Schwerpunkt Ukrainehilfe

Die Ukraine zählt zu den Ländern, in denen sich die bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung über das Netzwerk Technologietransfer Wasser (TTW) mit dem Ziel der institutionellen Aufbauhilfe bereits seit sehr vielen Jahren engagiert. Seit mittlerweile 25 Jahren kooperieren wir über TTW in diesem Zusammenhang mit unterschiedlichen Organisationen vor Ort und sind mit verschiedenen Programmen aktiv.

Der völkerrechtswidrige Einmarsch russischer Truppen am 24.02.2022 und der seitdem andauernde Krieg erfordern eine Erweiterung der bis dahin bestehenden Zusammenarbeit. Über die Angebote des gegenseitigen Erfahrungsaustausches hinaus wurde daher im Netzwerk TTW die eigene Kontaktstelle Ukrainehilfe zur Unterstützung des ukrainischen Wassersektors auch in Kriegszeiten geschaffen.

Das Aufgabenspektrum der Ukrainehilfe umfasst neben Beratungsleistungen die:

  • technische Unterstützung von ukrainischen Kommunalunternehmen der Daseinsvorsorge,
  • Unterstützung bei der Anbahnung von Solidaritätsbetreiberpartnerschaften,
  • Qualifizierung von Fachkräften der ukrainischen Wasserwirtschaft,
  • Unterstützung der ukrainischen Wasserwirtschaftsverwaltung, technisch sowie bei der Implementierung von EU-Standards bzw. deutschen Normen und Regelwerken,
  • Unterstützung des ukrainischen Hochschulsektors, Förderung der Forschungszusammenarbeit,
  • Integration von nach Bayern geflüchteten Fachkräften.

Wasser im Krieg (im Ausnahmezustand)

Der Krieg in der Ukraine zeigt sich nicht nur an der Front, sondern auch in der täglichen Arbeit der kritischen Infrastruktur. Besonders betroffen ist die Wasserversorgung, die stark von einer stabilen Energieversorgung abhängt.
Die Realität lässt sich kaum in Worte fassen: Die Herausforderungen und Belastungen, denen die ukrainischen Wasserversorger ausgesetzt sind, sind enorm.

An das Leben ohne Strom hat man sich in gewissem Maße angepasst-doch ohne Wasser gibt es kein Leben. Seit Beginn der Angriffe auf die Energieinfrastruktur arbeiten die Wasserversorger unter extremen Bedingungen. Trotz regelmäßiger Stromausfälle gelingt es in den meisten Fällen, die Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten durch eine Kombination aus technischen und organisatorischen Maßnahmen:

  • Einsatz von Generatoren für den autonomen Betrieb von Pumpstationen und Sicherstellung einer Kraftstoffreserve (für 3 bis 4 Wochen),
  • Aufbau von Notwasserreserven,
  • Nutzung von Brunnen und alternativen Wasserquellen,
  • Verwendung spezieller Ausrüstung für die Produktion von abgepacktem Wasser,
  • Einrichtung von Öffentlichen Wasserentnahmestellen,
  • Organisation von Wasserlieferungen mittels Tankfahrzeuge.

Parallel dazu werden Anlagen modernisiert und energieeffizienter gestaltet, um den Betrieb unter Krisenbedingungen zu stabilisieren.
Diese vorliegenden Erfahrungen sind nicht nur für die Ukraine relevant, sondern können anderen Ländern als Orientierung im Umgang mit Krisensituationen dienen; als Beispiel für Resilienz, Anpassungsfähigkeit und praktisches Krisenmanagement.
"Ein russischer Angriff hat unsere Wasseraufbereitungsanlage in Kramatorsk zerstört", schreibt beispielsweise ein ukrainischer Betriebsleiter an seine Kollegen am LfU. Fünf Mitarbeiter seien verletzt, einer werde noch unter den Trümmern vermisst.

Vier Personen in einer vom Krieg zerstörten Steuerzentrale eines Wasserwerks. Leitstand eines von russischen Raketen getroffenen ukrainischen Wasserwerks in Krematorsk (Quelle: Ukrvodokanalekologia)

Angriffe wie dieser auf Einrichtungen der kritischen Infrastruktur in der Ukraine durch das russische Regime sind kein Zufall: Viele Anlagen zur Trinkwasserversorgung, Bewässerung, Kraftwerkskühlung oder Energiegewinnung wurden seit Beginn des Krieges mit Raketen und Drohnen beschossen – im offenen Widerspruch zu den Genfer Konventionen, die ganz klar untersagen, lebensnotwendige Einrichtungen wie zivile Trinkwasserversorgungsanlagen anzugreifen.