Im Rahmen eines vom Bayerischen Umweltministerium und dem Bayerischen Wirtschaftsministerium gemeinsam geförderten Forschungsprojekts wird das kamerabasierte Antikollisionssystem Identiflight in einem Waldstandort der Gemeinde Fuchstal (Lkr. Landsberg am Lech) auf seine Praxistauglichkeit getestet. Das System ist mit neuester, KI-gestützter Technik ausgestattet und soll die Kollision von Vögeln mit Windenergieanlagen durch rechtzeitiges Abschalten verhindern.
Das Antikollisionssystem Identiflight besteht aus acht Weitwinkelkameras mit 360° Rundumsicht und einer binokularen Zoomkamera, mit der Flugobjekte gezielt verfolgt und geortet werden. Foto: Lennart Roselius
Standorte der Windenergieanlagen, der Kamerasysteme und des ornithologischen Beobachtungsturmes; Foto: Lennart Roselius
Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf untersucht die Wirksamkeit dieser Abschaltsysteme unter praxisnahen Bedingungen. Im Zeitraum 2022–2025 finden dazu regelmäßig Vogelbeobachtungen vom Beobachtungsturm (gelber Punkt in der Übersichtskarte) statt. Gleichzeitig registrieren zwei Kamerasysteme (blaue Punkte) die Flugbewegungen im Umfeld der Windenergieanlagen (rote Punkte). Wenn ein Flugobjekt in den Bereich des grünen Kreises fliegt, versucht das Kamerasystem zu erkennen, ob es sich um ein Zielobjekt (z.B. Rotmilan) handelt und registriert Flugrichtung, -geschwindigkeit und -höhe. Wenn der rote Kreis erreicht ist und Kollisionsgefahr besteht, wird sofort einen Abschaltbefehl an die betroffene Windenergieanlage gesendet.
Durch den Vergleich der Vogelbeobachtungen mit den Daten des Kamerasystems wird die Fähigkeit des Systems zur Artbestimmung und zur Abschätzung des Kollisionsrisikos bestimmt. Ausschlaggebend für den Praxistest ist, dass die Anlage rechtzeitig abgeschaltet wurde, sodass eine Kollision mit den Rotoren ausgeschlossen werden kann.
Aus den bisherigen Ergebnissen lässt sich feststellen, dass Identiflight® auch in großen Waldgebieten einen ausreichenden Schutz für die beiden kollisionsgefährdeten Vogelarten Rotmilan und Wespenbussard nach den Anforderungen des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende bietet. Eine Überprüfung der Ergebnisse nach dem Prüfrahmen des Landes Schleswig-Holstein wird 2026 für beide Arten durchgeführt und Ende des Jahres in einer Abschlussveranstaltung am 24.11.2026 und 25.11.2026 vorgestellt und in einem Schlussbericht veröffentlicht.
- Anforderungen an eine fachlich valide Erprobung von technischen Systemen zur bedarfsgerechten Betriebsregulierung von Windenergieanlagen
- Fachkonventionsvorschlag "Prüfrahmen für Antikollisionssysteme" (Prüfrahmen AKS)
Weiterführende Informationen
- Betrieb des Antikollisionssystems IdentiFlight im Wald im Jahr 2025 - Vierter Zwischenbericht im Forschungsprojekt "Kameragestützte Evaluierung von Vogelkollisionen an Windenergieanlagen"
- Erste Ergebnisse zum Betrieb des Antikollisionssystems Identiflight im Wald
- Hochschule Weihenstephan-Triesdorf: Kameragestützte Evaluierung von Vogelkollisionen an Windenergieanlagen, 1. und 2. Zwischenbericht
- Identiflight – Ein automatisiertes Erkennungssystem für Großvögel zur bedarfsgerechten Abschaltung von Windenergieanlagen
- FuE-Vorhaben: Antikollisionssysteme in der Praxis
- Vögel und Antikollisionssysteme (AKS)
