Fischotter; Foto: Astrid Brillen - piclease

FAQ: Wolf

Wo in Deutschland leben Wölfe?

Antwort:

Seit 1996 leben in Deutschland wieder Wölfe. Das Kernvorkommen in Deutschland liegt in der sächsischen Lausitz und in Südbrandenburg.

Woher kommen die Wölfe in Bayern?

Antwort:

Nach Bayern können jederzeit einzelne Wölfe zu- oder durchwandern – sowohl aus dem Nordosten Deutschlands als auch aus Polen und den Alpen. Vor allem junge Rüden wandern auf der Suche nach einem eigenen Territorium sehr weite Strecken von täglich 50 bis 70km oder mehr. Genetische Nachforschungen ergaben, dass ein junger Rüde, der 2006 bei Starnberg überfahren wurde, aus einem Rudel nahe Nizza stammte.

Wo kommen in Bayern Wölfe vor?

Antwort:

Seit 2006 können in Bayern Wölfe nachgewiesen werden. Oftmals sind dies einzelne durchwandernde Tiere, die ihre Elternrudel entweder aus dem süd-westlichen Alpenbogen oder aus der zentraleuropäischen Tieflandpopulation, also aus Polen oder Nord-Ost-Deutschland, verlassen haben. Standorttreue Wölfe gibt es in der Grenzregion Bayerischer Wald-Böhmerwald, auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr, im Veldensteiner Forst sowie in der Rhön.

Wie leben Wölfe?

Antwort:

Wölfe benötigen Gebiete mit ausreichend Nahrung (vor allem wildlebende Huftiere) und Ruhezonen zur Welpenaufzucht. Durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit können Wölfe auch in stark von Menschen geprägten Gebieten leben. Bei Beunruhigung durch Menschen sind Wölfe vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sie leben in Rudeln, die sich als Familienverband aus den Elterntieren, den Jungen des Vorjahres und den Welpen zusammensetzen. Die Paarungszeit (Ranz) ist im Februar und März, nach gut zwei Monaten Tragzeit werden durchschnittlich 4 bis 6 Junge geboren. Im Alter von einem bis eineinhalb Jahren verlassen geschlechtsreife Tiere das Rudel.

Welchen Platz brauchen Rudel?

Antwort:

Jedes Rudel nutzt ein eigenes Territorium, dessen Größe von der verfügbaren Nahrung abhängt. Die durchschnittlichen Reviergrößen europäischer Rudel betragen 150 - 350km2. Ein radiotelemetrisch überwachtes Rudel in der Oberlausitz nutzte etwa 250km2. Im Revier eines Wolfsrudels siedeln sich keine anderen Wölfe an. Durch regelmäßige Markierungen (Kot, Urin), sowie durch Heulen grenzt das Elternpaar sein Territorium gegen andere geschlechtsreife Wölfe ab. So reguliert sich die Wolfsdichte in einem bestimmten Gebiet.

Über welche Sinne verfügen Wölfe?

Antwort:

Wölfe verfügen über ein gutes Nachtsehen. Aufgrund ihres sehr ausgeprägten Geruchssinns sind Wölfe in der Lage, Artgenossen und Beutetiere über eine Distanz von bis zu 2km zu wittern. Mit ihrem guten Gehör können sie das Heulen anderer Wölfe bis zu 10km weit vernehmen. Durch das oft gemeinsame Heulen wird das Territorium akustisch markiert und Kontakt zu Artgenossen aufgenommen.

Was ist die Hauptbeute des Wolfes?

Antwort:

Der Wolf hat ein breites Nahrungsspektrum. Es reicht von Aas über Kleinsäuger bis zu großen Huftieren. Diese sind in Mitteleuropa bei Wildtieren vor allem Reh, Rotwild und Wildschwein. Ein Wolf nutzt die für ihn am leichtesten zugängliche Nahrung. Deshalb bevorzugt er, wenn möglich, weniger wehrhafte Beutetiere (Jungtiere oder alte, kranke und schwache Tiere). Ist wildlebende Beute als Nahrungsgrundlage nur in geringer Dichte vorhanden, können auch ungeschützte Nutztiere zur Beute werden.

