Einzugsgebiet Rhein in Bayern

Der Rhein verbindet bedeutende Wirtschaftsräume zwischen Alpen und Nordsee und ist einer der am intensivsten genutzten Flüsse Europas. Er entspringt in den Schweizer Alpen, durchfließt den Bodensee und nimmt seinen Lauf Richtung Norden durch die Mittelgebirge bis zur Niederrheinischen Bucht. Unterhalb der deutschniederländischen Grenze teilt er sich in den Niederlanden in mehrere Arme auf und bildet zusammen mit der Maas ein breites Flussdelta. Nach 1.233 Kilometern mündet der Rhein in die Nordsee. Rund 60 Millionen Menschen leben in seinem Einzugsgebiet. In Bayern besteht das Rhein-Einzugsgebiet aus dem Main-Einzugsgebiet und dem Bodensee einschließlich seines Einzugsgebiets. Der internationale Bodensee ist ein bedeutender Trinkwasserspeicher.

Gewässersystem

Das bayerische Rheingebiet setzt sich aus zwei wesentlichen Teileinzugsgebieten zusammen: dem Maingebiet und dem Bodenseegebiet. Das bayerische Maingebiet liegt im nördlichen Teil des süddeutschen Schichtstufenlandes und grenzt im Westen an das baden-württembergische und hessische Rheingebiet, im Süden und Südosten an das Flussgebiet Donau, im Osten an das Flussgebiet Elbe und im Norden an das Flussgebiet Weser. Das bayerische Bodenseegebiet erstreckt sich von den Allgäuer Voralpen über die schwäbische Hügellandschaft bis hin zum Bodensee und grenzt an das Flussgebiet Donau.

Der Main entsteht aus dem Zusammenfluss seiner Quellflüsse Roter Main und Weißer Main westlich von Kulmbach. Von hier bis zur Mündung in den Rhein bei Mainz beträgt seine Länge ca. 474 Kilometer. Davon liegen rund 359 Kilometer in Bayern. Rechnet man die Lauflänge des Roten Mains mit rund 72 Kilometern hinzu, so beträgt die gesamte Länge rund 546 Kilometer. So gerechnet ist der Main nach Weser/Werra der zweitlängste Fluss, der vollständig innerhalb Deutschlands liegt. Er ist nach Aare und Mosel der drittgrößte Nebenfluss des Rheins und neben der Warthe auch der einzige große Fluss in Mitteleuropa, der von Ost nach West fließt.

Hochwassercharakteristik

Mainhochwasser entstehen überwiegend als Folge winterlicher, langanhaltender Niederschläge, die oft noch mit Schneeschmelzen verbunden sind. Hinsichtlich der Entstehung von Hochwasser und dem Ablauf von Hochwasserwellen sind die einzelnen Teilgebiete bzw. einzelne Gewässer jedoch differenziert zu betrachten. Insbesondere bei kleinen Teileinzugsgebieten können lokale Starkniederschläge auch im Sommer zu schnell anlaufenden, großen Hochwasserabflüssen in den Nebengewässern des Mains führen. Das Auftreten von Mainhochwassern ist überwiegend auf den Zeitraum von Dezember bis April mit Schwerpunkt Januar bis März beschränkt. Eine Ausnahme von diesem Verhalten kann durch eine stark nach Westen verschobene sommerliche Vb-Wetterlage verursacht werden.

Die Hochwassergefährdung im Bodenseegebiet wird überwiegend durch den Wasserstand des Bodensees bestimmt. Neben den mitunter intensiven Niederschlägen in der Region um den Bodensee ist der Wasserstand wesentlich von der Schneeschmelze in den Alpen abhängig. Die höchsten Pegelstände am See sind daher in der Regel im Frühsommer zu erwarten. Durch eine plötzlich einsetzende Schneeschmelze und zusätzlich starke Niederschläge werden extreme Abflusswerte in den alpinen Zuflüssen erreicht, die wiederum ein rasches Ansteigen des Bodenseespiegels verursachen. Die Kombination von Überregnung der Alpennordseite sowie intensiver Schmelzwasserzufuhr kann ggf. zu kritischen Abfluss- bzw. Hochwassersituationen führen.

