Das Pilotprojekt „Erweitertes Management der Saatkrähe“ resultiert aus dem Landtagsauftrag 19/688 und beinhaltet drei Module.

  • Modul 1: Urbanes Management
  • Modul 2: Landwirtschaftliche Schäden verringern
  • Modul 3: Anthropogene Nahrungsquellen

Der Zwischenbericht des Jahres 2025 steht Ihnen zum Download zur Verfügung.

Modul 1: Urbanes Management

(Pilotregionen Dachau 2025 und 2026; Erding, Straubing, je 2026)

Das urbane Management von Saatkrähenkolonien bei Konflikten im Siedlungsbereich hat zum Ziel, besonders konfliktträchtige Koloniestandorte aufzulösen. Die Saatkrähen sollen sich anderen, weniger konfliktträchtigen Kolonien anschließen oder neue Kolonien an weniger konfliktbehafteten Standorten gründen. Eine Reduktion der Population ist nicht Ziel des Managements. Das Modul 1 im Pilotprojekt umfasst den Vergleich der Wirksamkeit von verschiedenen Maßnahmen und Maßnahmenkombinationen zur lokalen Vergrämung wie Eientnahme, Nestentfernung, Falknereinsatz und Einzelabschuss.

Die fachliche Grundlage für die Anwendung von Vergrämungsmaßnahmen im Projekt ist ein Zonierungskonzept der Stadt. Hierin erfolgt zum einen eine Festlegung von Bereichen im Stadtgebiet, in denen Saatkrähen toleriert werden und die aktuell und auf absehbare Zeit keine oder tolerierbare Konflikte verursachen oder erwarten lassen, z. B. Parkanlagen und andere (inner)städtische Gehölze. Demgegenüber stehen Bereiche, in denen in absehbarer Zeit keine Konfliktlösung zu erwarten ist und daher Maßnahmen erprobt werden können. Im Fokus stehen bei allen Maßnahmen auch die Einhaltung tierschutz- und sicherheitsrechtlicher Vorgaben sowie die genaue Dokumentation des Vorgehens, der Beobachtungen zum Verhalten der Vögel einschließlich der Umsiedlungen. Bei der Auswertung werden Kosten und Nutzen bilanziert und die Wirksamkeit auch monetär bewertet.

Im Jahr 2025 erfolgte in Abstimmung mit der Regierung von Oberbayern und der Stadt Dachau die Konzeptentwicklung sowie die Umsetzung durch Falkner, Baumpfleger und Jäger für Dachau. Hier brüteten 2025 rund 900 Brutpaare. Im Unterschied zu anderen Städten ist in Dachau keine individuenstarke Hauptkolonie vorhanden, sondern die Vögel brüten verstreut in weiten Teilen des Stadtgebietes in vielen lockeren, ausgedehnten Kolonien entlang von Straßenbäumen und in Baumgruppen in Innenhöfen von Wohnanlagen. Entsprechend großflächig fühlen sich hier Anwohnerinnen und Anwohnern durch den Lärm der Kolonien gestört. Diese Voraussetzungen machen Dachau zu einem geeigneten Ort für die Vergrämungsversuche im Rahmen des Pilotprojektes.

Im Jahr 2025 wurden in Dachau an einem Maßnahmenstandort Nester und Eier entfernt, an einem Standort der Einzelabschuss durchgeführt und an einem Standort Falknereinsatz mit Einzelabschuss kombiniert umgesetzt. Dabei sind insgesamt 14 Saatkrähen geschossen worden. Die Abschüsse erfolgten durch einen spezialisierten Jäger und wurden ausschließlich vor Beginn der Eiablage am Maßnahmenstandort durchgeführt.

Der Maßnahmenstandort mit Entfernung von Nestern und Eiern wurde innerhalb weniger Tage wieder von Saatkrähen besiedelt. 14 Tage nach der einmaligen Maßnahme im März 2025 waren etwa 30 der zuvor 120 Nester wieder aufgebaut und genutzt.

