Gewässerqualität Seen

Die Gewässerqualität der Seen hat viele Facetten. Die chemisch-physikalischen Eigenschaften des Wassers beschreiben das Milieu bzw. die Umweltbedingungen für die Lebensräume in den Seen. Diese werden durch verschiedene Lebensgemeinschaften von Bakterien, Pflanzen und Tieren besiedelt. Die von der Wasserwirtschaftsverwaltung regelmäßig durchgeführten biologischen und chemisch-physikalischen Untersuchungen zur Gewässerqualität der Seen dienen der Beurteilung der Qualität der Seen als ganzheitliches Ökosystem und deren langfristige Entwicklung. Untersuchungen zur Badewasserqualität und damit auch zu Belastungen durch Blaualgen gehören zum Bereich des Gesundheitswesens und können bei den zuständigen Gesundheitsämtern erfragt werden.

Cyanobakterien oder "Blaualgen"

Die sogenannten Blaualgen sind wissenschaftlich gesehen keine Algen sondern gehören zu den Bakterien, die korrekte Bezeichnung ist daher Cyanobakterien. Sie besitzen jedoch wie die echten Algen Farbstoffe (Pigmente) die sie in die Lage versetzen Photosynthese zu betreiben. Es gibt Gruppen in verschiedenen Farbvarianten (z.B. blau, blaugrün, violett, grün, rot, braun), sie sind in Flüssen und Seen anzutreffen.
Auffällig werden Cyanobakterien, wenn sie Massenentwicklungen (z.B. Planktonblüten) ausbilden. Sie besiedeln sowohl unbelastete als auch belastete Gewässer, wobei sich für die jeweiligen Umweltbedingungen spezialisierte Arten entwickelt haben. Massenentwicklungen sind oft, aber nicht immer ein Zeichen übermäßiger Nährstoffbelastungen.
Eine unangenehme Eigenschaft im Hinblick auf Gewässernutzungen ist die Fähigkeit einiger Cyanobakterienarten, hochgiftige Toxine bilden zu können.
Die zur Toxinbildung fähigen Arten bilden nicht immer Toxine, d.h. das Vorkommen dieser Arten in einem Gewässer erlaubt noch keine Aussage über den tatsächlichen Toxingehalt. Dieser kann im Gewässer durch spezielle Messungen ermittelt werden. In Bayern wird die Algentoxinmessung durch das LGL durchgeführt.

In Bayern ist im Jahr 2019 erstmals ein massenhaftes Auftreten der potentiell Anatoxin-A-bildenden Gattung Tychonema in Uferproben beschrieben worden, welches im Verdacht steht, für den Tod von Hunden verantwortlich zu sein. Die meisten toxinbildende Blaualgen besiedeln belastete Gewässer, doch wenige Arten treten auch in relativ unbelasteten Seen und Fließgewässern auf. Hierzu gehört die Gattung Tychonema. Eine Methode zur Bekämpfung von Tychonema-Arten liegt derzeit nicht vor, die Toxine müssen sich durch Verdünnung durch Niederschläge und durch biologischen Abbau zersetzen.

Luftbild der türkisleuchtenden Osterseen mit dunkelgrünen Wäldern und hellgrünen Wiesen. Bild vergrößern Osterseen in Oberbayern - typische bayerische Alpenvorlandseen

Auf den nachgeordneten Seiten erfahren Sie mehr über die landesweiten Messnetze zur Untersuchung der Seenqualität in Bayern. Sie finden Informationen zu Messprogrammen, zu Bewertungsverfahren zur Ermittlung des Gewässerzustandes, zum bayerischen System der Qualitätssicherung der Untersuchungen und schließlich Berichte zur Seenqualität sowie Fachveröffentlichungen, die spezielle Informationen zu Untersuchungsmethoden und Ergebnissen verschiedener bayerischer Seen enthalten.

Schlauchboot mit Equipment zur Beprobung eines Sees. Bild vergrößern Boot mit Probenahme-Equipment

Eine wichtige Rolle beim Thema Gewässerqualität spielt die europäische Wasserrahmenrichtlinie, die im Jahr 2000 in Kraft getreten ist. Sie gibt Kriterien zur Überwachung und Bewertung der Gewässer vor. Ihr Ziel ist es, bis zum Jahr 2015, spätestens aber bis 2027, den guten ökologischen und chemischen Zustand, wie er in der Richtlinie definiert ist, zu erreichen, gegeben falls durch die Beeinträchtigungen angepasste, gezielte Maßnahmen.