Naturschutz und Landwirtschaft


Als Skizze: Ein Berater und ein Landwirt sprechen miteinander, daneben stehen Rinder und ein Traktor. Landwirtschaft hat bis heute einen großen Einfluss darauf wie sich unsere Kulturlandschaft entwickelt. Sie ist für den Erhalt der Biodiversität unverzichtbar. Um die verschiedenen Raumansprüche von Naturschutz und Landwirtschaft in Einklang zu bringen, braucht es ein starkes Miteinander; Grafik: Josephine Jedicke

In Bayern werden knapp drei Millionen Hektar (ha) landwirtschaftliche Flächen von rund 84.600 Betrieben bewirtschaftet. Circa 2/3 der Fläche ist Ackerland und 1/3 Grünland. Damit werden knapp 44 % der bayerischen Landesfläche landwirtschaftlich genutzt. Die Struktur der bayerischen Betriebe ist dabei sehr heterogen, die durchschnittliche Betriebsgröße liegt in Bayern bei 36 ha. Die Entwicklung unserer Kulturlandschaft geht auf die Jungsteinzeit zurück, als der Mensch begann sesshaft zu werden und Wildtiere und -pflanzen domestizierte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine Vielfalt an Kulturpflanzen, Nutztieren, Lebensräumen und angepassten wildlebenden Organismen. Landwirte sind daher nicht nur Lebensmittelproduzenten, sondern auch Lebensraumgestalter für viele Tier- und Pflanzenarten. Damit hat die Landwirtschaft bis heute einen großen Einfluss darauf, wie sich unsere Kulturlandschaft entwickelt und ist für den Erhalt der Biodiversität unverzichtbar.

Ökosystemleistungen

Die Ökosystemleistungen lassen sich in vier Bereiche unterteilen: unterstützende, bereitstellende, regulierende und kulturelle Leistungen. Ökosystemleistungen sind lebensnotwendige Dienstleistungen der Natur; Grafik: Josephine Jedicke

Saubere Luft und sauberes Wasser, lebendige, fruchtbare Böden, aber auch Bestäuber und Nützlinge sorgen dafür, dass natürliche Prozesse in Balance bleiben. Um lebenswichtige Dienstleistungen der Natur zu sichern, die sogenannten Ökosystemleistungen, sind Gesellschaft und Landwirtschaft darauf angewiesen, natürliche Ressourcen und biologische Vielfalt zu bewahren. Beide benötigen und profitieren gleichermaßen von funktionierenden Ökosystemen. Die Grundlage für das eigene Überleben bedeutet für Landwirtschaft und Gesellschaft die Biodiversität zu erhalten und zu fördern.

Agrarlandschaft als Lebensraum

Ein schwarz-weißer Kiebitz steht auf einer feuchten Fläche. Kiebitze brüten in Bayern in der Regel zwischen März und Juni/Juli. Sie bevorzugen offene und feuchte Grünland- sowie Ackerstandorte mit niedriger und lückiger Vegetation; Foto: Stefan Ott

Für eine Vielzahl verschiedener Tiere sind Acker, Weide und Wiese Lebensraum, an den sie ihre ganz eigenen Ansprüche stellen und den die Landwirtschaft beeinflusst.

Typische Arten der Agrarflur sind beispielsweise:

Justus von Liebig beschrieb mit seinem "Liebigschen Fass" bereits im 19. Jahrhundert wie das Pflanzenwachstum durch limitierte Ressourcen beschränkt wird. Dieses "Minimumgesetz" ist auch auf die Wirksamkeit von Naturschutzmaßnahmen in der Agrarlandschaft übertragbar. Organismen können sich nur soweit entwickeln wie es die knappste Ressource erlaubt, das heißt der jeweilige Minimumfaktor bestimmt die Populationsentwicklung der jeweiligen Art.

Ein bekanntes Beispiel einer Art, die von den Veränderungen seines Lebensraums bedroht ist, ist der einst häufige Feldhamster. Er ist vom Aussterben bedroht.

