Nutzung und Gefährdung von Auen

Auennutzungen

Flussauen wurden von jeher durch Besiedlung und landwirtschaftliche Nutzung beeinflusst. Entlang von Rhein und Donau und deren Nebengewässern lagen die wichtigsten Handels- und Völkerwanderungswege Mitteleuropas. Mit Flößen und Schiffen konnten Güter wie Holz, Ziegel, Salz aber auch Menschen und Gerät vergleichsweise einfach transportiert werden. Die fruchtbaren, weiten Auen konnten die Menschen ernähren. Dazu wurden die Auwälder abgeholzt, Äcker und Weiden angelegt und bewirtschaftet. Verbleibende Auwälder wurden je nach Bedarf bewirtschaftet, etwa als Weideflächen oder zur Produktion bestimmter Holzarten und –qualitäten. Damals noch in Abstimmung mit dem Steigen und Fallen der Fluten und in respektvollem Abstand vom Fluss. Die regelmäßigen Überflutungsbereiche wurden in der Regel - außer mit einzelnen Gebäuden oder Mühlen - nicht besiedelt. Bis ins 19. Jahrhundert hinein blieben die menschlichen Eingriffe im Großen und Ganzen naturverträglich, wenngleich sie durchaus stattfanden, etwa zum Hochwasserschutz, zum Flößen oder einfach zur Gewinnung von Nutzflächen. Das Flussregime insgesamt wurde dabei wenig beeinflusst, den Flüssen und Bächen blieb genügend Raum zur eigendynamischen Entwicklung.

1957 wurde die Saale nahe der Kläranlage Hof an den Rand der Aue in ein Trapezprofil gleichbleibender Breite verlegt und mit gepflasterten Ufern versehen. In der früheren Aue liegt heute die Kläranlage. Historische Saaleregulierung in der Stadt Hof; Foto: Wasserwirtschaftsamt Hof, 1957

Dies bezieht sich allerdings nur auf die Auen als Nutzungsraum. Das menschliche Wirken hatte auch indirekte Auswirkungen auf Auen. Vor allem die seit der Jungsteinzeit bis in das 20. Jahrhundert erheblich intensivierte Landnutzung hatte intensive Erosion und somit Bodenverlagerung zur Folge. Die Bodenpartikel, die die Flüsse erreichten und nicht an die Küsten transportiert wurden, wurden vor allem in den Auen abgelagert und bilden heute den Auenlehm, der in Bayern mehrere Meter Mächtigkeit erreichen kann und die Auenstandorte umfassend gegenüber der Ausgangssituation verändert hat. Gleichzeitig führte die Verringerung der Fähigkeit der Landschaft zum Wasserrückhalt zu verstärkten Abflüssen mit stärkerer Erosion in den Flussbetten, so dass die Flüsse sich überproportional eintieften.

Auennutzung in Bayern heute

Heute sind die Auen der Gewässer erster und zweiter Ordnung in Bayern zu über 10% durch Verkehrswege, Siedlungen und Gewerbegebiete überbaut. Die Infrastrukturdichte innerhalb der Auen ist mehr als doppelt so hoch wie im landesweiten Durchschnitt.

Auch der Anteil der landwirtschaftlichen Nutzflächen ist in den (ursprünglichen) Überschwemmungsgebieten der Flüsse und Bäche deutlich höher als im landesweiten Durchschnitt. Rund 2/3 der Auen werden landwirtschaftlich genutzt, der größere Anteil davon als Ackerbau betrieben.

Der hohe Nutzungsdruck durch Landwirtschaft und Infrastruktur hat den Wald im Laufe der Jahre nach und nach aus den Auen verdrängt. Entlang der großen Fließgewässer Bayerns sind die Auen daher nur noch zu rund 15 % bewaldet. Während dabei die Auen Nordbayerns von noch größerer Waldarmut geprägt sind, konnte sich im Süden Bayerns der Wald in den Auen der Alpenvorlandflüsse auf rund 1/3 der Auenfläche halten.

Auennutzungen in Deutschland

Das Bundesamt für Naturschutz hat für die großen Flüsse in Deutschland die Auennutzung und die Gefährdung der Auen erfasst. Ergebnisse sind in Veröffentlichungen zusammengestellt.

Gefährdung von Auen

Karte der Ökologischen Funktionsfähigkeit der Auen in Bayern im Übersichtsmaßstab 1:500.000 Ökologische Funktionsfähigkeit der Auen in Bayern (Übersicht)

In der Summe haben die Nutzungen zu weitgehenden Einschränkungen bzw. Verlusten der Naturnähe und der ökologischen Funktionsfähigkeit der Auen in Bayern geführt. Die räumliche Verteilung dieser Ergebnisse über Bayern zeigt die nebenstehende Karte.

Einflussfaktoren auf die ökologische Funktionsfähigkeit

  • Fehlende Abflussdynamik: Gewässeraufstau, eingeschränkte/fehlende Ausuferung (Trennung von Fluss und Aue), Abflussvergleichmäßigung durch Speicher im Oberlauf, Entwässerung der Aue, Grundwasserabsenkung
  • Fehlende Morphodynamik: Ufer- und Sohlbefestigungen, Querbauwerke, Geschiebedefizit, Nivellierung des Auenreliefs
  • Fehlende Durchgängigkeit der Lebensbedingungen (im Gewässer, zwischen Fluss und Aue, in der Aue, längs und quer)
  • Stoffeintrag durch Intensivnutzungen
  • Direkte Vernichtung von Auenstandorten durch Überbauung/Infrastruktur
  • Vergleichmäßigung der Standortvielfalt.

Bestrebungen zum Auenschutz müssen also einerseits die letzten funktionsfähigen Auen vor Beeinträchtigungen bewahren und anderseits, wo immer es mit nachhaltigen Formen der Landnutzung vereinbar ist, die Funktionsfähigkeit von Auen wiederherstellen.