgebirge. Hier wurden Braunkohlen in Tagebauen, seltener auch untertage abgebaut und vorwiegend zur Stromgewinnung verwendet.

In der südlichen Oberpfalz befindet sich das größte Braunkohlerevier in Bayern entlang des Flusssystems der Ur-Naab. Hier erinnern heute Seen an die großen Tagebaue, die bis 1982 in Betrieb waren. Im Westfeld des Tagebaus Wackersdorf blieb ein Braunkohleflöz erhalten, das zu Bayerns schönsten Geotopen gehört. Gegenüber dem Parkplatz befindet sich der "Tertiärwald". Hier führt außerdem der ca. 3,5km lange "Museumslehrpfad" vorbei, der das Heimat- und Industriemuseum Wackersdorf mit dem Heimat- und Braunkohlemuseum Steinberg am See verbindet.

Pechkohle

Ausschnitt der Aufschlusswand mit schräg verlaufenden PechkohleflözBild vergrössern Oberbayerisches Pechkohleflöz am Bühlach bei Peiting

Eine besondere Ausbildung der Braunkohle in Bayern ist die "Pechkohle" im Gebiet der Faltenmolasse. Der durch die Alpenentstehung ausgelöste, extrem hohe Gebirgsdruck und die hohen Temperaturen ließen diese Braunkohle nahezu Steinkohle-Qualität erreichen. Entstanden ist sie vor 36 bis 24 Millionen Jahren am Rand des tropischen Molassemeeres, das wiederholt vordrang und zurückwich. Abgestorbenes Pflanzenmaterial wurde in den Küstensümpfen durch Wasser überdeckt und bei erneuten Vorstößen des Meeres von Feinsedimenten überlagert. Die Pechkohle wurde vorwiegend zu Heizzwecken abgebaut. Zahlreiche große Bergwerke förderten bis 1971 untertage die oberbayerische Kohle. Die wichtigsten Reviere lagen bei Peiting, Peißenberg, Penzberg, Marienstein, Miesbach, Hausham und Au bei Bad Aibling. Hier gibt es heute mehrere Museen, Schaubergwerke und Lehrpfade. Am Bühlach bei Peiting wurde beim Straßenbau ein Pechkohleflöz freigelegt, das dauerhaft erhalten werden konnte. Es gehört zu Bayerns schönsten Geotopen und liegt am Peitinger Bergbauweg.

Steinkohle

Blick auf die frisch abgeschürfte und überdachte Aufschlusswand mit schwarzem Kohleflöz am Fuß und überlagerten roten Sedimentgesteinen. Davor steht die Geotop- Informationstafel.Bild vergrössern Sanierter Aufschluss am Geotop "Stockheimer Kohle" mit überlagerten Rotliegend-Sedimenten

Steinkohle tritt in Bayern nur in alten Ablagerungen aus der Karbon- und Perm-Zeit ("Rotliegend"). Nur sie wurden im Lauf der Jahrmillionen durch genügend jüngere Ablagerungen überdeckt, dass Bedingungen herrschten, die ausreichten um Steinkohle zu bilden. Abgebaut wurde Steinkohle untertage bei Erbendorf und Stockheim-Reitsch. Der Abbau in Stockheim wurde 1582 erstmals erwähnt. Das letzte und bedeutendste Bergwerk, die Katharinenzeche, war von 1756 bis 1968 in Betrieb. Das heute noch sichtbare Stockheimer Steinkohleflöz gehört zu Bayerns schönsten Geotopen. Neben dem Geotop existiert im Bergbau-Magazin eine Ausstellung zur Bergbaugeschichte. Der Geopfad Dachsbau führt durch das Bergbaurevier.

Graphit

Förderwägen mit Graphitstücken in einer zweckmäßig beleuchteten StreckeBild vergrössern Der Graphit wird untertage gewonnen und mittels Grubenhunt transportiert

Im südlichen Bayerischen Wald gibt es Graphitvorkommen, die aus Faulschlamm-Ablagerungen eines Meeresbodens entstanden sind. Im Zuge der Variszischen Gebirgsbildung vor etwa 300 Millionen Jahren wurden diese durch sehr hohe Temperaturen von mehr als 600°C in Graphit umgewandelt. Graphit besteht aus reinem Kohlenstoff und hat besondere technische Eigenschaften. So wurden die Vorkommen um Hauzenberg bereits vor über 2.000 Jahren von den Kelten genutzt, um daraus feuerfeste Keramik (Kochtöpfe und Schmelztiegel) herzustellen. Neben dieser traditionellen und bis heute aktuellen Verwendung dient Graphit auch zur Herstellung von Bleistiftminen. Bis heute wird Graphit im Hauzenberger Ortsteil Kropfmühl untertage abgebaut und für verschiedenste technische Produkte aufbereitet.

In Kropfmühl gibt es außerdem neben einem Schaubergwerk auch ein Museum und einen Geopfad zum Thema Graphit. Weitere Informationen im UmweltAtlas Bayern unter "Geologie erleben" (Geotope, Museen, Schaubergwerke und Lehrpfade).

Tipp: geben Sie den gewünschten Ort (zum Beispiel "Kropfmühl") im Suchfeld ein.