Im Versorgungsnetz dienen Wasserspeicher dazu, zu jeder Zeit Trinkwasser in ausreichender Menge und mit dem erforderlichen Druck zur Verfügung zu stellen. Weiterhin dienen sie oftmals auch zur Bereitstellung von Löschwasser.
Druckregulierung
Die Druckregulierung erfolgt durch die Höhenlage des Wasserspiegels im Behälter. Durch den hydrostatischen Druck ist das Wasser in allen angeschlossenen Leitungen bestrebt, die gleiche Spiegelhöhe wie im Hochbehälter zu erreichen (Prinzip der kommunizierenden Röhren). Der Höhenunterschied zwischen der jeweiligen Entnahmestelle im Versorgungsnetz und dem freien Wasserspiegel im Wasserspeicher erzeugt einen Druck von 1 bar pro 10 Meter Höhendifferenz. Anmerkung: durch Rohrreibung und Armaturen innerhalb des Versorgungsnetzes wird der Druck zusätzlich gemindert (Verlusthöhen).
Die Trinkwasserinstallation in Gebäuden (Haustechnik und Armaturen) ist in der Regel auf einen maximalen Betriebsdruck von 10 bar (100 m Wassersäule) ausgelegt. Im Regelfall sollte der Ruhedruck im Schwerpunkt der Druckzone ca. 4 bis 6 bar am Hausanschluss betragen.
Durch die Versorgung eines Gebietes aus mehreren Wasserspeichern, wie in Bild D.1 "Beispiel für die Teilung eines Ortsnetzes in drei Druckzonen (DVGW-Merkblatt W 400-1)" gezeigt wird, können innerhalb des Versorgungsgebietes - einer Stadt - verschiedene Druckzonen realisiert werden. Dies ist besonders in Tieflagen wie im Beispiel wichtig, da sonst der zulässige Höchstdruck von 10 bar überschritten werden kann. Sollte der Netzdruck trotzdem höher als 6,0 bar liegen, werden in der Trinkwasserinstallation im Regelfall Hausdruckminderer installiert. Auf Druckminderer im Versorgungsnetz sollte nach Möglichkeit verzichtet werden, da diese energietechnisch nicht sinnvoll sind. In der Tabelle "Versorgungsdrücke an der Abzweigstelle der Anschlussleitung von der Versorgungsleitung (DVGW-Arbeitsblatt W 400-1)" sind die Mindestversorgungsdrücke zusammengefasst, die vor dem Wasserzähler eingehalten werden sollen.
| Gebäude mit | Versorgungsdruck SP |
|---|---|
| EG | ≥2,00 bar |
| EG + 1 OG | ≥ 2,35 |
| EG + 2 OG | ≥ 2,70 |
| EG + 3 OG | ≥ 3,05 |
| EG + 4 OG | ≥ 3,40 |
Ausgleich
Der Ausgleich zwischen unterschiedlichen Zuflüssen vom Wasserwerk (z. B. betriebsbedingte Stillstandzeiten bei der Wasserförderung) und Verbräuchen (Verbrauchsspitzen) im Versorgungsnetz ist die zweite Hauptaufgabe von Wasserspeichern. Früher wurde die Wassergewinnung in der Nacht betrieben, um den günstigeren Nachtstrom zu nutzen.
Dabei stellte sich heraus, dass diese kurzfristigen intensiven Wasserentnahmen die Grundwasserleiter höher belasten, als die kontinuierliche Nutzung über den Tag. Erst durch die heutige Mess-, Regel- und Steuertechnik wird die kontinuierliche Nutzung des Grundwassers mit einer wirtschaftlichen Betriebsreserve in den Wasserspeichern ermöglicht.
Wie ausgeprägt die Verbrauchsspitzen sind, hängt direkt von der Bevölkerungszahl der zu versorgenden Kommune ab. In kleinen Orten sind die Spitzen vergleichsweise höher und ausgeprägter als in Großstädten.
Versorgungssicherheit
Die dritte Hauptaufgabe von Wasserspeichern ist die Sicherung der Wasserversorgung bei kurzfristigen Betriebsstörungen wie Stromausfall oder Rohrbruch.
Bereitstellung von Löschwasser
Oftmals dienen Trinkwasserbehälter auch zur Bereitstellung von Löschwasser. Diese punktuellen und unregelmäßigen Verbrauchsspitzen können gerade in kleinen Ortschaften nicht über das Wasserwerk abgedeckt werden.
Bei der Versorgung von kleinen Dörfern und Weilern ist es oftmals wirtschaftlicher, Löschwasser in Teichen vorzuhalten oder aus einem Gewässer zu beziehen, da die im Brandfall notwendige Wassermenge zu überdimensionierten Wasserleitungen und unwirtschaftlichen Behältervolumina führt. In Großstädten muss durch die großen Behältervolumen keine zusätzliche Löschwasserreserve berücksichtigt werden. Weitere Informationen enthält das DVGW-Merkblatt W 405 "Bereitstellung von Löschwasser durch die öffentliche Wasserversorgung".

