Gestein des Jahres

Jedes Jahr wird ein anderes Gestein in seiner Gesamtheit ausführlich der Öffentlichkeit präsentiert. Kompaktes Wissen über seine Entstehung und Vorkommen, seine Funktionen in der Natur sowie seinen Nutzen für den Menschen werden verständlich vermittelt. Die Initiative "Gestein des Jahres" ist ein Beitrag, um die Geowissenschaften der Öffentlichkeit näher zu bringen.

Museen, Geoparks, Institutionen, Vereine und Rohstoffbetriebe erhalten so die Möglichkeit, das ausgewählte Gestein in den Vordergrund von Aktionen zu stellen, beziehungsweise für die Bewerbung von Produkten zu nutzen.

Die Wahl des Gesteins des Jahres erfolgt durch ein Gremium aus Vertretern des Berufsverbands Deutscher Geowissenschaftler e.V. (BDG) und der Deutschen Geologischen Gesellschaft - Geologische Vereinigung e.V. (DGGV) sowie Vertretern aus den Bereichen Geotourismus, Natursteinwirtschaft, Rohstoffwirtschaft und Denkmalschutz/Architektur.

Bisher wurden gewählt:

  • 2018 Steinkohle
  • 2017 Diabas
  • 2016 Sand
  • 2015 Gneis
  • 2014 Phonolith
  • 2013 Kaolin
  • 2012 Quarzit
  • 2011 Tuff
  • 2010 Kalkstein
  • 2009 Basalt
  • 2008 Sandstein
  • 2007 Granit

Schiefer – Gestein des Jahres 2019

In diesem Jahr wurde der Schiefer, das "blaue Gold"- wie der Schiefer auch genannt wird, zum Gestein des Jahres gewählt.

Mit schwarzem Schiefer und weißen Mustern in der Fassade verkleidetes HausBild vergrössern Schieferverkleidetes Haus bei Ludwigsstadt (Oberfranken) mit ansprechendem weißen Muster

Mit Schiefer verkleidete Häuser prägen das heutige Bild einer Region, in der einst hochwertiger Schiefer abgebaut wurde. Schon die Römer deckten damals ihre Dächer mit diesem Naturstein. Auch ist Schiefer als ehemaliges Schreibwerkzeug bekannt. Schiefertafeln und Griffel aus dem Raum Ludwigsstadt und Lehesten (Thüringen) gingen in die ganze Welt und erfreuten sich großer Nachfrage.

Schiefer in Bayern

In Bayern kommt Schiefer ausschließlich im Frankenwald vor. Der Schieferbergbau hat hier eine jahrhundertelange Tradition. Große Schieferhalden und tiefe Abbaulöcher sind heutige Zeugen der ehemaligen Blütezeit des Bergbaus im 19. und 20. Jahrhundert. Nur noch das Bergwerk Lotharheil bei Geroldsgrün baut im Frankenwald Schiefer ab.

Vom Ton zum blauen Gold

Schieferwand mit Moos umwachsenBild vergrössern Typische Spaltfläche des Schiefers in der Natur

Wesentliches Erkennungsmerkmal des Schiefers ist seine gute Spaltbarkeit entlang der Schieferungsflächen, woher sich auch sein Name ableitet (althochdeutsch scivero – Splitter). Doch wie entsteht diese typische Schieferung?

Der sogenannte Hauptdachschiefer, der für Dacheindeckungen und Wandverkleidungen gewonnen wurde, entstand vor etwa 350 Millionen Jahren. In dieser Zeit befand sich die Region um Ludwigsstadt in den Tiefen eines großen Urmeeres. Feinste Schwebeteilchen lagerten sich als Tonschlamm im Beckentiefsten ab. Mit der Zeit stieg der Druck durch die überlagernden Schichten an. Der Tonschlamm wurde "ausgepresst" und es entstand Tonstein. Während der variszischen Gebirgsbildung wurden diese Tonsteine enormen seitlichem Druck ausgesetzt. Dabei richteten sich die länglichen Tonkristalle senkrecht zum Druck aus und es entstand die typische Schieferung des Gesteins.

Entlang der Schieferflächen lässt sich der Schiefer hervorragend in dünne Platten brechen. Aber damit noch nicht genug: Schiefer ist ein robuster und druckfester Werkstein, der resistent gegenüber verschiedenen Umwelteinflüssen, wie Hitze- und Kälteschwankungen, ist und ein geringes Aufnahmevermögen von Wasser besitzt. Somit ist Schiefer ideal für die Fassadenverkleidung und Dacheindeckungen. Er wird auch für Fußböden, Fensterbänke und viele andere Zwecke verwendet.