Wildbienen in Dörfern - Teil 1

Wildbienen sind unverzichtbar für Mensch und Natur. Sie bestäuben Wild- und Nutzpflanzen, sorgen für eine natürliche Schädlingsregulation und dienen anderen Tieren als Nahrungsquelle. Doch knapp 50 der in Bayern vorkommenden Arten sind bereits ausgestorben oder gelten als verschollen. Von den rund 470 verbliebenen bayerischen Wildbienenarten wird in der aktuellen Roten Liste über die Hälfte als gefährdet eingestuft. Der Rückgang der Wildbienen steht in direktem Zusammenhang mit dem Verlust ihrer Lebensräume. Welchen Beitrag Dörfer und Kommunen für den Erhalt und die Verbesserung der Wildbienen-Lebensräume leisten können, untersuchte das BioZ gemeinsam mit der Julius-Maximilians-Universität Würzburg im Projekt "Wildbienen in Dörfern - Teil 1".

Nistloch in Totholz. Nest einer Blauschwarzen Holzbiene (Xylocopa violacea) in Totholz

Lebensweise von Wildbienen

Im Gegensatz zu Honigbienen leben die meisten Wildbienenarten solitär. Das heißt, jedes Weibchen kümmert sich um ihr eigenes Nest und versorgt ihre Nachkommen ohne die Hilfe von Artgenossen. Dabei nisten knapp zwei Drittel der Wildbienenarten in selbstgegrabenen Gängen im Boden. Die restlichen Arten nisten oberirdisch und nutzen bereits vorhandene Hohlräume wie Mauerritzen und kleine Spalten am Haus oder nagen sich selbst ihre Gänge in markhaltige Stängel oder ins Totholz hinein.

Was Wildbienen brauchen

Das Überleben und die Fortpflanzung von Wildbienen hängt nicht von einem einzelnen Lebensraumtyp ab. Entscheidend ist vielmehr die Verfügbarkeit von Nistplätzen und Nahrungsrevieren in räumlicher Nähe zueinander und die Vernetzung dieser Teillebensräume. Denn Bienen müssen den an Pflanzen gesammelten Pollen regelmäßig zu ihrem Nest zurückbringen, um ihre Brut zu versorgen. Der Aktionsradius der meisten Bienenweibchen bei diesen Versorgungsflügen beschränkt sich auf deutlich unter 1.000 Meter. Lediglich Hummeln, die auch zu den Wildbienen gehören, legen auf ihren Sammelflügen weitere Strecken zurück. Sofern dieser zweigeteilte Bedarf an Nistplätzen und Nahrungspflanzen in räumlicher Nähe zueinander erfüllt wird, können Wildbienen die verschiedensten Lebensräume besiedeln. Doch vielfältige und vernetzte Nahrungs- und Nistlebensräume werden immer weniger.

Flächendeckend mit Steinen ausgelegter Garten. Durch die pflegeleichte Gestaltung von Gärten gehen oft wertvolle Lebensräume verloren; Foto: Sonja Schröck

Dörfer als Lebensraum von Wildbienen

Der erste Teil des Projekts "Wildbienen in Dörfern" baute auf der grundlegenden Voraussetzung der räumlichen Nähe zwischen Niststätten und Nahrungsrevieren auf. Denn gerade in Dörfern ist das oft der Fall. Bienen nisten in Obstbäumen mit Totholz, in alten Mauern und auf Flächen mit lückiger Vegetation. Frühjahrsblüher, Obstbäume, Stauden und Gemüsegärten liefern Nektar und Pollen.

Hausgarten mit vielen verschiedenen, blühenden Pflanzen. In blühenden Gärten finden Wildbienen Nahrung in Form von Nektar für die ausgewachsenen Tiere und Pollen für die Larven; Foto: Sonja Schröck

Die eingesetzten Methoden

Gemeinsam mit der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ging das BioZ der Frage nach, welchen Wert verschiedene dörfliche Lebensräume für die Artenvielfalt von Wildbienen besitzen und inwiefern die Vernetzung dieser Lebensräume mit der umgebenden Landschaft die Artenvielfalt beeinflusst.

In 40 Dörfern in der Rhön und Mainfranken untersuchten die Forschenden dazu fünf für Dörfer typische Lebensraumtypen: Brachflächen, Grünflächen, Hausgärten, Bauerngärten und Friedhöfe. Auf jeder der 200 Untersuchungsflächen wurden 500 Quadratmeter große Transekte festgelegt. Auf diesen erfassten die Forschenden folgende Parameter mithilfe von Transektbegehungen, Farbschalen und aufgestellten Nisthilfen:

  • Pflanzenvielfalt
  • Pflanzendeckung
  • Art und Abundanz von Bienen inklusive Hummeln, Schwebfliegen und Wespen
  • Parasitoide und Nesträuber
  • Pollen in Nisthilfen via Metabarcoding (Ergebnisse liegen noch nicht vor.)

Zudem wurden verschiedene Landschaftsparameter wie der Anteil naturnaher Habitate und die Dichte an Randstrukturen in der Umgebung, sowie der Anteil der bebauten Fläche im Dorf miteinbezogen.

Farbschalen zur zusätzlichen Erfassung von Bienen und SchwebfliegenFarbschalen zur zusätzlichen Erfassung von Bienen und Schwebfliegen; Foto: Sonja Schulze

Projektlaufzeit: 12/2019 bis 12/2022

Projektpartner: Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie

Bearbeiterin: Antje Voll
Tel: 09772 - 6880-976

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