Wasserentnahmen für die Bewässerung

Eine Karte des Freistaates Bayern mit blau eingefärbten Schwerpunktregionen. Blaue Gebiete liegen insbesondere im eingegrenzten Bereich zwischen München, Augsburg, Regensburg und Straubing, im Gebiet zwischen Würzburg und Schweinfurt sowie in Mittelfranken. Bild vergrössern Gemeinden mit erhöhtem Bewässerungsaufkommen.

Ein Bewässerungsbedarf landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturen ergibt sich zumeist in Zeiten überdurchschnittlich langer Trockenperioden oder für Regionen, in denen generell ungünstigere meteorologische Rahmenbedingungen (geringe Niederschläge) zu einer unzureichenden Wasserversorgung der Kulturen führen. Hierbei spielen auch die unterschiedlichen Wasserspeichereigenschaften der Böden eine Rolle. Des Weiteren ist der Bewässerungsbedarf von Grünanlagen und Sportplätzen in Trockenzeiten nicht zu vernachlässigen.

Neben den meteorologischen und bodenkundlichen Eingangsbedingungen sind es vor allem die Kulturarten selbst, die über ihren spezifischen Wasserbedarf den Anspruch nach einer zusätzlichen Bewässerung hervorrufen. Die bewässerten Regionen sind daher nicht notwendigerweise Trockengebiete. In der landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Produktion wird Wasser vor allem zur Bewässerung von Gemüse, Hackfrüchten, Obst, Wein und Hopfen verwendet. Auch aufgrund des Klimawandels gewinnt die Sicherung der Erträge und Qualitäten durch Bewässerungsmaßnahmen mehr und mehr an Bedeutung. Daneben steigt die Anzahl bewässerter Kulturen.

Als Nahaufnahme werden Salat-Jungpflanzen dargestellt, neben denen ein Bewässerungsschlauch verlegt ist. Bild vergrössern Beispiel für Tropfbewässerung

Um den Bedarf möglichst gering zu halten, sind wassersparende Bewässerungsmethoden anzuwenden wie z.B. die Tropfbewässerung. Um Verdunstungsverluste zu minimieren, sollte die Bewässerung in den Morgen- und Abendstunden stattfinden (siehe "Weiterführende Informationen").

Grundwasser ist vorrangig für höherwertige Zwecke vorzuhalten, vor allem für die Trinkwasserversorgung. Aus wasserwirtschaftlicher Sicht ist bei der Errichtung neuer Bewässerungsanlagen in erster Linie eine Versorgung mit gespeichertem Niederschlagswasser oder aus Oberflächengewässern bei ausreichend hohen Abflüssen anzustreben. Die Speicherung aus Oberflächengewässern bietet sich insbesondere in Zeiten hoher Abflüsse für eine spätere Nutzung in den Bedarfszeiten an. Ist dies nicht möglich, sollte zunächst eine Versorgung aus Uferfiltrat geprüft werden. Scheidet auch diese Möglichkeit, z.B. auf Grund der Entfernung zum Gewässer, aus, kann der Bewässerungsbedarf aus dem oberflächennahen Grundwasser gedeckt werden.

Bei gegebenenfalls begrenztem örtlichen Wasserdargebot und dadurch bedingter Notwendigkeit der Beileitung bietet ein Zusammenschluss interessierter landwirtschaftlicher oder gärtnerischer Betriebe zur Errichtung gemeinsamer Wassergewinnungs-, Wasserspeicher- und Verteilungsanlagen die besten Voraussetzungen zur nachhaltigen Nutzung und vermeidet Interessenskonflikte.

Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern

Flüsse und Seen sind Lebensraum zahlreicher Pflanzen und Tiere. Insbesondere die im Gewässer lebenden Tiere, aber auch Wasserpflanzen haben spezielle Ansprüche an die Beschaffenheit, wie beispielsweise Wassertemperatur, Sauerstoff- und Nährstoffgehalt, und an die Abflussmenge bzw. den Wasserstand. Wird den Gewässern Wasser entzogen, wirkt sich dies direkt auf den Zustand der Gewässer aus.

Wasserentnahmen aus Flüssen und Seen sind nur dann möglich, wenn ein hinreichend hoher Abfluss bzw. Wasserstand vorhanden ist und die Lebensgemeinschaft nicht nachhaltig geschädigt wird. Nicht alle Gewässer eignen sich daher für eine Wasserentnahme. Der Erhalt einer ökologischen Mindestwasserführung in Fließgewässern sowie eines Mindestwasserstands in Seen ist zwingend erforderlich, um einen guten ökologischen Zustand der Gewässer sicherzustellen. Infolge klimatischer Veränderungen führen vor allem kleinere Gewässer in trockenen und heißen Sommermonaten immer häufiger Niedrigwasser. Der gewünschte Bewässerungsbedarf kann aus solchen Gewässern dann oftmals nicht gedeckt werden.
Aber auch die Beeinträchtigung der Gewässer durch andere Nutzungen, wie beispielsweise Kläranlagenabläufe oder industrielle Wasserentnahmen können Gründe dafür sein, dass weitere Entnahmen nicht mehr möglich sind.

Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern erfordern stets eine wasserrechtliche Erlaubnis, sobald Pumpen zum Einsatz kommen. Sofern die Wasserentnahme mit Handschöpfgeräten, wie Eimer oder Gießkannen erfolgt, fällt sie unter den Gemeingebrauch. Für diesen ist keine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich. Die Entnahme aus Gewässern von angrenzenden Grundstücken ist für den eigenen Bedarf ebenfalls erlaubnisfrei (Eigentümer- und Anliegergebrauch). Wasserentnahmen sind grundsätzlich nur dann zulässig, wenn Tiere und Pflanzen sowie ihre aquatischen Lebensräume nicht beeinträchtigt und die Wasserbeschaffenheit nicht nachteilig verändert werden.

Wasserentnahmen aus dem Grundwasser

Grundwasserentnahmen für Bewässerungszwecke sind erlaubnisfrei, sofern sie in geringen Mengen erfolgen und unter der Voraussetzung, dass sich keine negativen Auswirkungen auf die Grundwasserbeschaffenheit oder zukünftige Nutzungen ergeben.

Um einen erlaubnisfreien Benutzungstatbestand handelt es sich bei Förderung von Grundwasser in geringen Mengen aus dem ersten ungespannten Grundwasserstockwerk für Zwecke der Land- und Forstwirtschaft sowie des Gartenbaus zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, wenn die Bohrung ohne Bohrhilfsmittel (z.B. Spülungszusätze) durchgeführt, keine Zementabdichtung im Grundwasserbereich eingebracht wird und nur mit bauaufsichtlich zugelassenen Ausbaumaterialien ausgebaut wird.

Erlaubnispflichtige Entnahmen sind nach den Grundsätzen einer nachhaltigen Bewirtschaftung der vorhandenen Ressourcen im Rahmen des wasserrechtlichen Verfahrens zu beurteilen.

Eine Grundwasserbenutzung bedarf immer einer wasserrechtlichen Erlaubnis, wenn:

  • eine landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Fläche von über 1ha Größe oder mit mehr als 50m3 pro Tag beregnet werden soll,
  • mittels gemeinsamer Anlagen beregnet wird,
  • eine nachteilige Veränderung der Grundwasserbeschaffenheit eintreten kann (durch die Bohrung oder das Einbringen/Einleiten von Stoffen (Bohrwerkzeuge, Spülungszusätze bei Spülbohrungen, Ausbaumaterialien)) oder
  • andere – auch erlaubnisfreie – Grundwasserbenutzungen, insbesondere für Trinkwasserzwecke, beeinträchtigt werden können.

Bei erlaubnispflichtigen Grundwasserentnahmen ist die Erstellung der Bohrung als zwingender Zwischenschritt anzusehen und damit von der wasserrechtlichen Gestattung der Grundwasserbenutzung mit umfasst. Für die Grundwasserentnahme ist bereits vor Bohrbeginn ein wasserrechtlicher Antrag bei der Kreisverwaltungsbehörde zu stellen, der auch als Bohranzeige gilt und in dem auch die hydrogeologischen Verhältnisse und die geplante Ausführung der Bohrung mit eingesetzten Materialien darzulegen sind. Diese Verfahrensweise ist nur möglich, wenn die hydrogeologischen Verhältnisse gut bekannt sind (geologischer Aufbau, mögliche Förderraten). Ist dies nicht der Fall, ist zur Erkundung der Verhältnisse zuerst die Bohrung anzuzeigen bzw. wasserrechtlich zu beantragen und die Entnahme später nach Vorliegen der notwendigen Erkenntnisse zu beantragen.

Die Bohrung ist – auch bei erlaubnisfreien Benutzungstatbeständen – einen Monat vor Beginn der Arbeiten der Kreisverwaltungsbehörde anzuzeigen. Bereits vor Bohrbeginn ist ein Antrag auf wasserrechtliche Erlaubnis sowie ein Antrag auf Vorprüfung einer Entnahme von Oberflächenwasser bei der Kreisverwaltungsbehörde zu stellen (s. „Formulare“). Erst wenn eine Oberflächenwasserentnahme als Alternative ausscheidet, kann eine Grundwassererschließung ins Auge gefasst werden. Mit den Bohrarbeiten darf erst begonnen werden, wenn die wasserrechtliche Erlaubnis vorliegt oder die 1-Monatsfrist nach der Bohranzeige ohne Äußerung der Kreisverwaltungsbehörde verstrichen ist. Letztlich entscheidet die Kreisverwaltungsbehörde, welches Verfahren durchzuführen ist.

Bei erlaubnispflichtigen Baumaßnahmen zur Bewässerung ist nach Fertigstellung der Bohrung in der Regel eine Bauabnahme erforderlich. Durch einen privaten Sachverständigen in der Wasserwirtschaft sind die ermittelten Bohr- und Pumpversuchsergebnisse zusammen mit der Bohrprofildarstellung und dem Ausbauplan der Kreisverwaltungsbehörde bekannt zu geben.

In Wasserschutzgebieten und Heilquellenschutzgebieten sind Bohrungen grundsätzlich verboten. Eine Befreiung von den Verboten der Schutzgebietsverordnung kann auf Antrag geprüft werden. Dieser Antrag ist bei der Kreisverwaltungsbehörde zu stellen.

Formulare

Die Formulare sind bei geplanten Grundwasserbenutzungen zur Bewässerung zu verwenden und bei der Kreisverwaltungsbehörde einzureichen. Sie erleichtern die Zusammenstellung aller notwendigen Angaben und halten den Verwaltungsaufwand für alle Beteiligten gering.