Projekte

Um das hohe Versorgungsniveau in Bayern auch künftig, insbesondere im Hinblick auf die aktuell anstehenden Herausforderungen wie beispielsweise dem Klimawandel und der demografischen Entwicklung, zu erhalten, sind fortwährend Anstrengungen der Wasserversorgungsunternehmen erforderlich. Aber auch die bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung ist hier mit verschiedenen Projekten und Untersuchungen tätig.

Wasserversorgungsbilanzen

Im Projekt "Erhebung und Bewertung der öffentlichen Wasserversorgung in Bayern" wurden durch die 17 bayerischen Wasserwirtschaftsämter insgesamt mehr als 3.500 Wasserversorgungsanlagen hinsichtlich ihrer Versorgungssicherheit bewertet. Dabei berücksichtigte man auch mögliche künftige Veränderungen des Wasserdargebots aufgrund des Klimawandels. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden in Form von Wasserversorgungsbilanzen in jedem Regierungsbezirk veröffentlicht. Somit liegt eine flächendeckende Bewertung der öffentlichen Wasserversorgung für Bayern vor.

Benchmarking

Benchmarking (sinngemäß übersetzt "Maßstäbe setzen") dient dazu, die Schwächen eines Wasserversorgungsunternehmens im Vergleich mit anderen aufzudecken und ausgehend von der Positionsbestimmung und Optimierung von Einzelprozessen die Leistungsfähigkeit zu verbessern. Der Benchmarking-Prozess trägt somit zur Stärkung der in kommunaler Hand liegenden öffentlichen Wasserversorgung in Bayern mit ihrer dezentralen Struktur bei, auch vor dem Hintergrund der immer wieder aufkommenden Diskussion um die Liberalisierung des Wassermarktes sowie der andauernden Wasserpreisdiskussionen.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner führte im Auftrag des Verbandes der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (VBEW), des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) Landesgruppe Bayern, des Bayer. Städtetags, des Bayer. Gemeindetags und der bayer. Wasserwirtschaftsverwaltung in mittlerweile fünf Hauptrunden (auf Grundlage der Daten der Jahre 2000, 2003, 2006 und 2009 und 2012) die freiwillige Effizienz- und Qualitätsuntersuchung der kommunalen Wasserversorgung in Bayern (EffWB) durch. Die Untersuchung findet in Anlehnung an das international anerkannte Kennzahlensystem der International Water Association (IWA) statt. In den verschiedenen Hauptrunden werden zusätzlich aktuelle Fragenkomplexe aufgenommen; in der 5. Bayerischen Hauptrunde wurde beispielsweise das Thema Energieeffizienz als Zusatzmodul angeboten.

Bayern war mit dem im Jahr 2000 gestarteten Projekt Vorreiter für Leistungsvergleiche von Wasserversorgungsunternehmen, die anderen Bundesländer zogen in der Zwischenzeit nach und lassen ihre Versorger ebenfalls untersuchen. Benchmarking ist auch ein Kernelement der nationalen Modernisierungsstrategie der deutschen Wasserwirtschaft, für die von der Bundesregierung im März 2006 ein entsprechender Bericht (siehe auch BT-Drucksache 16/1094) vorgelegt wurde. Um insbesondere eine deutlich zahlreichere Beteiligung der kleineren Versorger zu erreichen, wird das EffWB-Benchmarking seit dem Jahr 2007 in unterschiedlichen "Erhebungstiefen" angeboten. Wasserversorgungsunternehmen können nun zwischen dem Einstiegsmodul – bei deutlich verringertem Erhebungsaufwand für lediglich die "wichtigsten" Kennzahlen – und dem seit Projektbeginn bestehenden Vertiefungsmodul wählen. Ebenfalls zur Steigerung der Teilnehmerzahl erfolgt seit der 4. Projektrunde eine direkte Förderung kleiner Wasserversorger mit einer Netzeinspeisung von aktuell bis zu 1,0 Mio. m3/a durch den Freistaat Bayern pauschal mit 500,- Euro.

Die Ergebnisse der 5. Runde EffWB bestätigen erneut das hohe Niveau der Versorgung sowie die Leistungsfähigkeit der teilnehmenden Unternehmen, bei gleichzeitig insgesamt günstigen Wasserpreisen. Danach zahlt ein privater Haushalt im Freistaat jährlich rd. 161 Euro für sein Trinkwasser (Kosten in Euro pro Jahr bei Bezug von 80 m3 Trinkwasser inklusive haushaltsüblicher Grundgebühr), wohingegen im Bundesvergleich hierfür 206 Euro anfallen (Datenquelle: Statistisches Bundesamt 2013). Auch im Bereich der Kundenzufriedenheit erzielten die Unternehmen gute Ergebnisse.

Bei der Substanzerhaltung der technischen Anlagen zeigt sich ein differenziertes Bild. Zwar kann bei einem Großteil der Teilnehmer erneut eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserversorgungssysteme festgestellt werden, dagegen sind bei einem Teil der Unternehmen Defizite insbesondere in den Bereichen Sanierung und Erneuerung erkennbar. Um die Anlagen nicht "abzuwirtschaften" ist hier künftig ein erhöhter Investitionsbedarf mit ggf. nötiger Anpassung der Wasserpreise erforderlich.

Tabelle und Balkendiagramm mit Teilnehmern an EffWB, bezogen auf die Wasserversorger nach Größenklassen, Teilnahme an EffWB in Zahlen und Prozent. Je größer das Wasseraufkommen der Wasserversorger, desto größer ist die Teilnahme. Bild vergrößern Teilnehmerstruktur Effizienz- und Qualitätsuntersuchung EffWB

Trotz aller vorweisbaren Erfolge gelang es aufgrund der noch immer zu geringen und in der 5. Hauptrunde sogar rückläufigen Teilnehmerzahl bisher nicht, die Mehrzahl der bayerischen Wasserversorger vom Nutzen dieses Projektes für ihr eigenes Unternehmen, aber auch von dessen genereller Bedeutung für die gesamte Branche zu überzeugen. Dabei zeigt die hohe Wiederholer-Quote der mehrfach teilnehmenden WVU von rd. 78%, dass diese vom Nutzen des Projekts überzeugt sind. Seit dem Projektstart haben bisher insgesamt rd. 260 bayerische Wasserversorger von insgesamt 2.261 Unternehmen in Bayern mindestens einmal am Benchmarking EffWB teilgenommen. So muss es weiterhin das Ziel der gesamten bayerischen Wasserwirtschaft sein, die Teilnehmerzahl zukünftiger Projektrunden noch deutlich zu erhöhen. Für die Zukunftsfähigkeit eines Wasserversorgungsunternehmens ist die Teilnahme an einem Benchmarking-Projekt unabdingbar.