Anpassung an Hochwasser

Geschlossene Häuserfront der Regensburger Altstadt. Das Wasser der Donau steht direkt an den Hauswänden an, die Tore sind mit mobilen Hochwasserschutzeinrichtungen verschlossen. Die dahinterliegende Altstadt ist trocken. Dank Hochwasserschutzmaßnahmen blieb die Regensburger Innenstadt im Juni 2013 weitgehend trocken; Foto: Nürnberg Luftbild

Nach bisherigen Erkenntnissen werden extreme Hochwasser in Zukunft häufiger und bringen höhere Abflüsse mit sich. Der Hochwasserschutz muss auf diese Entwicklung reagieren.

Kurz gesagt

Den absoluten Schutz vor Hochwasser gibt es nicht.

Vorausschauendes Handeln sowie regelmäßiges Prüfen und Anpassen der bestehenden Konzepte machen den Hochwasserschutz flexibel – auch wenn der Klimawandel zu Änderungen führt.

Strategien und Werkzeuge zur Anpassung an zukünftiges Hochwasser in Bayern

Aktuelle Informationen rund um das Thema Hochwasser bietet die Internetseite Hochwasser.Info.Bayern. Einen guten Überblick über die bayerischen Maßnahmen zum Hochwasserschutz bietet die nebenstehende Broschüre zum Hochwasserschutz-Aktionsprogramm 2020plus. Es enthält viele langfristige Maßnahmen eines nachhaltigen Hochwasserschutzes. Diese Maßnahmen bekommen im Lichte des Klimawandels eine zusätzliche Bedeutung und sind auch ausführlich in der Bayerischen Klimaanpassungsstrategie 2016 (BayKLAS) beschrieben. Die folgenden Punkte geben eine exemplarische Zusammenfassung:

  • Konsequente Fortführung des Hochwasserschutz-Aktionsprogramms 2020plus unter Berücksichtigung des Klimawandels (z.B. Umsetzung des Klimaänderungszuschlags bei der Bemessung von neuen Hochwasserschutzprojekten, Sicherung und Ausbau von HW-Rückhaltepotenzialen).
  • Integration des vorbeugenden Hochwasserschutzes in die Regionalpläne.
  • Ermitteln und Ausweisen von Überschwemmungsgebieten (§ 31 b WHG Wasserhaushaltsgesetz) und konsequenter Vollzug der damit verbundenen Nutzungsvorgaben insbesondere für einen schadlosen Hochwasserabfluss (Hier bestehen Quervernetzungen zu den Handlungsfeldern Landwirtschaft, Wald und Forstwirtschaft, Raumordnung, Städtebau/Bauleitplanung, Bauen und Naturschutz).
  • Aufstellen von Hochwassergefahren-und -risikokarten und Hochwasserrisikomanagementplänen (Art. 6 und 7 EG-Hochwasserrichtlinie) sowie Risikokommunikation.
  • Optimierte Steuerung und optimierter Betrieb sowie laufende Überwachung, Unterhaltung und ggf. Sanierung von Hochwasserschutzeinrichtungen.

Was wurde bereits begonnen?

Klimaänderungszuschlag

Zur Bemessung von Hochwasserschutzanlagen, wie Dämmen oder Rückhaltebecken, oder bei der Bestimmung von Überflutungsflächen legt man stets einen bestimmten Hochwasserabfluss ("Planungshochwasser") zugrunde. Die Höhe dieses Planungshochwassers orientiert sich an den Eigenschaften des Planungsgebietes, des betrachteten Gewässers und den zu schützenden Gütern. Die gängige Bemessungsgröße für den Hochwasserschutz ist das HQ100, ein Hochwasserabfluss, der statistisch einmal in 100 Jahren auftritt. Im Jahr 2004 wurde in Bayern ein Klimaänderungszuschlag bei der Planung von Hochwasserschutzanlagen eingeführt: Dieser Zuschlag beträgt pauschal 15% für das HQ100.

Zeichnung: Querschnitt eines Dammes in seinem jetzigen Ausbau auf den HQ100. Zusätzlich eine Variante mit höherer Dammkrone und breiterer Grundfläche für den Fall größerer Wassermengen durch HQ100 plus Klimaänderungszuschlag. Beispiel für Anwendung des Klimaänderungszuschlages

Exemplarisch zeigt die nebenstehende Darstellung das Absperrbauwerk eines Hochwasserrückhaltebeckens (grau), ausgelegt auf den gegenwärtigen HQ100. Die untere blaue Linie symbolisiert den Wasserstand, der sich bei einem solchen Ereignis ergäbe. Man nimmt an, dass ein zukünftiges HQ100 eine Abflussmenge mit sich bringt, die um den Klimaänderungszuschlag höher liegt. Daraus ergibt sich ein höherer Wasserstand (obere blaue Linie), womit das Absperrbauwerk ebenfalls erhöht werden muss (rote Fläche).

Projekt ESPACE

Logo von ESPACE: auf dunkelblauem Grund sind Wolken dargestellt. Darunter steht ESPACE, ganz unten befindet sich die Ausführliche Bezeichnung. Das "ESPACE"-Logo

Der Hochwassergefährdung im Gebiet der Fränkischen Saale widmeten sich das LfU und das Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen von 2003 bis 2007 in einer ausführlichen Fallstudie. Diese war Bestandteil des EU-Projekts ESPACE. Gemeinsam mit lokalen Akteuren wurden Strategien zur Anpassung an eine zukünftige Hochwassergefährdung erarbeitet. Einige Maßnahmen fanden direkt Eingang in die Praxis. Diese umfassen einerseits technischen Maßnahmen, wie die Erweiterung von Hochwasserrückhaltebecken oder Spundwände. Andererseits wurden auch Renaturierungsmaßnahmen und somit die Freigabe von Überflutungsflächen durchgeführt. Das unten genannte pdf-Dokument beschreibt sehr anschaulich Genaueres. Zwar gibt es mittlerweile auch neuere Planungsgrundlagen, doch viele der damals eingeleiteten Maßnahmen haben auch heute noch Bestand.