Der Maßnahmenstandort mit Abschuss und der Maßnahmenstandort mit Kombination aus falknerischer Vergrämung und Abschuss waren beide zur Brutzeit nach etwa vierwöchiger Maßnahmenumsetzung frei von Saatkrähennestern. Die von den Maßnahmenstandorten vertriebenen Krähen siedelten sich in anderen Teilen der Stadt bei bestehenden Kolonien an und gründeten mehrere neue, kleine Koloniestandorte.

Insgesamt nahm die Anzahl der Saatkrähen Brutpaare in Dachau um etwa 10 % bezogen auf das Vorjahr zu. Ein vergleichbarer Zuwachs des Dachauer Brutbestandes erfolgte von 2023 auf 2024.

Ein wichtiges Ziel beim Saatkrähenmanagement ist die Unterstützung von Kolonien außerhalb von Ortschaften, da sie keine Probleme mit Verschmutzung und Lärm verursachen. Sie werden jedoch leider häufig illegal gestört, und die Vögel siedeln sich erneut in der Stadt an. Die Förderung der Akzeptanz von Koloniestandorten in der freien Landschaft ist daher ein wichtiger Bestandteil des urbanen Managements.

Saatkrähen haben bei der Nahrungssuche einen Aktionsradius von mehreren (bis neun) Kilometern. Das Schadenspotential für landwirtschaftliche Flächen hängt nur teilweise von der Entfernung zum Koloniestandort ab. Auch innerstädtisch lebende Saatkrähen verlassen zur Nahrungssuche die Stadt und suchen Futter in der Feldflur. Die Verdrängung von Saatkrähen aus der freien Landschaft in die Stadt löst das Problem der landwirtschaftlichen Schäden daher nicht.

Modul 2: Landwirtschaftliche Schäden verringern

(Pilotregionen Bäumenheim, Erding und Straubing je 2025 und 2026)

Mit der Bearbeitung des Maßnahmepakets zur letalen und nicht-letalen Vergrämung auf landwirtschaftlichen Flächen wurde die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) beauftragt. Das Forschungsvorhaben beschäftigt sich im Modul 2 mit der Vergrämung von Saatkrähen auf landwirtschaftlichen Flächen und umfasst drei Fragestellungen:

  1. Wie hoch ist die Vergrämungswirkung einzelner Vergrämungsmaßnahmen und Maßnahmenkombinationen?
  2. Unterscheiden sich letale und nicht letale Vergrämungsmaßnahmen in ihrer Vergrämungswirkung in der Kurz- (Stunden) und Langzeitwirkung (Tage/ Wochen)?
  3. Welche Vergrämungsmaßnahmen oder Maßnahmenkombinationen haben die beste Wirkung und sind im Kosten-Nutzen-Verhältnis am besten geeignet?

Das Forschungsvorhaben beschäftigt sich im Modul 2 mit dem Vergleich der Wirkung von nicht letalen Vergrämungsmaßnahmen und letalen Entnahmen von Saatkrähen zur Reduktion von Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen. Es geht hierbei nicht um eine Reduktion oder Vergrämung von örtlichen Kolonien, denn Schäden auf Feldern sind nicht abhängig von Koloniegrößen. Die Frage ist vielmehr, ob die Maßnahmen geeignet sind, landwirtschaftliche Schäden zu reduzieren oder zu vermeiden, indem Saatkrähen in der kritischen Phase der Aussaat und des Aufwachsens junger Pflanzen von diesen Flächen vertrieben werden, hin zu Flächen, auf denen sie keinen Schaden verursachen. Dies können beispielsweise Grünland oder frisch umgebrochene Äcker sein.

Die Wirksamkeit von Vergrämungsmaßnahmen wird durch die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wissenschaftlich untersucht, um Saatkrähen möglichst nachhaltig von den Feldern, die sie schädigen, vergrämen zu können. Dazu werden Schäden auf Feldstücken ohne Vergrämungsmaßnahmen mit Schäden auf Feldstücken mit einzelnen Vergrämungsmaßnahmen und Schäden auf Feldstücken mit Kombinationen von Vergrämungsmaßnahmen verglichen. Unter Berücksichtigung der Nähe der Flächen zur Kolonie, des Fraßdrucks und anderer Einflussfaktoren wird die Wirksamkeit der Vergrämungsmaßnahmen evaluiert. Die letale Entnahme im Modul landwirtschaftliche Schäden beinhaltet den Einzelabschuss von nicht brütenden Saatkrähen (vorjährige Jungvögel und adulte außerhalb der Brutzeit) zur Vergrämung von der Schadfläche. Im Projekt werden Gemüseanbauflächen, Sonderkulturen und Maisanbau einbezogen.

