Andesit - Gestein des Jahres 2020/2021

Andesit ist ein vulkanisches Gestein. Seinen Namen erhielt es von den Anden in Südamerika, wo es weit verbreitet ist. Andesite treten besonders häufig in den geologisch jungen Vulkangürteln rund um den Pazifik auf ("Ring of Fire"), aber auch in anderen Vulkangebieten.

In Deutschland kommt Andesit überwiegend in den etwa 280 bis 300 Millionen Jahre alten "Rotliegendablagerungen" des Oberkarbons und Perms vor, wie beispielsweise im Saar-Nahe-Gebiet, im Thüringer Wald, im Flechtinger Höhenzug, in der Vorerzgebirgssenke, der Döhlen Senke und in Nordwest-Sachsen. Diese "Rotliegendbecken" entstanden, als das stark empor gehobene "Variszische Gebirge" in einzelne Schollen zerfiel. Dabei sanken innerhalb des Gebirges und in seinen Vorländern Becken ein, in denen sich der Erosionsschutt ablagerte. Entlang von Störungen konnten Magmen aufsteigen, wodurch die Beckenbildung durch intensiven Vulkanismus begleitet wurde.

Andesit ist ein besonders hartes und widerstandsfähiges Gestein. Er findet Verwendung als Schotter oder Splitt im Straßen-, Wege,- und Gleisbau sowie als Zuschlag für die Beton- und Asphaltherstellung. Untergeordnet dient Andesit auch als Naturwerkstein, beispielsweise in Südtirol oder auf dem Peloponnes.

Vulkanische Gesteine werden unter anderem durch ihren Gehalt an "Kieselsäure" (SiO2) unterschieden. Während der "basische" Basalt weniger als 52 Gewichtsprozent SiO2, der "saure" Rhyolith mehr als 69 % aufweist, liegt der Andesit mit 57 - 63 %, dazwischen. Er gehört daher zu den "intermediären" Gesteinen.

Das Gestein ist meist von dunkelgrauer bis grüngrauer Farbe mit einem porphyrischen Gefüge, das durch große Kristalle von Feldspat, Hornblende oder Pyroxen in einer feinkristallinen Grundmasse (Matrix) charakterisiert ist.

Der Name Andesit geht auf Leopold Freiherr von Buch (1774-1853) zurück. 1836 beschrieb er das Gestein erstmals in seinem Beitrag "Ueber Erhebungscrater und Vulkane" in den Annalen der Physik und Chemie.

Detailaufnahme der Felsoberfläche mit runden und länglichen Einlagerungen Detailfoto mit Hornblende- und Plagioklas-Einsprenglingen (Blatt Tittling, Bayerischer Wald)

Andesit in Bayern

In Bayern kommt Andesit (früher häufig als "Porphyrit" bezeichnet) selten vor und wurde bis auf wenige Ausnahmen nicht abgebaut. Sein Vorkommen beschränkt sich auf das Stockheimer Rotliegende im Frankenwald sowie Gänge im Bayerischen Wald. Eine Besonderheit stellen Andesitgerölle in Schottern des Inns dar. Deren Herkunft liegt im Alpenbereich außerhalb Bayerns.

Stockheimer Becken

In Nordbayern sind "Rotliegend-Gesteine" im Untergrund weit verbreitet, an der Oberfläche aber nur an wenigen Stellen am Westrand des Frankenwaldes sowie des Oberpfälzer und Bayerischen Waldes zu finden. In diesen Gebieten kommen neben den typischerweise rötlich gefärbten Sedimenten auch Vulkanite vor. Dabei handelt es sich in der Regel um saure Rhyolithe. Nur im Stockheimer Becken (Landkreis Kronach) gibt es außer den Rhyolithen auch kleine Vorkommen intermediärer Gesteine. So genannte "Porphyrconglomerate" beziehungsweise "Porphyrit-Tuffbreccien" östlich von Rothenkirchen (Marktgemeinde Pressig) stellen pyroklastische Vulkanite mit vermutlich andesitischer Zusammensetzung dar. Hier gibt es mehrere natürliche Felsbildungen, die allerdings schlecht zugänglich sind.

