Qualitätssicherung

Die Untersuchungsergebnisse der Fließgewässerüberwachung sollen nachvollziehbar und reproduzierbar sein. Ein bestmöglicher Qualitätsstandard ist zu fordern. Hierfür wurden in Bayern für biologische und chemische Untersuchungen Qualitätssicherungs-
systeme entwickelt.

Biologische Qualitätssicherung

Das wichtige Ziel biologischer Gewässeruntersuchungen ist die gesicherte Bewertung des ökologischen Zustandes der Gewässer. Letztlich entscheidet das Ergebnis dieser Bewertung über die Notwendigkeit sowie den Umfang von Maßnahmen. Die Verlässlichkeit biologischer Daten ist dabei elementare Voraussetzung für eine zuverlässige Bewertung.

Im Frühjahr 2004 wurde aus diesem Grund in Bayern ein Qualitätssicherungssystem Biologie in der Wasserwirtschaftsverwaltung etabliert. Koordiniert werden die Arbeiten von der Arbeitsgruppe Biologische Qualitätssicherung, welche fachlich durch einen Expertenpool, bestehend aus 14 taxonomischen Arbeitsgruppen, unterstützt wird. Vorrangig wurde zunächst die Prüfung bereits vorhandener biologischer Daten durchgeführt. Sämtliche neu erhobenen biologischen Daten werden seither umfassend auf deren Plausibilität geprüft.

Biologisches Personal bei einer gemeinsamen gewässerökologischen Untersuchung an einem Fließgewässer. Bild vergrößern Vergleichskartierung

Für die Bestimmung von Gewässerorganismen wurden Standards bei der zu verwendenden Bestimmungsliteratur festgelegt, die in einem Materialienband
(Nr. 112, Qualitätssicherung in der biologischen Gewässeranalyse) veröffentlicht wurden. Um biologische Befunde eindeutig datentechnisch weiterbearbeiten zu können, musste auch die Benennung und Kodierung der Organismen vereinheitlicht werden. Die im Jahr 2003 erstmalig veröffentlichte "Taxaliste der Gewässerorganismen Deutschlands" erfüllt diese Aufgaben und stellt somit ein wichtiges Element der biologischen Qualitätssicherung dar. Sie können die Taxaliste am Ende dieser Seite abrufen.

Darüber hinaus wurde mit den "Bionews" ein Informationsorgan zum Thema Biologische Gewässeranalyse für das biologisch kartierende Personal geschaffen. Die AG Qualitätssicherung koordiniert ferner die Durchführung bedarfsorientierter Fortbildungsveranstaltungen.

Die wichtigsten Elemente der biologischen Qualitätssicherung sind:

  1. Standardisierung der Untersuchungsmethoden (Arbeitsanleitungen)
  2. Prüfung der Untersuchungsmethoden im Rahmen von Vergleichskartierungen
  3. Schulung und Vereinheitlichung der Probenahmemethoden
  4. Schulung der Bestimmung von Taxa im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen
  5. Hilfestellung bei der Bestimmungsarbeit durch die Obleute der taxonomischen Arbeitsgruppen
  6. Festlegung der zu verwendenden Bestimmungsliteratur
  7. Festlegung des Schwierigkeitsgrades der Bestimmung für jedes Taxon (Bestimmbarkeitskategorien)
  8. Eindeutige Kodierung der Taxa (Schlüsselliste)
  9. Routinemäßige Prüfung der Bestimmungsergebnisse (Plausibilitätskontrolle)
  10. Standardisierung der Dateneingabe und Verwaltung

Taxaliste der Gewässerorganismen Deutschlands zur Kodierung biologischer Befunde

Die "Taxaliste der Gewässerorganismen Deutschlands" dient der eindeutigen Benennung und Kodierung der Gewässerorganismen Deutschlands. Damit stellt sie ein wichtiges fachliches Instrument zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie sowie zur biologischen Qualitätssicherung dar.

