Projekte

Um das hohe Versorgungsniveau in Bayern auch künftig, insbesondere im Hinblick auf die aktuell anstehenden Herausforderungen wie beispielsweise dem Klimawandel und der demografischen Entwicklung, zu erhalten, sind fortwährend Anstrengungen der Wasserversorgungsunternehmen erforderlich. Aber auch die bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung ist hier mit verschiedenen Projekten und Untersuchungen tätig.

Wasserversorgungsbilanzen

Im Projekt "Erhebung und Bewertung der öffentlichen Wasserversorgung in Bayern" wurden durch die 17 bayerischen Wasserwirtschaftsämter insgesamt mehr als 3.500 Wasserversorgungsanlagen hinsichtlich ihrer Versorgungssicherheit bewertet. Dabei berücksichtigte man auch mögliche künftige Veränderungen des Wasserdargebots aufgrund des Klimawandels. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden in Form von Wasserversorgungsbilanzen in jedem Regierungsbezirk veröffentlicht. Somit liegt eine flächendeckende Bewertung der öffentlichen Wasserversorgung für Bayern vor.

Benchmarking

Die "Effizienz- und Qualitätsuntersuchung der kommunalen Wasserversorgung in Bayern" (EffWB) ist seit dem Jahr 2001 ein elementarer Bestandteil der Modernisierungsstrategie der Bayerischen Wasserversorgung. Damit nahm der Freistaat Bayern seit Beginn dieser freiwilligen Initiativen des "Lernens vom Besten" durch Benchmarking in der deutschen Wasserwirtschaft eine Vorreiterrolle ein.

Das Benchmarking-Landesprojekt wird neben dem Landesamt für Umwelt auch durch den Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) getragen und seitens des Bayerischen Gemeindetages, des Bayerischen Städtetages, der Landesgruppe Bayern des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), der Landesgruppe Bayern im Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU) sowie des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz unterstützt. Als Dienstleister fungiert von Anfang an die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Rödl & Partner mit Sitz in Nürnberg.

Die EffWB-Untersuchung findet seit 2001 in regelmäßigen Projektrunden statt, die sich in Hauptrunden (alle drei Jahre) und Zwischenrunden gliedern.

5-Säulen-Modell

Das Landesprojekt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz zur Beurteilung der Leistungen bayerischer Wasserversorgungsunternehmen. Dabei werden Aspekte der Versorgungssicherheit und -qualität ebenso auf Kennzahlenebene miteinander verglichen wie Kennzahlen zur Nachhaltigkeit, zum Kundenservice und zur Wirtschaftlichkeit der Versorgung ("5-Säulen-Modell").

Fünf Säulen des Benchmarkings (6 Kreise mit Text) - mittig: Leistungsfähigkeit; darum herum: Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit, Versorgungsqualität, Effizienz und Kundenservice. Darstellung der "fünf Säulen des Benchmarkings"

Wenngleich dieser ganzheitliche Ansatz unverändert fundamental im Landesprojekt verankert ist, wird der Inhalt der Datenerhebung und -auswertung immer wieder – wo sinnvoll – an aktuelle Gegebenheiten, Herausforderungen und insbesondere an die Wünsche und Anregungen der teilnehmenden Wasserversorgungsunternehmen angepasst.

Basis- oder Vertiefungsmodul

Zu den Weiterentwicklungen zählt beispielsweise die Einführung des sog. Basismoduls im Jahr 2007, welches sich mit einem verringerten Fragenumfang (ca. 100 Einzelfragen, Erhebungsaufwand ca. 1 bis 2 Tage) insbesondere an kleinere WVU richtet. Daneben steht den Teilnehmern weiterhin das Vertiefungsmodul mit einem vergleichsweise detaillierten Fragebogen (ca. 400 Einzelfragen, ca. 90 Kennzahlen) zur Verfügung.

DVGW-Hauptkennzahlensystem

Seit dem Jahr 2016 können EffWB-Teilnehmer zusätzlich ausgewählte Kennzahlen (basierend auf ca. 25 weiteren Einzelfragen) des DVGW-Hauptkennzahlensystems (DVGW-Merkblatt W 1100-2 (M): "Definitionen von Hauptkennzahlen für die Wasserversorgung") auswerten lassen. Damit ist einerseits ein besserer Vergleich mit Unternehmen aus anderen Bundesländern möglich. Anderseits wird mit diesen bundesweit einheitlichen "Branchenkennzahlen" den Anforderungen von Politik und Öffentlichkeit nach mehr Transparenz der Wasserbranche noch besser Rechnung getragen werden, auch vor dem Hintergrund der immer wieder aufkommenden Diskussionen um die Liberalisierung des Wassermarktes.

