Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU) – Standort Garmisch-Partenkirchen
Die Staatliche Vogelschutzwarte ist die zentrale ornithologische Fachstelle des Bayerisches Landesamt für Umwelt. Sie ist am Standort Garmisch-Partenkirchen angesiedelt und berät landesweit Naturschutzverwaltung, Politik, Planungsträger, Wissenschaft und Öffentlichkeit in allen Fragen des Vogelschutzes.
Seit Januar 2026 leitet Margarete Siering die Staatliche Vogelschutzwarte und übernimmt zugleich die betriebliche Leitung des LfU-Standorts Garmisch-Partenkirchen. An diesem Standort ist auch ein Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bayerischen Artenschutzzentrums ansässig.
Aufgaben und Arbeitsschwerpunkte
Monitoring und Datengrundlagen
Die Vogelschutzwarte erhebt und analysiert landesweit avifaunistische Daten als Grundlage für Naturschutz, Planung und Berichtspflichten:
- Internationale Wasservogelzählung: Koordination der bayernweiten Erfassung rastender und überwinternder Wasservögel im Rahmen der internationalen Zählprogramme.
- Erfassung und Auswertung der Mauserbestände Bayerns.
- Monitoring seltener Brutvogelarten: Modular aufgebautes Erfassungssystem für Bayern mit artspezifischen Methoden und Schwerpunktregionen.
- Beauftragung des Monitorings häufiger Brutvögel in Bayern.
- Spezifische Monitorings zu verschiedenen Arten wie Steinadler, Weißstorch, Birkhuhn, Alpenschneehuhn, Haselhuhn, Zitronenzeisig: Fortlaufende landesweite Bestandserfassung und je nach Art und Methodik auch Auswertung von Reproduktion und Verbreitung.
- Zugvogelbeobachtung und Vogelzugforschung: Analyse von Zuggeschehen, Rastplätzen und Phänologie, u. a. zur Bewertung raumbedeutsamer Planungen.
- Umgang mit Problemarten (zum Beispiel Kormoran, Graureiher, Saatkrähe).
- Avifaunistik in Bayern und Betreuung von Fachinformationssystemen: Sammlung von Daten zu seltenen Vögeln im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft seltener Brutvögel Bayerns, Artenschutzkartierung, Ornitho.de
- Atlasprojekte und die Erstellung der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel Bayerns.
Die Daten fließen in nationale und europäische Berichtspflichten sowie in Schutzgebietsmanagement und fachliche Stellungnahmen ein.
Umsetzung europäischer Naturschutzvorgaben
Die Vogelschutzwarte wirkt maßgeblich an der fachlichen Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie in Bayern mit. Dazu zählen insbesondere:
- fachliche Grundlagen zur Ausweisung und Bewertung von Europäischen Vogelschutzgebieten (SPA),
- Beiträge zu Erhaltungszielen und Managementplänen,
- Aktualisierung der Standarddatenbögen der SPA-Gebiete,
- Berücksichtigung der Arten nach dem sogenannten „Elliniki-Urteil“ für Bayern,
- Datengrundlagen für nationale und europäische Berichtspflichten,
- artenschutzfachliche Bewertungen im Rahmen von Eingriffs- und Genehmigungsverfahren.
Damit trägt die Vogelschutzwarte zur Sicherung eines kohärenten europäischen Schutzgebietsnetzes und zum langfristigen Erhalt wildlebender Vogelarten bei.
Artenschutz und Fachkonzepte
Die Vogelschutzwarte entwickelt und begleitet fachlich fundierte Schutzstrategien für gefährdete Arten und sensible Lebensräume. Dazu gehören unter anderem:
- Schutz- und Managementansätze für Wiesenbrüter und Agrarvogelarten,
- Konzepte für störungssensible Arten in alpinen und voralpinen Räumen,
- Artenschutzkonzept für Felsbrüter wie Uhu und Wanderfalke, mit Schwerpunkt auf Brutplatzsicherung, Konfliktmanagement und begleitendem Monitoring,
- Erstellung und Fortschreibung von Ruhezonenkonzepten für Wat- und Wasservögel an bedeutsamen Gewässern Bayerns.
Ziel ist es, populationsbiologische Erkenntnisse, Habitatansprüche und Nutzungskonflikte integrativ zu bewerten und praxistaugliche Lösungen bereitzustellen.
Erneuerbare Energien und Vogelschutz
Ein zentraler aktueller Schwerpunkt ist die fachliche Begleitung des Ausbaus erneuerbarer Energien:
- Photovoltaik-Freiflächenanlagen
- Bewertung der Auswirkungen auf Offenlandarten, insbesondere Feldlerche und weitere Bodenbrüter,
- Entwicklung fachlicher Empfehlungen zur Standortwahl, Gestaltung und Bewirtschaftung zur Minimierung von Beeinträchtigungen.
Windenergie
- Fachliche Bewertung kollisionsgefährdeter Arten,
- Beteiligung an Forschungsvorhaben zum kameragestützten Monitoring und automatisierten Detektionssystemen zur Vermeidung von Vogelkollisionen,
- Analyse von Zugbewegungen und Raumnutzung als Grundlage für Genehmigungsverfahren.
Die Vogelschutzwarte verbindet hierbei ornithologische Expertise mit angewandter Forschung und trägt zur naturverträglichen Umsetzung der Energiewende bei.
Beratung, Kooperation und Wissenstransfer
Die Vogelschutzwarte arbeitet eng mit Fachbehörden, Planungsbüros, wissenschaftlichen Einrichtungen sowie ehrenamtlichen Ornithologinnen und Ornithologen zusammen. Sie
- erstellt fachliche Stellungnahmen und Leitfäden,
- koordiniert landesweite Erfassungsprogramme,
- pflegt avifaunistische Datenbestände,
- vermittelt aktuelles Wissen über Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Fachinformationen.
Geschichte der Vogelschutzwarte
Die Einrichtung wurde 1909 als „Staatliche Bayerische Station für Vogelschutz“ gegründet und 1931 nach Garmisch-Partenkirchen verlegt. Ursprünglich lag der Schwerpunkt auf Fragen des Vogelschutzes im Kontext von Land- und Forstwirtschaft.
Seit dem Jahr 1959 befindet sich die bayerische Vogelschutzwarte am heutigen Standort oberhalb von Partenkirchen am Südhang des Wank. Lange Zeit wurde sie offiziell als "Institut für Vogelkunde" bezeichnet, bis sie 1995 wieder dem Umweltressort angegliedert wurde. Seit diesem Zeitpunkt bildet die Staatliche Vogelschutzwarte die kleinste Dienststelle des Bayerischen Landesamtes für Umwelt.
Mit der Weiterentwicklung des Naturschutzrechts und zunehmenden ökologischen Anforderungen wandelte sich die Institution zu einer wissenschaftlich ausgerichteten Fachstelle für Ornithologie und angewandten Artenschutz. Heute ist die Staatliche Vogelschutzwarte ein anerkanntes Kompetenzzentrum innerhalb des LfU für avifaunistische Datengrundlagen, Schutzkonzepte und fachliche Beratung in Bayern.