Ausführliche Informationen zu den großen Hochwasserereignissen der letzten Jahre und ihren Schäden in Bayern finden Sie unter dem nachfolgenden Link.

Schutzgebiete und Umwelt

Die biologische Vielfalt gilt als eine wesentliche Grundlage für das Leben und die Gesundheit des Menschen. Daher ist es nötig, die Artenvielfalt von Flora und Fauna sowie die Vielfalt ihrer Lebensräume zu erhalten und zu schützen. In Deutschland gibt es dafür ein System verschiedener Schutzkategorien, das durch das internationale Schutzgebietssystem Natura 2000 der EU ergänzt wird. Es besteht aus den Gebieten der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) und der Vogelschutz-Richtlinie, die Arten und Lebensräume innerhalb der EU in einem länderübergreifenden Schutzgebietsnetz schützen und damit die biologische Vielfalt dauerhaft erhalten soll. Im Rahmen der Hochwasserrisikomanagement-Planung sind vor allem die im Hochwasserfall betroffenen FFH- und Vogelschutzgebiete von Interesse.

Im bayerischen Rheineinzugsgebiet gibt es insgesamt mehrere hundert Schutzgebiete der genannten Kategorien. Das deutsche Bearbeitungsgebiet Main beinhaltet außerdem zu Teilen das Biosphärenreservat Rhön und zahlreiche Naturparke. Die Naturparke Nagelfluhkette und Obere Donau liegen teilweise oder vollständig im deutschen Bearbeitungsgebiet Alpenrhein/Bodensee.

Landnutzung

Im bayerischen Rheineinzugsgebiet dominieren bei der Landnutzung Land- und Forstwirtschaft. Ausgedehntere Siedlungen finden sich überwiegend an den großen Flussläufen; die weitläufigen land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen in den Mittelgebirgsregionen sind demgegenüber nur dünn besiedelt.

Besiedlung

Im bayerischen Maineinzugsgebiet leben rund 3,75 Mio. Einwohner. Der größte Siedlungsschwerpunkt ist das zentrale Mittelfranken mit den Städten Schwabach, Nürnberg, Fürth und Erlangen. Weitere Siedlungsschwerpunkte sind Forchheim, Bayreuth, Coburg, Bamberg, Schweinfurt, Würzburg und Aschaffenburg.

Im bayerischen Einzugsgebiet des Bodensees leben insgesamt ca. 91.000 Einwohner, was nur etwa 1 % der Einwohner Bayerns entspricht. Mit Ausnahme der Siedlungsschwerpunkte Lindau (etwa 24.000 Einwohner) und Lindenberg im Allgäu (etwa 11.000 Einwohner) ist das Einzugsgebiet des bayerischen Bodensees überwiegend ländlich geprägt.

Wirtschaftliche Aktivität

Die wirtschaftlichen Aktivitäten im bayerischen Maineinzugsgebiet sind räumlich stark differenziert. Große Teile werden landwirtschaftlich genutzt. Industrie und Gewerbe konzentrieren sich in einigen Zentren, vorwiegend entlang der schiffbaren Wasserstraßen Main und Main-Donau-Kanal sowie entlang der Autobahnen und Bahnstrecken.

Wirtschaftliche Anlagen und Betriebe stellen durch ihr Schadenspotenzial bei Hochwasserereignissen ein erhöhtes Risiko dar.

Kulturgüter

Im bayerischen Maineinzugsgebiet sind zahlreiche Bauensembles als Kulturgüter klassifiziert. Das Gebiet ist geprägt durch eine über Jahrhunderte reichende Besiedlungsgeschichte, aus der viele historisch bedeutsame Einzelbauwerke wie Burgen, Schlösser, Kirchen, Klöster etc., aber auch ganze Straßenzüge und Stadtkerne als Zeugen der Baugeschichte erhalten geblieben sind.

Auch im bayerischen Bodenseegebiet sind zahlreiche Kulturgüter vorzufinden. In Lindau sind zwei Bauensembles besonders hervorzuheben, zum einen das Hoyrener Bodenseeufer im Stadtteil Bad Schachen und zum anderen das Ensemble Insel Lindau im Bodensee.

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