Ergebnis/Bericht

Jeder Wasserversorger erhält nach erfolgreicher Teilnahme eine umfangreiche Individualauswertung mit:

  • Zusammenfassung und textliche Erläuterung der Kennzahlenergebnisse in den einzelnen Bereichen der Leistungserstellung (Gruppenvergleich und Zeitreihe)
  • Auswertung – in Form eines "Spinnennetzes" – der strukturellen Besonderheiten, d.h. sachgerechte Beurteilung der Kosten unter Berücksichtigung der örtlichen Strukturen
  • Grafische Darstellung der verschiedenen Kennzahlen
  • Darstellung von Handlungsfeldern und Optimierungspotentialen.

Zusätzlich können die Wasserversorgungsunternehmen ihre Erfahrungen und Erkenntnisse in Erfahrungsaustauschrunden mit anderen Teilnehmern vertiefen und eigene individuelle Online-Auswertungen erstellen.

In den dreijährig stattfindenden Hauptrunden wird zusätzlich ein zusammenfassender und anonymisierter Abschlussbericht erstellt und im Rahmen einer Abschlussveranstaltung der breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Landeserklärung

Erstmalig haben sich die beiden zuständigen Staatsministerien (Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege), die o.g. kommunalen Spitzenverbände und die Landesorganisationen der wasserwirtschaftlichen Fachverbände zusammengeschlossen, um mit einer Landeserklärung gemeinsam für eine hohe Teilnahme an den bayerischen Benchmarking-Projekten zu werben. Nach einer Vorgabe der Umweltministerkonferenz aus dem Jahr 2015 sollen 80% der Wasserabgabe bzw. der an die öffentliche Abwasserbehandlung angeschlossenen Einwohner eines Bundeslandes durch Benchmarking-Aktivitäten abgedeckt werden.

Staatliche Förderung

Der Freistaat Bayern fördert weiterhin kleine und mittlere Wasserversoger mit einer Netzabgabe bis zu 1 Mio. m3/Jahr einmalig mit 750€. Dabei zeigt die hohe Wiederholer-Quote der mehrfach teilnehmenden WVU von rund 78%, dass diese vom Nutzen für ihr Unternehmen überzeugt sind ("Wer einmal teilnimmt, bleibt dem Projekt treu.").

Teilnehmerquote/Ziele

Anmerkung zu nachfolgender Tabelle und Grafik (Anteil EffWB-Teilnehmer): Teilnehmer über alle Projektrunden seit Beginn der EffWB (Wiederholer einfach gezählt).

Gesamtanzahl der WVU Bayern (UStat 2016) und Teilnehmer EffWB aktuell
Wasserabgabe Gesamtanzahl WVU Teilnehmer EffWB aktuell
< 0,1 Mio m3 896 13
< 0,5 Mio m3 955 118
< 1,0 Mio m3 201 74
< 3,0 Mio m3 142 80
≥ 3,0 Mio m3 38 29
Summe 2.232 314
Balkendiagramm mit Teilnehmern an EffWB in %, bezogen auf die Wasserversorger nach Größenklassen in Mio qm/jahr: < 0,1, 1%; < 0,5, 12%; < 1,0, 37%; < 3,0, 56%; >= 3,0, 76%; Summe 14% Teilnehmerstruktur Effizienz- und Qualitätsuntersuchung EffWB

Seit dem Projektstart haben bisher insgesamt lediglich 314 bayerische Wasserversorger von insgesamt 2.232 Unternehmen in Bayern zumindest einmal am Benchmarking EffWB teilgenommen. So muss es weiterhin das Ziel der gesamten bayerischen Wasserwirtschaft sein, die Teilnehmerzahl zukünftiger Projektrunden noch deutlich zu erhöhen. Für die Zukunftsfähigkeit eines Wasserversorgungsunternehmens ist die Teilnahme an einem Benchmarking-Projekt unabdingbar. Nur durch den Nachweis einer sicheren, effizienten und nachhaltigen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung gelingt die Rechtfertigung dafür, dass diese Aufgaben der Daseinsvorsorge auch zukünftig in kommunaler Hand bleiben.