Wie lässt sich ein Wolf von einem wolfsähnlichen Hund unterscheiden?

Antwort:

Wölfe sind hochbeiniger als viele Hunderassen. Die Ohren sind relativ klein und dreieckig. Wölfe haben einen buschigen Schwanz und oftmals eine schwarze Schwanzspitze. Auf der Schulter befindet sich ein Sattelfleck und das Gesicht ist dunkel mit hellen bis weißen Partien seitlich am Fang. Die Unterscheidung von Wölfen und wolfsähnlichen Hunden ist nur von Experten möglich. Eine eindeutige Zuordnung ist jedoch bei manchen Tieren nur über eine genetische Analyse möglich.

Kann ein Wolf Menschen gefährlich werden?

Antwort:

Der Wolf ist von Natur aus vorsichtig und weicht dem Menschen aus. Im Einzelfall können besonders Jungtiere dem Menschen gegenüber unerfahren und neugierig sein. Dies stellt aber keine Gefährdung des Menschen dar. Seit der erneuten Anwesenheit von Wölfen in Deutschland hat es keinen Angriff auf Menschen durch Wölfe gegeben.

Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegne?

Antwort:

Der Wolf reagiert auf den Anblick von Menschen vorsichtig, ergreift aber nicht immer sofort die Flucht. Oft zieht sich das Tier langsam und gelassen zurück. Falls eine Begegnung stattfinden sollte, beachten Sie bitte folgende Regeln:

  • Haben Sie Respekt vor dem Tier.
  • Laufen Sie nicht weg. Wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück.
  • Falls Sie einen Hund dabeihaben, sollten Sie diesen in jedem Fall anleinen und nahe bei sich behalten.
  • Wenn Ihnen der Wolf zu nahe erscheint, machen Sie auf sich aufmerksam. Sprechen Sie laut, gestikulieren Sie oder machen Sie sich anderweitig deutlich bemerkbar.
  • Laufen Sie dem Wolf nicht hinterher.
  • Füttern Sie niemals Wölfe; die Tiere lernen sonst sehr schnell, menschliche Anwesenheit mit Futter zu verbinden und suchen dann eventuell aktiv die Nähe von Menschen.

Suchen Wölfe menschliche Siedlungen auf?

Antwort:

Wölfe sind zwar grundsätzlich vorsichtig und meiden Menschen, jedoch nicht menschliche Infrastrukturen (Straßen, Wege). In ihrer Raumnutzung passen sich Wölfe normalerweise an die Aktivität des Menschen an. Bereiche ihres Streifgebietes, in denen tagsüber viele Menschen anzutreffen sind, werden nur in der Nacht genutzt. Im Schutze der Dunkelheit laufen sie durchaus auch unmittelbar an bewohnten Häusern vorbei. Ähnliches Verhalten kennt man auch von Rehen und Füchsen.

Können Wölfe Tollwut übertragen?

Antwort:

Wölfe können, wie Füchse und Hunde, an Tollwut erkranken. Diese Krankheit spielt heute in Deutschland kaum mehr eine Rolle. Der letzte Fall stammt aus Rheinland-Pfalz (2006). Bayern ist seit 2001 tollwutfrei. Die Lage in unseren Nachbarländern wird ständig beobachtet.

In welcher Art und Weise greifen Wölfe in Wildtierbestände ein?

Antwort:

Wölfe haben durch die Bejagung von Wildtieren entscheidend an deren Evolutionsverlauf mitgewirkt. Wölfe jagen bevorzugt weniger wehrhafte Beutetiere (Jungtiere oder alte, kranke und schwache Tiere), da diese leichter zu erbeuten sind. So sorgen sie für den natürlichen Gesunderhalt der Beutetierpopulation.

Wie reagiert das Wild auf die Anwesenheit eines Wolfes?

