Hochwasservorsorge

Das Logo des Aktionsprogrammes 2020plus verbindet die alte Darstellung des Aktionsprogrammes 2020 aus drei Handlungsfeldern mit dem Kreislauf des Hochwasserrisikomanagements. Der Kreislauf außen gliedert sich in die Aspekte Nachsorge, Vermeidung, Schutz und Vorsorge. Der innere, farbig unterlegte Kreis ist ebenfalls in diese Teile gegliedert, wobei der Aspekt Schutz noch in den technischen Hochwasserschutz und den natürlichen Rückhalt untergliedert wird.Das Aktionsprogramm 2020plus vereint die Handlungsfelder des Aktionsprogrammes 2020 mit dem Kreislauf des Hochwasserrisikomanagements

Ziel der Vorsorge ist es, auf künftige Hochwasserereignisse vorbereitet zu sein und diese besser bewältigen zu können. Denn bei allen Anstrengungen zur Vermeidung und zum Hochwasserschutz durch natürlichen Rückhalt oder technische Maßnahmen gibt es dennoch immer ein verbleibendes Risiko: die Schutzanlagen können bei einem extremen Hochwasser überflutet werden oder es verbleiben bebaute Bereiche, die nicht sinnvoll ausreichend geschützt werden können. Hier setzen die Vorsorgemaßnahmen an. Sie sollen das Hochwasserrisiko bereits im Vorfeld durch Senkung des Schadenspotenzials verringern und die im Hochwasserfall auftretenden Schäden so weit wie möglich begrenzen. Dafür müssen sowohl staatliche Akteure als auch die Bürger ihren Beitrag leisten. Häufig kann durch angepasstes Verhalten der Schaden bereits deutlich reduziert werden. Zudem müssen sich die Flussanlieger untereinander abstimmen, denn Hochwasser macht an Grenzen nicht halt.

Verantwortliche für die Hochwasservorsorge
Staatliche/kommunale Vorsorge Eigenvorsorge
Einhergehend mit dem Aspekt "Vermeidung" Freihalten von Überschwemmungsgebieten, Bereitstellung von Gefahren- und Risikokarten, Flächenvorsorge Einhergehend mit dem Aspekt "Vermeidung" Nutzung bestimmter Baumaterialien und Nutzungskonzepte, Bauvorsorge
Hochwasservorhersage und -warnung (Hochwassernachrichtendienst) Risikovorsorge (Versicherungen)
Katastrophenmanagement (Alarm- und Einsatzpläne) Verhaltensvorsorge (Checklisten)

Staat und Kommunen können durch planerische Maßnahmen sowie umfassende Information dafür sorgen, dass die Schäden bei einem Hochwasserereignis möglichst gering ausfallen und die Bevölkerung für die Gefährdung sensibilisiert wird. Diese Art der Vorsorge ist ein wesentlicher Baustein im Aktionsprogramm 2020plus und wird durch Maßnahmen zur Vermeidung von Schadenspotenzialen, welche natürlich auch vorsorgenden Charakter haben, ergänzt. Kommunen können bereits in der Bauleitplanung vorsorgen, indem zum Beispiel bekannte Überschwemmungsgebiete freigehalten werden. Welche Möglichkeiten Kommunen und ihre Planer im Rahmen der Bauleitplanung haben, wurde in einer Arbeitshilfe zusammengefasst:

Der Bürger selbst kann Schäden durch Maßnahmen der Eigenvorsorge minimieren bzw. das verbleibende Risiko durch entsprechenden Versicherungsschutz finanziell absichern. Folgende Seiten liefern hierfür Grundlagen und Ansatzpunkte:

Informationsgrundlagen

Die Basis für alle Vorsorgemaßnahmen bilden die zugrundliegenden Informationen. Erst damit können alle Beteiligten die nötigen und sinnvollen Maßnahmen ergreifen. Informationen zu Hochwassergefahren und -risiken werden landesweit bereitgestellt und ständig weiter ergänzt, verbessert und aktualisiert. Zwei wesentliche Arten der Information können dabei unterschieden werden:

  1. Bestehende Hochwassergefahren und -risiken:

  2. Grundsätzliche Daten über eine möglicherweise bestehende Hochwassergefahr und dem damit verbundenen Risiko in einem Gebiet finden sich in den Informationsdiensten des Freistaats. Sie beantworten die Frage "An welcher Stelle besteht Gefahr?". In dem Online-Kartendienst "Informationsdienst Überschwemmungsgefährdete Gebiete" (IÜG) werden neben den amtlich festgesetzten Überschwemmungsgebieten auch Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten für verschiedene Hochwasserszenarien veröffentlicht. Die Risikokarten ermöglichen eine Einschätzung der potenziellen Hochwasserschäden, indem sie den Zusammenhang zwischen einer betroffenen Fläche und deren Nutzung darstellen. Zur Verdeutlichung des verbleibenden Risikos, welches auch außerhalb festgesetzter Überschwemmungsgebiete oder hinter technischen Hochwasserschutzeinrichtungen besteht, werden von der Wasserwirtschaftsverwaltung auch Karten für extreme Hochwasserereignisse (HQextrem) erarbeitet. Aus ihnen wird ersichtlich, welche Folgen sehr selten eintretende Hochwasserereignisse haben können, bei denen auch weiter vom Gewässer entfernte Flächen überflutet werden oder Schutzeinrichtungen versagen. Die Karten stellen somit eine gute Grundlage für eine Diskussion über den Umgang mit dem verbleibenden Risiko und für die Planung von Maßnahmen der Eigenvorsorge dar.

  3. Aktuelle Hochwassersituation:

    Aktuelle Informationen werden vom Hochwassernachrichtendienst bereitgestellt. Auf den Internetseiten des HND-Webangebots, über Teletext oder Telefon stehen aktuelle Wasserstände, Warnungen und an ausgewählten Pegeln auch Hochwasservorhersagen öffentlich zur Verfügung.
    Diese Informationen beantworten Fragen wie zum Beispiel: "Wie hoch steht das Wasser derzeit am Fluss- oder See-Pegel in der Nähe meine Gemeinde?", "Wie ist die weitere Entwicklung des Hochwassers?" und "Sind Schäden durch Überschwemmungen zu erwarten?".

    Mehr zur Organisation und dem Informationsangebot des Hochwassernachrichtendienstes finden Sie hier:

Diese Informationen ermöglichen den Bürgerinnen und Bürgern, angemessen reagieren zu können und zielgerichtet weitere Schritte einzuleiten. In kleinen Einzugsgebieten sowie bei lokalen Starkregenereignissen stößt die Hochwasservorhersage jedoch an ihre Grenzen: Dort ist die Zeit zwischen dem Niederschlagsereignis und dem resultierenden Hochwasser oftmals zu kurz für eine genaue rechtzeitige Warnung. Es werden aber generelle Warnungen für größere Gebiete ausgegeben, auf Basis der Wettervorhersagen und dem hydrologischen Zustand, wie zum Beispiel der Bodenfeuchte, in den betroffenen Gebieten.

Um immer frühzeitiger und präziser warnen zu können, werden die vorhandenen Systeme permanent weiterentwickelt. Hier fließen sowohl Erfahrungen bei der Bewältigung vergangener Hochwasserereignisse, zum Beispiel dem Hochwasser im Juni 2013, als auch neueste technische Weiterentwicklungen der Niederschlagsvorhersagen und der Hochwasservorhersagemodelle ein.

Das Aktionsprogramm 2020plus hat unter anderem die Weiterentwicklung und Pflege der Vorhersagemodelle und -werkzeuge, insbesondere im Hinblick auf besondere Situationen wie zum Beispiel Deichbrüche, die Verbesserung der Vorhersagegüte und die Vertiefung der Grundlagen für eine Hochwasserwarnung für kleine Gebiete zum Ziel.

Alarm- und Einsatzpläne

Ein ganz wesentlicher Baustein einer wirksamen Vorsorgestrategie ist eine rechtzeitige Vorbereitung auf den "Ernstfall": So sollten die Notfallpläne für Hochwasserereignisse in bestmöglicher Zusammenarbeit aller Beteiligten aktualisiert und verbessert werden. Wasserwirtschaft, Gemeinden und Katastrophenschutz wirken hier eng zusammen. Regelmäßige Übungen, wie im Fall der Fälle schnell und richtig gehandelt werden soll, ergänzen die bestmögliche Vorbereitung auf den Hochwasserfall.

Auf Gemeindeebene erleichtern örtlich angepasste Alarm- und Einsatzpläne den Hilfskräften das Eingreifen und sorgen für eine zügige Information aller Betroffenen. So können Güter rechtzeitig aus der Gefahrenzone entfernt, Verkehrswege gesperrt, Versorgungsanlagen (Gas, Wasser, Strom und Öl) gesichert und Evakuierungen vorgenommen werden.

Städte und Gemeinden können aus einer Bandbreite von Hilfestellungen für die Hochwasservorsorge wählen: Der Praxisratgeber "Hochwasserschutz für Kommunen" des Bayerischen Gemeindetags kann bei den Planungen unterstützen. Mit Hilfe des vom Freistaat geförderten DWA-Audits "Hochwasser – wie gut sind wir vorbereitet?" können Schwachstellen identifiziert und der aktuelle Stand der Vorsorge von Gemeinden verbessert werden. Hilfestellung bei der Erarbeitung von Alarm- und Einsatzplänen bietet die Arbeitshilfe zur Aufstellung bzw. Fortschreibung von Alarm- und Einsatzplänen des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Sport und Integration.