Feldhamster im Stoppelfeld Der Feldhamster befindet sich in der Regel von September/Oktober bis April/Mai im Winterschlaf, er braucht trockenes und warmes Klima und besiedelt Acker- und Brachflächen mit gut grabbaren, ausreichend tiefgründigen und trockenen Böden, ideal sind Lösslehmböden; Foto: Dr. Kamp

Ackerwildkräuter

Blüten des Ackerrittersporns Der Ackerrittersporn (Consolida regalis) gehört zu den bekanntesten, gefährdeten Ackerwildkrautarten, er hat in Bayern den Rote Liste Status 3; Foto: Anna-Carina Witzel

Etwa 350 Arten von Blütenpflanzen werden heute zu der mitteleuropäischen Ackerwildkrautflora gezählt. In Bayern gehören zu den bekanntesten Ackerwildkrautarten beispielsweise der Ackerrittersporn (lat. Consolida regalis), das Sommer-Adonisröschen (lat. Adonis aestivalis), die Echte Kamille (lat. Matricaria recutita) und der Klatschmohn (lat. Papaver rhoea). Ackerwildkräuter tragen entscheidend zur biologischen Vielfalt bei, sie dienen beispielswiese blütenbesuchenden Insekten als Pollen- und Nektarquelle. Die Ackerwildkrautflora ist jedoch in den letzten Jahrzehnten, vor allem durch die Intensivierung der Landbewirtschaftung und dem Aspekt der fehlenden Artenkenntnis, stark zurückgegangen. Ackerwildkräuter sind eine Artengruppe, bei denen der Anteil gefährdeter Pflanzenarten besonders hoch ist, rund ein Drittel der typischen Ackerwildkräuter steht auf der Roten Liste. Durch den Ackerwildkrautschutz werden nicht nur seltene und gefährdete Arten gefördert, sondern auch das Landschaftsbild positiv aufgewertet und zahlreichen Tierarten eine weitere Nahrungsquelle geboten.

Die Rolle der Beweidung im Naturschutz

Schafe grasen auf einer Weidefläche. Extensive Beweidung einer naturschutzrelevanten Fläche mit Schafen; Foto: Uschi Euler

Weidetiere gestalten die Landschaft und schaffen durch ihren Biss und Tritt offene Strukturen sowie vielfältige Lebensräume für zahlreiche, auch bedrohte, Tier- und Pflanzenarten. Beweidung dient damit nicht nur der landwirtschaftlichen Produktion, sondern ist auch eine Methode, naturschutzfachliche Ziele umzusetzen. Je nach Naturschutzziel kommt eine andere Beweidungsformen in Frage. Manche Pflanzenarten werden durch einen kurzen, aber intensiven Weidetiereinsatz auf der Fläche gefördert, auf anderen Arealen geht es darum, Gehölzaufwuchs und die natürliche Sukzession zu verhindern. Selbst der Kot von Weidetieren bietet bestimmten Insekten Nahrung. Extensive Beweidung hinterlässt wichtige Strukturen wie Totholz, überständige Vegetation, Gehölzinseln oder Trittstellen. Neben der Biodiversität auf den Flächen fördert eine angepasste Beweidung auch den Biotopverbund.

Förderprogramme unterstützen die Landwirtschaft

Eine Streuwiese in einer Gebirgsregion. Streuwiese in der Landschaft; Foto: Richard Schöttner

Agrarumweltprogramme bieten Landbewirtschaftenden die Möglichkeit ihre Flächen umweltschonend und damit im Sinne der Artenvielfalt zu bewirtschaften, extensive Nutzungsformen wie die Streuwiesenpflege fördern nachhaltig den Erhalt der Artenvielfalt auf der Fläche.

Zwischen Landwirtschaft und Naturschutz besteht in der Agrarlandschaft ein untrennbares Band. Landwirtschaftliche Flächen stellen immer sowohl Produktionsraum als auch Lebensraum dar. Um die verschiedenen Raumansprüche von Naturschutz und Landwirtschaft bestmöglich in Einklang zu bringen, braucht es Freiwilligkeit, aber auch gute Rahmenbedingungen sowie Förderprogramme und eine enge Zusammenarbeit.


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