Antwort:

In der Gewöhnungsphase von Wildtierbeständen an die Gegenwart eines Wolfes kann es vorkommen, dass sich das Wild vermehrt in deckungsreichen Gebieten aufhält und dadurch weniger sichtbar ist. Derzeit gibt es für Mitteleuropa nur wenige belastbare Erkenntnisse, wie sich Wildtiere verhalten, wenn Wölfe dauerhaft anwesend sind.

Wer untersucht einen Wolfsverdacht?

Antwort:

Für die Untersuchung von Hinweisen und die Dokumentation von möglichen Rissen sind kundige Personen vor Ort gezielt geschult worden, zum Beispiel Jäger, Förster, Landwirte oder Naturschützer. Sie sind Mitglieder des "Netzwerks Große Beutegreifer" und fungieren als Ansprechpartner vor Ort. Die Informationen aus dem Netzwerk laufen am Bayerischen Landesamt für Umwelt zusammen.

Was passiert bei einem mutmaßlichen Nutztierriss?

Antwort:

Der Verdacht muss zeitnah an die Fachstelle "Große Beutegreifer" des Landesamtes für Umwelt gemeldet werden. Das LfU nimmt Kontakt mit dem Nutztierhalter auf, um sich über genauere Angaben und bestmöglich schon Bildmaterial einen Eindruck von der Situation zu verschaffen. Liegen mögliche Indizien auf eine Beteiligung großer Beutegreifer vor, dokumentiert ein Mitglied des "Netzwerks Große Beutegreifer" vor Ort das Ereignis und sichert mögliche Spuren. Liegt ein begründeter Verdacht auf Beteiligung eines Wolfes vor, wird der Tierkörper von einem Veterinär an der zuständigen Tierkörperbeseitigungsanstalt detailliert untersucht.

Was wird untersucht? Wie lange dauert das?

Antwort:

Untersucht werden Spuren, mögliche Risse, Funde von Losung oder Haaren. Aber auch tote, wolfsähnliche Tiere, die etwa im Straßenverkehr umgekommen sind, werden möglichst unmittelbar nach der Meldung vor Ort untersucht. Genauere Analysen, wie z.B. genetische Untersuchungen von möglichen Speichelspuren an Bisswunden, können mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Gibt es eine Entschädigung für Nutztierrisse durch Wölfe?

Antwort:

Die Halter von Nutztieren, die nachweislich von einem Wolf gerissen wurden, erhalten eine Ausgleichszahlung. Voraussetzungen für eine Zahlung sind vor allem eine eingehende Dokumentation des Fundes und der Begleitumstände durch ein Mitglied des "Netzwerks Große Beutegreifer" sowie in begründeten Verdachtsfällen eine anschließende detaillierte Untersuchung des Tierkörpers durch einen Veterinär.

Wie kann ich mich vor Nutztierrissen schützen? Wo kann ich mich beraten lassen?

Antwort:

Je nach Haltungsform der Nutztiere gibt es eine Reihe von Möglichkeiten zur Vorbeugung von Schäden. Dies kann geschehen durch Zäunung, Behirtung und den Einsatz von Hüte- und Schutzhunden. Die Landwirtschaftsverwaltung übernimmt im Bereich des Herdenschutzes die Beratung der Weidetierhalter. Zuständig sind die Fachzentren für Kleintierhaltung (Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kitzingen und Pfaffenhofen), das Fachzentrum Fleischrinderzucht und Mutterkuhhaltung (AELF Schwandorf) und die Fachzentren Alm-/Alpwirtschaft (ÄELF Holzkirchen und Kempten). Die Landesanstalt für Landwirtschaft (Institut für Tierzucht) koordiniert die Herdenschutzberatung.

Wem melde ich Hinweise auf den Wolf?

Antwort:

Wolfshinweise melden Sie bitte beim Bayerischen Landesamt für Umwelt, bei Ihrem Landratsamt oder bei der Polizei.

Ansprechpartnerinnen/Ansprechpartner am LfU:
Montag bis Freitag 07:00 - 18:00 Uhr
Wochenende von 09:00 - 18:00 Uhr
Referat Landschaftspflege, Wildtiermanagement
Telefon: 09281/1800-4640
E-Mail: fachstelle-gb