Die Gewässerkunde ist nicht nur das Gedächtnis (für vergangene Entwicklungen) und das Auge (zum Erfassen/Messen der aktuellen Situation) der Wasserwirtschaft, sondern auch ein wichtiger Impulsgeber für alle zukünftigen wasserwirtschaftlichen Aufgaben und Maßnahmen. Das heißt, die Erkenntnisse aus der Auswertung der gewonnen Daten sind unabdingbar Grundlage für Informations- und Warndienste (Hochwassernachrichtendienst, Niedrigwasserinformationsdienst, Lawinenwarndienst, etc.) sowie die vorausschauende Planung wasserwirtschaftlicher Maßnahmen.

Die kleine Insel Hoy (kleinste Insel Deutschlands) im Bodensee ist nach dem Trockenfallen auch zu Fuß erreichbar (Frühjahr 2025). Blick auf die Steinmauer um die Insel mit Bodensee und den Bergen der Alpen im Hintergrund. Im Vordergrund kann man Fahrzeugspuren erkennen. Trockengefallende Insel Hoy/Bodensee im Frühjahr 2025; Foto: Joachim Stoermer, Ref. 86, LfU

Es ist deshalb umso wichtiger, die Erkenntnisse aus den erhobenen Daten aus den bayernweit über 4.000 Messstellen zur Untersuchung von chemischen, biotischen und abiotischen Umweltvariablen schnell und übersichtlich zu präsentieren und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Warum wurde der Betrachtungszeitraum geändert?

Zum ersten Mal wurde der bekannte „Gewässerkundliche Jahresbericht“ in einen „Hydrologischen Jahresbericht“ überführt. Das Hydrologische Jahr, auch Abflussjahr genannt, beginnt am 01. November des Vorjahres und reicht bis zum 31. Oktober des laufenden Jahres. Hier lassen sich die wasserwirtschaftlich relevanten Prozesse auf den Wasserhaushalt besser abbilden.

So sind im hydrologischen Winterhalbjahr (01. November des Vorjahres bis 30. April des laufenden Jahres) die Sonneneinstrahlung und die Temperaturen deutlich reduziert. Die Verdunstung ist niedriger. Gleichzeitig ist der Bewuchs im Winter geringer und die Vegetation entzieht dem Boden weniger Wasser. Aus diesen Gründen kann fallender und abgelagerter Niederschlag im Winterhalbjahr leichter zu einer Grundwasserneubildung führen. Auch die Betrachtung des Schneedeckenaufbaus, der Wasserspeicherung im Schnee, der Schneeschmelze mit Taufluten sowie die Lawinengefährdungen in einer Wintersaison gehen über das kalendarische Jahr hinaus.

Im hydrologischen Sommerhalbjahr (01. Mai bis 31. Oktober) sind dagegen die Effekte aus konvektiven Starkregenfällen, Hitzewellen und Trockenperioden, erhöhte Verdunstung und der gesteigerte Wasserbedarf der Vegetation besonders hervorzuheben.

Was ist Inhalt des Hydrologischen Jahresberichts?

Inhaltlich ändert sich im Vergleich zum Vorgängerprodukt nicht viel. Neben den quantitativen Aspekten (Niederschlagsmenge, Abfluss, Grundwasserstände, etc.) beschäftigt sich der Bericht auch detailliert mit der Qualität von Gewässern. Hierbei wird der ökologisch-chemische Zustand von Wasserkörpern zum einen über die Zusammensetzung der aquatischen Flora und Fauna und zum anderen über die Belastung mit chemischen Stoffen ermittelt. Die EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) fordert bis spätestens 2027 den guten ökologischen Zustand für alle richtlinienrelevanten Wasserkörper. Eine kontinuierliche Dokumentation der Gewässerökologie und -chemie ist unentbehrlich als Grundlage für Maßnahmen, um die nötigen Verbesserungen herbeizuführen oder Verschlechterungen zu verhindern (Verschlechterungsverbot).

Der Hydrologische Jahresbericht gliedert sich in die Bereiche Meteorologie, Flüsse, Seen, Grund- und Bodenwasser und den Bericht des Lawinenwarndienstes.