Grundlage für die "Taxaliste der Gewässerorganismen Deutschlands" stellte die vom ehemaligen Bayerischen Landesamt für Wasserwirtschaft als Informationsberichte Heft 1/85 und 4/90 (MAUCH et al. 1985 bzw. 1990; d.h. 1. bzw. 2. Auflage) veröffentlichte "Bayernliste" der bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung zur Erfassung der benthischen und planktischen Organismen von Fließgewässern und Seen dar. Durch Publikation der "Bayernliste" wurde diese einem breiten Anwenderkreis zugänglich gemacht. Einige Bundesländer haben sie übernommen und z.T. nach landesinternen Gesichtspunkten erweitert.

Auf Anregung des Vorsitzenden des DIN-Ausschusses "NAW 13 UA 5 AK 6" (Methoden der Gewässerbewertung) und des LAWA-Arbeitskreises "Biologische Gewässerbewertung" erweiterte das Bayerische Landesamt für Wasserwirtschaft die "Bayernliste" zu einer Bundesliste. In der veröffentlichen Version der Informationsberichte Heft 1/03 (siehe rechte Spalte) wurde die Taxaliste der Gewässerorgansimen Deutschlands um eine ausführliche Liste kommentierter Bestimmungsliteratur für die unterschiedlichen systematischen Gruppen ergänzt.

Dunkelblaues Titelblatt des Informationsberichts "Taxaliste der Gewässerorganismen Deutschlands". Bild vergrößern Titelblatt "Taxaliste der Gewässerorganismen Deutschlands", Informationsberichte Heft 1/03 (Mai 2003, siehe rechte Spalte)

Nach 2003 wurde die Taxaliste in unregelmäßigen Abständen fortgeschrieben und im Internet veröffentlicht. Die nun vorliegende aktuelle Fassung der "Taxaliste der Gewässerorganismen Deutschlands" mit Stand März 2017 enthält die in Deutschland vorkommenden Gewässerorganismen der unterschiedlichsten limnischen Lebensräume mit Artnamen und Synonymen: insgesamt rund 13.000 Taxa aus 129 systematischen Gruppen. Jedem dieser Taxa wurde eine eindeutige Kennziffer (DV-Nummer) zugewiesen. Auf Synonyme wird unter Angabe der jeweils neuen DV-Nummer verwiesen.

Mit der nun vorliegenden Fassung endet eine über 30-jährige Fortschreibung und Weiterentwicklung der Taxaliste der Gewässerorganismen Deutschlands durch das Bayerische Landesamt für Umwelt. Sämtlichen dabei einbezogenen externen und internen Spezialisten sind wir für die zahlreichen Antworten zu Fragen, Übernahmen von Bearbeitungen und kompletten Revisionen einzelner systematischer Gruppen zu großem Dank verpflichtet. Gleiches gilt für die vielen Rückmeldungen der Anwender, die einen wichtigen Beitrag zur Aktualität der Liste lieferten.

Aufgrund der besonderen Bedeutung der Taxaliste als Grundlage für alle biologischen Bewertungsverfahren ist künftig eine noch engere Abstimmung durch Einbeziehung eines nationalen bzw. internationalen Netzwerkes von Experten zwingend erforderlich. Aus diesem Grund wurde auf Bitten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt in der 50. Sitzung des LAWA-AO das Umweltbundesamt (UBA) mit der Betreuung der Taxaliste der Gewässerorganismen Deutschlands beauftragt. Eine Fortschreibung der Serviceleistung ist somit auch in Zukunft gewährleistet. Wir möchten Sie bitten, sich künftig an das Umweltbundesamt als Ansprechpartner zu wenden:

Umweltbundesamt
Fachgebiet II 2.5, Qualitätssicherungsstelle des BLMP
Bismarckplatz 1
D-14193 Berlin
Dr. Petra Schilling.

Dem UBA wünschen wir bei der künftigen Bearbeitung viel Erfolg und eine glückliche Hand.