Trinkwasserverteilung

In Bayern sind zurzeit ca. 115.000km Trinkwasserleitungen verlegt. Da aufgrund eines derzeitigen Anschlussgrades von rd. 99,2% nur noch eine begrenzte Erweiterung des Leitungsnetzes zu erwarten ist, stellt nun die Erhaltung und Sanierung der bestehenden Versorgungsleitungen eine zentrale Aufgabe der Wasserversorgungsunternehmen dar. In diesem Zusammenhang nehmen Zustandsbewertungen der Rohrnetze (Rohrnetz- und Schadensanalyse), Instandhaltungsstrategien und Sanierungsverfahren zukünftig eine hohe Priorität ein.

Die Investitionen für das Rohrnetz liegen im Bundesdurchschnitt bei 61% der Gesamtinvestitionen der öffentlichen Trinkwasserversorgung (Quelle: Wasserfakten im Überblick (Stand: März 2019), Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW)), d.h. die Versorgungsnetze nehmen den größten Anteil am Anlagevermögen der Wasserversorgung ein. Für die Erhaltung des Bestandes der vorhandenen Trinkwasserinfrastruktur ist deshalb auch in Bayern mit einem sehr hohen Investitionsvolumen zu rechnen.

Für die technische Substanzerhaltung des Rohrleitungsnetzes wird nach Untersuchungen des Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) eine Mindestnetzerneuerungsrate (Leitungserneuerung pro Jahr in %) in Höhe von rd. 1,0% - 1,5% als technisch und wirtschaftlich sinnvoll erachtet. Gemäß der Effizienz- und Qualitätsuntersuchung der kommunalen Wasserversorgung in Bayern (EffWB) liegt die Netzerneuerungsrate in Bayern derzeit deutlich unter 1,0%. Hier besteht Handlungsbedarf für die Kommunen.

Eine Unterstützung erhalten die Städte und Gemeinden mit der Informationskampagne "Schau auf die Rohre". In dieser gemeinsamen Kampagne der kommunalen Spitzenverbände, der Fachverbände der Wasserwirtschaft und der Wasserwirtschaftsverwaltung wird den Kommunen und Anlagenbetreibern vielfältige Unterstützung bei der Instandhaltung ihrer Kanalnetze geboten. In einem eigenen Web-Bereich gibt es Fachinformationen zur Planung und Umsetzung von Prüf- und Baumaßnahmen bis hin zur Kommunikation mit der Bevölkerung. Detailliert ausgearbeitete Praxisbeispiele – von großen Netzbetreibern bis zu kleinen Kommunen – präsentieren unterschiedliche Möglichkeiten und Maßnahmen zur Instandhaltung der Netze und forcieren den Austausch von vorhandenem Wissen und Erfahrungen. Gleichzeitig erhalten die Kommunen Broschüren und Kampagnen-Plakate zur Information ihrer Bürgerinnen und Bürger. Zum fachlichen Austausch unter Kommunen und Anlagenbetreibern sowie zur Information der Bürgerinnen und Bürger vor Ort werden "Aktionstage" in allen bayerischen Regierungsbezirken vorgesehen. Zudem steht ein Konzept für eigene Bürgerinformationsveranstaltungen zur Verfügung.

Bei den Wasserverlusten weist Bayern mit rd. 9,6% (Quelle: Umweltstatistik Bayern 2016) im internationalen Vergleich einen niedrigen Wert auf (zum Beispiel liegen die Wasserverluste in Frankreich, England und Italien über 20%), der bundesweite Durchschnitt liegt bei 8,7% (2016). Der Wasserverlust bildet neben den Schadensraten einen Indikator für den Netzzustand. Auch vor dem Hintergrund der negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die zur Verfügung stehenden Wasserressourcen ist die Verringerung von zu hohen Wasserverlusten wichtiger denn je. Daher gilt es sowohl für die Wasserversorger als auch die Wasserwirtschaftsverwaltung – im Zuge der wasserrechtlichen Begutachtung – Wasserverlusten nachzugehen.