Wie werden eutrophierte Gebiete ausgewiesen? (gemäß Düngeverordnung 2020)

Flüsse und Seen reagieren empfindlich auf Nährstoffeinträge, insbesondere auf Phosphorverbindungen. Wird zu viel Phosphor in Flüsse und Seen eingetragen, verändern sich diese Ökosysteme. Pflanzen und Tiere werden beeinträchtigt.

Die Düngeverordnung 2020 legt fest, dass in Gebieten mit eutrophierten Gewässern, in denen der Phosphoreintrag aus landwirtschaftlicher Nutzung einen bestimmten Anteil am Gesamt-Phosphoreintrag hat (gelbe Gebiete), gesonderte Anforderungen für die Landbewirtschaftung gelten. Diese Anforderungen an die landwirtschaftliche Nutzung werden in Bayern mit der Ausführungsverordnung Düngeverordnung (AV DüV) festgelegt und bekannt gemacht. Zur Verringerung des Phosphoreintrags aus anderen Quellen wie Kläranlagen gibt es ebenfalls Auflagen und Programme.

Die Ausweisung der eutrophierten Gebiete erfolgt bundeseinheitlich nach der AVV GeA (Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten - AVV Gebietsausweisung) vom 03.11.2020. Die Wasserwirtschaft ermittelt die Einzugsgebiete eutrophierter Oberflächengewässer und legt diese anhand gewässerbezogener Daten fest. Die Veröffentlichung erfolgt federführend durch die Landwirtschaftsverwaltung.

Auf Basis von drei Kriterien, die gleichrangig erfüllt sein müssen, wird die Gebietskulisse eingegrenzt. Die Ausweisung erfolgt sehr kleinräumig auf Ebene der landwirtschaftlichen Feldstücke.

Großer, horizontal nach rechts ausgerichteter blauer Pfeil, in dem die drei Kriterien stehen, die bei der Ausweisung eutrophierter Gebiete betrachtet werden. Rechts des Pfeils eine Umrisslinie von Bayern, in der gelbe Farbbereiche zeigen, wo sich in Bayern eutrophierte Gebiete befinden. Gemäß AVV GeA wird ein Gebiet als eutrophiert ausgewiesen, wenn alle drei Kriterien zutreffen.

Die Gebietskulisse wird mit In-Kraft-Treten am 01.01.2021 vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im "integrierten Bayerischen Landwirtschaftlichen Informations-System (iBALIS)" unter anderem im "Kartenviewer Agrar" veröffentlicht. Spätestens bis Ende 2024 und danach im Abstand von höchstens vier Jahren werden die Gebietskulisse und deren Anforderungen überprüft.

Kriterium a: Das Fließgewässer oder der See ist durch Phosphor eutrophiert (§ 12, § 13 AVV GeA)

Ausgangspunkt sind die in der Oberflächengewässerverordnung (OGewV, 2016 § 3) beschriebenen Wasserkörper der Fließgewässer und Seen. An repräsentativen Stellen werden der Phosphorgehalt (ortho-Phosphat-Phosphor bei Fließgewässern, Gesamtphosphor bei Seen) sowie Wasserpflanzen und Algen (in der Fachsprache Makrophyten, Phytobenthos und Phytoplankton) untersucht. Zeigen nach Anlage 7 OGewV beziehungsweise Anlage 4 der OGewV beide Untersuchungen an, dass sich das Gewässer nicht im sogenannten guten ökologischen Zustand befindet, gilt es als eutrophiert.

Kriterium b: Mehr als 20 Prozent des Phosphoreintrags stammen aus landwirtschaftlichen Quellen (§ 14 AVV GeA)

Mit dem Modell MONERIS, das in vielen Ländern zur Bestimmung diffuser und punktueller Nährstoffeinträge in Oberflächengewässer eingesetzt wird, werden alle Eintragspfade von Phosphor in den Gewässer-Einzugsgebieten ermittelt. Die Eintragspfade Wassererosion, Oberflächenabfluss und Drainagen werden den landwirtschaftlichen Quellen zugeordnet. Nach AVV GeA liegen signifikante Nährstoffeinträge aus landwirtschaftlichen Quellen vor, wenn der Anteil der Phosphoreinträge aus diesen drei Eintragspfaden am Gesamtphosphoreintrag größer als 20 Prozent ist.

Im linken Bereich befinden sich untereinander vier Kästen mit Symbolbildern zu den zwei diffusen Eintragsquellen Landwirtschaft und atmosphärische Deposition sowie den beiden Punktquellen urbane Flächen und dezentrale Abwasserentsorgung. Diese Quellen werden im mittleren Bereich zum Teil weiter aufgegliedert: Bei Landwirtschaft in Bodenerosion, Oberflächenabfluss, Dränagen und Grundwasser, bei urbanen Flächen in Misch- und Trennsysteme, kommunale Kläranlagen und industrielle Direkteinleiter. Die atmosphärische Deposition erfolgt auf den Boden, die urbanen Flächen und direkt in Gewässer. Nährstoffeintragspfade in Gewässer

Kriterium c: Gewässertyp-spezifischer Wert (kg Phosphor pro km2 und Jahr) ist überschritten (§ 16 AVV GeA)

Schließlich werden die absoluten Einträge von Phosphor in Kilogramm pro Fläche betrachtet. Die Ermittlung der Flächenfrachten (kg Phosphor pro km2 und Jahr) erfolgt ebenfalls mit dem Modell MONERIS.

Einzugsgebiete werden nur bei Überschreitung einer in der AVV GeA festgelegten Flächenfracht in die Gebietskulisse aufgenommen. Die Schwellenwerte hängen vom Gewässertyp (vgl. OGewV, Anlage 1) ab.

Gewässertypen
Ökoregion Gewässertypen Phosphoreintrag
Alpen Fließgewässertyp: 1,
Seentyp: 4
30 kg Phosphor/km2 und Jahr
Alpenvorland Fließgewässertypen: 2, 3, 4,
Seentypen: 1, 2, 3
30 kg Phosphor/km2 und Jahr
Mittelgebirge Fließgewässertypen: 5, 5.1, 6, 7, 9, 9.1, 10
Seentypen: 5, 6, 7, 8, 9
20 kg Phosphor/km2 und Jahr
Sondertypen Fließgewässertypen: 11, 12, 19, 21
Seentypen: 88, 99
5 kg Phosphor/km2 und Jahr

Plausibilisierung

Abschließend werden die ermittelten Daten geprüft. Bei der Plausibilisierung wird sichergestellt, dass die ermittelten Ergebnisse schlüssig sind.

Steckbriefe der eutrophierten Oberflächenwasserkörper

Zu allen nach der AVV GeA vom 03.11.2020 zu betrachtenden Oberflächenwasserkörpern hat die Umweltverwaltung Übersichten erstellt, die beschreiben, wie in diesen Oberflächenwasserkörpern die Gebietskulisse schrittweise auf die tatsächlich mit Phosphor belasteten Fließgewässer und Seen eingegrenzt wird (Steckbriefe Oberflächenwasserkörper). Diese Steckbriefe können über die unten stehende Karte abgerufen werden. Die zu betrachtenden Oberflächenwasserkörper sind orange hinterlegt. Je tiefer in die Karte hineingezoomt wird, desto genauer lässt sich der Steckbrief zum gewünschten Oberflächenwasserkörper auswählen.

© Daten:www.lfu.bayern.de, Bayerische Vermessungsverwaltung, EuroGeographics