Sanddünen im Nürnberger Reichswald bei Altdorf - Gestein des Jahres 2016

Bayerns Repräsentant für das Gestein des Jahres 2016 sind die bis zu 40 Meter hohen Sanddünen im Nürnberger Reichswald bei Altdorf. Die Sanddünen sind Teil eines der größten Dünenfelder in Bayern und bilden eine eindrucksvolle Landschaft mit lichten Kiefernwäldern, ehemaligen Sandgruben und offenen Sandflächen. Seltene Tiere, Pflanzen und Flechten haben sich auf diesen trockenen Extremstandort angepasst. Auf dem Fränkischen Dünenweg lässt sich das Gebiet gut durchwandern oder mit dem Rad erkunden.

Der Weg durch den Kiefernwald Weg durch den lichten Flechten-Kiefernwald, der auf den Sanddünen stockt

Entstehung der Dünenlandschaft

Der Untergrund weiter Teile Mittelfrankens wird aus sandigen Ablagerungen aufgebaut, die im Erdmittelalter vor ca. 210 Millionen Jahren entstanden. Während der letzten Eiszeit vor mehr als 10.000 Jahren, als große Flächen fast vegetationsfrei waren, wurde durch den Wind feines Gesteinsmaterial ausgeblasen und an anderer Stelle als "Flugsand" wieder abgelagert. Dies geschah vor allem westlich der großen Mittelgebirgszüge Nordbayerns (Steigerwald und Frankenalb).

Durch anhaltende Winde bildeten sich in den Flugsandablagerungen ausgedehnte Dünenfelder, genau wie in heutigen Wüstengebieten. Rund um Nürnberg befindet sich eines der größten Dünenfelder in Bayern. Erst als nach der Eiszeit die Vegetation wieder Fuß fassen konnte, sind die Dünenwanderungen zum Stillstand gekommen. Die Flugsande sind daher ein Beleg für die Klimabedingungen während der letzten Eiszeit. Bei fehlender Vegetation (zum Beispiel durch starke Rodung) wanderten Dünen aber auch noch in jüngerer Zeit.

Literaturhinweis: Habbe, K. A. (1997): Die aeloischen Sandablagerungen vor dem Stufenhang der Nördlichen Frankenalb.- MItt. Fränk. Geogr. Ges., 44: S. 1-73; Erlangen

Früher Abbaugebiet, heute Lebensraum

Im Reichswald nordwestlich von Altdorf liegen unter langgestreckten Dünenzügen noch andere Sande ("Flusssande"), die von eiszeitlichen Flüssen abgelagert wurden. Dadurch entstanden hier besonders mächtige, bis zu 40 Meter dicke Sandanhäufungen. Sie wurden in riesigen Sandgruben abgebaut und zum Beispiel beim Autobahnbau verwendet. Mehrere sehr große und auch bis 40 Meter tiefe Sandgruben zeugen von dieser Zeit.

Becherflechten Im Naturschutzgebiet sind über 30 Flechtenarten nachgewiesen, darunter Becherflechten (Cladonia)

Die Wälder und die noch vorhandenen freien Sandflächen sind wertvolle Lebensräume für bedrohte Pflanzen- und Tierarten, die auf diesen trockenen und mageren Extremstandort angepasst sind. Daher ist das Gebiet heute als Naturschutzgebiet "Flechten-Kiefernwälder südlich Leinburg" ausgewiesen und Teil des Naturschutzprojekts "SandAchse Franken". Außerdem ist das Gebiet wichtig für die Trinkwasserversorgung des Großraums Nürnberg. Mit dem Abbau der noch vorhandenen Sandmengen ist es daher vorbei.

Geotop Dünen und Sandgruben – zu Fuß und per Rad

Das Gebiet im Nürnberger Reichswald ist durch einige Forstwege erschlossen. Im Westen bietet ein Weg Einblick in eine der Sandgruben, im Süden und Osten führt der Wanderweg "Fränkischer Dünenweg" durch die Sanddünen (Tourenbeschreibung unter "Weiterführende Informationen"). Im Faltblatt (unter Publikationen rechts) finden Sie eine Beschreibung, wie das Geotop mit der Infotafel erreicht werden kann.

Die Tiere und Pflanzen sind besonders störungs- und trittempfindlich. Bitte bleiben Sie daher auf den Wegen.

Kurzinformation zum Sand

Sand ist ein unentbehrlicher Roh- und Baustoff und von wesentlicher wirtschaftlicher Bedeutung: Keine Betonkonstruktion und kein Mauerwerk, weder Stahlbeton-Wolkenkratzer, noch Straßen, Fenster oder Glasflaschen kommen ohne den Zusatz von Sand aus. Er ist unerlässlich bei der Herstellung von elektronischen Bauteilen wie Solarzellen oder elektronischen Platinen. Er wirkt als Schleif- und Poliermittel und wird in der Wasserreinigung in Kläranlagen sowie Wasserwerken eingesetzt. Sand speichert aufgrund seiner hohen Porosität auf natürliche Art und Weise Grundwasser, aber auch Erdöl und Erdgas.

Aber Sand ist nicht gleich Sand. Aufgrund ihrer technischen Eigenschaften eignen sich viele Sande auch nicht für heutige Nutzungen. Sand gibt es an sich also scheinbar häufig, zur Nutzung als mineralischer Rohstoff ist er jedoch in vielen Ländern bereits Mangelware.

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