Flussmorphologische Studien

Fließgewässer unterliegen ständigen Gestaltungsvorgängen durch das fließende Wasser und die Verfrachtung von Feststoffen (Schwebstoff und Geschiebe). Die Gestaltungsvorgänge setzen sich aus einer Wechselbeziehung von naturräumlichen Randbedingungen (Untergrund, Klima, Wasserhaushalt) und anthropogenen Nutzungen (insbesondere dem Hochwasserschutz und der Wasserkraft) zusammen. Dadurch entstehen Veränderungen im Grundriss und im Längs- und Querschnitt des Fließgewässers. Seit etwa zwei Jahrhunderten prägen Begradigungen, Laufverlegungen, sowie Längs- und Querverbauungen das Erscheinungsbild der Fließgewässer. Diese Eingriffe beeinflussen auch das Abflussgeschehen und den Feststofftransport eines Fließgewässers. Das dynamische morphologische Gleichgewicht wird dadurch gestört. Typische Erscheinungsformen eines gestörten Systems sind Sohleintiefungen in freien Fließstrecken oder Auflandungen in Stauräumen und strömungsberuhigten Abschnitten.

Flussmorphologische Studien sind dann erforderlich, wenn durch Eintiefungs- oder Auflandungsprozesse des Flussbetts der ökologische Zustand beeinträchtigt wird oder Gefährdungen (z.B. Hochwasserschutz, Standsicherheit von Bauwerken) entstehen. Des Weiteren können mit ihrer Hilfe morphologische Auswirkungen geplanter Umgestaltungen oder Neubaumaßnahmen am Fluss beurteilt werden.

Eine Flussmorphologische Studie besteht aus einer Bestandsanalyse, in der Ursachen und Auswirkungen der morphologischen Gestaltungsvorgänge ermittelt und auffällige Gewässerabschnitte identifiziert werden, sowie darauf aufbauend der Maßnahmenauswahl und -planung.

Eine flussmorphologische Bestandsanalyse umfasst neben der Beschreibung der geologischen Situation (Entwicklungsgeschichte, Untergrundverhältnisse) und der Flussgeschichte (Laufbeschreibung, Korrektionsgeschichte, flussbauliche Maßnahmen) i.d.R. folgende drei wesentlichen Bausteine:

  • Morphologie (Flussbettausprägung und -entwicklung)
  • Feststoffhaushalt (Geschiebe- und Schwebstofftransport, Massenbilanzierung)
  • Abflussgeschehen (Abflussdynamik, Hochwasserhäufigkeit, Aus- und Einleitungen)

Basis dafür ist ein kontinuierliches Gewässer-Monitoring (z.B. regelmäßige Querprofilaufnahmen), dessen Anforderungen im LfU-Merkblatt 5.4/1 "Grundlagen zu Flussaufnahmen und deren Dokumentation" zusammengestellt sind.

Ablaufschema Flussmorphologische Studie – Bestandteile und Zusammenhänge. Als wesentliche Elemente dargestellt sind: Die flussmorphologische Bestandanalyse mit den Bausteinen Morphologie, Feststoffhaushalt und Abschlussgeschehen. Die Maßnahmenvorschläge mit Wirkungsprognose und Hinweisen zur Erfolgskontrolle. Im Zusammenhang stehende gewässerbezogene Vorhaben, Planungen oder Konzepte (z. B. Hochwasserschutz, Gewässerentwicklungskonzepte etc.) sollen dabei berücksichtigt werden. Dies gilt generell auch für überregionale Sedimentmanagementkonzepte. Am Ende steht die Umsetzung (evtl. im Zusammenhang mit wasserbaulichen Vorhaben) sowie die Erfolgskontrolle. Bild vergrössern Flussmorphologische Studie - Bestandteile und Zusammenhänge

Die Flussmorphologische Studie prüft aufbauend auf der Bestandsanalyse den Bedarf an Maßnahmen und gibt Empfehlungen für die Auswahl und Planung. Bei der Planung von Maßnahmen sollen weitere gewässerbezogene Konzepte berücksichtigt und einbezogen werden, z.B. überregionale Sedimentmanagementkonzepte, Hochwasserschutzplanungen, Gewässerentwicklungs- und Umsetzungskonzepte. Bei der Umsetzung der Maßnahmen sind naturnahe Methoden des Wasserbaus die Regel. Dabei kommen unterschiedliche Elemente und Bauweisen zum Einsatz: z.B. Uferrückbau, Flussbettaufweitung, Sohlrollierung, Grobkornanreicherung, Rampen. Der Einsatz dieser Elemente hängt von den jeweiligen Randbedingungen ab und ist gewässerspezifisch.

Nach der Auswahl und Darstellung von eventuell erforderlichen wasserbaulichen Maßnahmen werden im Rahmen der Studie auch künftige Entwicklungen prognostiziert (Wirkanalyse) und Hinweise zur Erfolgskontrolle (Monitoring) gegeben. Wichtige Hilfsmittel zur Planung und zur Erfolgsprognose von Maßnahmen sind numerische wie auch physikalische Modelle.

Abschnitt der Mittleren Isar (Flusskilometer 118,5), in dem die Uferbefestigung entfernt wurde und frische Uferanbrüche sowie ein Schutzzaun am gewässerbegleitenden Uferweg zu sehen sind.Eigendynamische Aufweitung mit Uferanbruch nach Entnahme der Uferbefestigung (Mittlere Isar)

Für Teilabschnitte der meisten alpin geprägten großen Flüsse (z.B. Salzach, Saalach, Isar) wurden bereits Studien aufgestellt. Die Alzstudie können Sie in der rechten Spalte abrufen. Links zu Studien und Maßnahmen für alpin geprägte Flüsse sowie für die Donau im internationalen Raum siehe unter „Weiterführende Informationen“.