Bisher erfolgte in Abstimmung mit den Regierungen von Schwaben, Oberbayern und Niederbayern, unteren Naturschutzbehörden und Verbänden die entsprechende Konzeptentwicklung. Es wurden Projektinformationsveranstaltungen in den Regionen durchgeführt und Vertreter aus Landwirtschaft und Jagd bei der Konzepterstellung einbezogen. Zudem erfolgten die rechtlichen Vorbereitungen mit artenschutzrechtlichen Ausnahmen für den Saatkrähenabschuss und Schonzeitaufhebung für den Rabenkrähenabschuss auf den Projektflächen. Schonzeitaufhebungen für nicht brütende, in Schwärmen auftretende Rabenkrähen waren wichtig, da die Unterscheidung junger Saat- und Rabenkrähen schwierig und daher eine rechtliche Absicherung der Jäger sinnvoll ist.

Die Umsetzung des Konzeptes auf den Flächen im Rahmen des Pilotprojektes lief zwischen April und November 2025 und wird im Frühjahr 2026 fortgesetzt.

In den Pilotregionen Erding und Bäumenheim wurden 2025 aufgrund des günstigen Witterungsverlaufs kaum Schäden gemeldet. Durch dieses Ausbleiben der Schäden konnte dort nur ein Teil des geplanten Flächenumfangs untersucht werden.

In der Pilotregion Straubing traten mehr Schäden an Feldfrüchten auf. Die Auswertung der Wirksamkeit verschiedener Maßnahmen zur Schadensreduktion steht noch aus.

Letale Vergrämung durch Abschuss stellte sich durch die hohe zeitliche und räumliche Variabilität im Verhalten der Saatkrähen als zeitintensiv und echte Herausforderung für die Jäger dar. Durch den intensiven Einsatz einzelner Jäger in Straubing wurden dennoch dreizehn Saatkrähen auf den Äckern des Untersuchungsgebiets erlegt.

Modul 3: Anthropogene Nahrungsquellen

(Pilotregionen Bäumenheim, Erding, Straubing, Dachau, Bad Aibling)

In diesem Modul geht es darum zu untersuchen, welchen Einfluss menschliche Nahrungsquellen wie offene Kompostieranlagen und Fahrsilos auf die Nahrungsversorgung der Krähen haben. Gerade zu Zeiten von natürlicher Nahrungsknappheit können zusätzliche Nahrungsquellen ein beschleunigtes Populationswachstum begünstigen.

In Straubing konnten an einer Kompostanlage in ca. 8 km Entfernung zur Hauptkolonie während der Jungenaufzuchtzeit der Saatkrähe bis zu 400 Anflüge pro Stunde dokumentiert werden.

In Erding konnten an einer Kompostanlage in 9 km Entfernung 4000 bis 5000 Nahrungsflüge pro Tag während der Jungenaufzucht dokumentiert werden.

Bei Bäumenheim ist eine solche Anlagen in nur einen Kilometer Entfernung zur Kolonie gelegen. Nach baulichen Maßnahmen an der Kompostanlage bei Bäumenheim hat sich hier die Nutzungsintensität durch Saatkrähen reduziert. Bäumenheim ist die einzige der fünf Pilotregionen, in welcher die Saatkrähenanzahl in den letzten vier Jahren nicht konstant anstieg, sondern auf hohem Niveau leicht auf und ab schwankte.

In der Nähe von Bad Aibling und in der Nähe von Dachau gibt es je eine Kompostanlage. Die Nutzung dieser Anlagen durch Saatkrähen während der Brut- und Aufzuchtzeit soll im Jahr 2026 untersucht werden.