Detail einer Felswand Detailfoto mit pyroklastischer Brekzie; Foto: Georg Loth

Bayerischer Wald

In einer Gebirgsbildungsphase vor ca. 350 bis 280 Millionen Jahren sind Teile des Südkontinentes Gondwana, der unter anderem die Bereiche der heutigen Kontinente Afrika, Antarktika, Südamerika und Australien umfasste, mit den Nordkontinenten Baltica und Laurentia, dem heutigen Nordamerika kollidiert. Dies führte zur Bildung des Superkontinents Pangäa. Dabei entstand ein Hochgebirge (Variszisches Gebirge), dessen Reste heute in weiten Bereichen Mitteleuropas den Untergrund bilden. Aufgrund der Millionen Jahre andauernden Verwitterung sind die dabei entstandenen Berge nur mehr abgeflachte Höhenzüge, wie zum Beispiel der Bayerische Wald.

Blick auf die Felswände eines Steinbruchs Ehemaliger Granitbruch Schauberg mit Andesitgang (Gemeinde Sonnen, Landkreis Passau)

Während der Gebirgsbildung drangen große Mengen von Magmen in die Erdkruste ein, die heute überwiegend als Granite vorliegen. Die Intrusion von steilstehenden, postgranitischen Ganggesteinen markiert das Ende der magmatischen Aktivität vor etwa 300 Millionen Jahren Darunter befinden sich auch intermediäre Gesteine (früher als "Porphyrit" bezeichnet) mit andesitischer oder andesitähnlicher Zusammensetzung. Ob diese Ganggesteine in Zusammenhang mit einem zeitgleichen Vulkanismus an der damaligen Erdoberfläche stehen, kann nicht mehr nachvollzogen werden, da das Gebirge heute aufgrund der späteren Hebung, Verwitterung und Erosion bis auf seine Wurzeln abgetragen ist.

Beispiele für Andesite im Bayerischen Wald sind:

  • Andesitgang am Koksberg bei Schönberg (Landkreis Freyung-Grafenau)
  • Andesit- bis Latitgang Steinbruch Schauberg bei Sonnen (Landkreis Passau)

Inn-Schotter

Eines der größten Rätsel in der Geröll- und Geschiebeforschung des Alpenvorlandes stellten bis vor kurzem charakteristische vulkanische Gesteine mit porphyrischem Gefüge dar. Sie treten oft im Kieselsteinspektrum des Inns auf und gelten dort als "Leitgeschiebe" für die Herkunft aus den Ablagerungen des eiszeitlichen Inngletschers. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Andesite und Dazite. Sie sind leicht an den milchig-weißen, tafelförmigen Feldspat-Einsprenglingen zu erkennen, die oft auch gruppiert wie Sternchen in der graubraunen, feinkörnigen Grundmasse regellos verteilt sind.

Eiförmiges Felsstück mit hellen Einlagerungen Andesitgeröll aus "Wanderungen in die Erdgeschichte (26) - Auf den Spuren des Inn-Chiemsee-Gletschers", Pfeil-Verlag, München; Foto: Dr. Robert Darga

Aufgrund von chemischen Analysen und Altersbestimmungen können diese Gesteine einer Vulkankette zugerechnet werden, die sich vor rund 30 bis 40 Millionen Jahren südlich der heutigen Zentralalpen über mehrere hundert Kilometer hin erstreckt haben muss und heute nicht mehr vorhanden ist. Im Bereich des Reschenpasses und im Engadin wurden gangförmige Vorkommen derartiger Andesite gefunden, die ebenfalls als Liefergebiet der Gerölle in Betracht kommen.

Vereinzelt wurden Andesitgerölle auch östlich des Inn-Systems in Schottern der Berchtesgadener Ache und Ramsauer Ache entdeckt. Eine Suche nach dem Liefergebiet enthüllte das Vorkommen in Konglomeraten der "Ramsauer Nagelfluh", einem verfestigten Schotter aus der vorletzten ("Riß"-)Kaltzeit. Die Herkunft dieser Gesteine ist nicht bekannt. Einerseits zeigen sie Parallelen zu den Inn-Leitgeschieben, andererseits könnten sie auch mit den eiszeitlichen Gletschern von Süden herantransportiert worden sein.