Das hydrologische Jahr 2024/2025, das als Niedrigwasserjahr bezeichnet werden kann, war insbesondere bis Anfang Juli 2025 gekennzeichnet von überdurchschnittlich warmen und trockenen Phasen sowie Hitzewellen.
Viele Fließgewässer wiesen bereits ab Februar 2025 niedrige Abflüsse auf. Diese Entwicklung hat sich bis in den Herbst hinein fortgesetzt. Im Juli waren mehr als 90 Prozent der Fließgewässer von Niedrigwasser betroffen. Vereinzelt sind Gewässer auch vollständig ausgetrocknet. In naturnahen Fließgewässersystemen ist die Lebensgemeinschaft an mehrwöchige Niedrigwasserphasen angepasst. Bodenlebende Kleinorganismen wie Insektenlarven nutzen zum Beispiel das Kieslückensystem unterhalb der Gewässersohle als Rückzugsraum. Fische wandern mit rückläufigen Wasserständen mit und weichen in tiefere Gewässerbereiche aus. Viele Fließgewässer sind aber heute z.B. durch wasserbauliche Maßnahmen der Vergangenheit wie Längs- und Querverbauungen stark verändert und das Kieslückensystem ist bspw. durch eingetragenes Feinsediment verstopft, so dass diese Mechanismen nicht mehr wie in naturnahen Systemen funktionieren. Während die kleinen wirbellosen Tiere und auch die Fische belastet werden, können Algen und Wasserpflanzen teilweise von der geringeren Strömung und der höheren Sonneneinstrahlung profitieren und ausgedehnte Bestände wie beispielsweise an der Amper bilden.
Die Amper im Landkreis Dachau bei Niedrigwasser, mit starken Makrophyten-BeständenVon Juni bis Anfang Juli und Mitte August 2025 traten Hitzeperioden auf. Beide Faktoren zusammen, ein geringer Abfluss in Verbindung mit hohen Wassertemperaturen, wirken sich nachteilig auf den Sauerstoffgehalt als wichtigsten Faktor für das Leben im Gewässer aus.
In den Flussperlmuschel-Gebieten wurden auch im Jahr 2025 wieder Stützungsmaßnahmen in Form von gezielten Zuleitungen von Wasser aus Teichen oder gefassten Quellen vorgenommen, um die Bestände vor der Austrocknung zu bewahren. In anderen Bächen Oberfrankens wurden während dieser Niedrigwasserphasen sehr niedrige Sauerstoffgehalte gemessen und einzelne Krebssterben festgestellt.
Am stauregulierten Main und auch an der Donau wird die gewässerökologische Situation im Rahmen von Alarmplänen beobachtet. Im Jahr 2025 wurden im Main ab Anfang Juni niedrige Sauerstoffwerte unterhalb der definierten Schwellenwerte gemessen. Daher wurde hier mehrfach für einige Tage die Meldestufe „Warnung“ ausgegeben. Ende Juni kamen erhöhte Wassertemperaturen hinzu. Im Juli musste schließlich die Warnstufe Alarm ausgerufen werden, weil hohe Wassertemperaturen von über 28°C, niedrige Sauerstoffgehalte von 4mg/l und gleichzeitig geringe Abflusswerte auftraten (Abbildung 1).
Abbildung 1: Verlauf der Sauerstoffkonzentration und der Temperatur im Juni und Juli 2025 an der Messtation Kahl am MainAn der Donau unterhalb von Regensburg wurde ab Mitte Juni bis Mitte Juli ebenfalls die Warnstufe „Warnung“ ausgerufen, da die Schwellenwerte für Sauerstoff und Wassertemperatur verletzt waren. So wurden an der Messstation Pfelling Wassertemperaturen bis 27,8°C gemessen.
Die Anzahl der am Bayerischen Landesamt für Umwelt untersuchten Fischsterben lag auf einem mit dem Vorjahr vergleichbaren Niveau. Bei einem der untersuchten Fischsterbensfälle stellte Niedrigwasser einen Faktor für das Versterben der Fische dar. In diesem Fall gelangte ungeklärtes Abwasser aus einer Kläranlage in einen Niedrigwasser führenden Bach, wodurch der Bach unterhalb der Einleitstelle zu zwei Dritteln aus dem Kläranlagenablauf bestand und es zu einem Fischsterben kam.
Diese durchaus kritischen Temperatur- und Sauerstoffbedingungen in vielen Fließgewässern erreichten durch das phasenweise kühlere Wetter und wiederholte Niederschläge im Juli und August wieder Normalwerte.
