Gewässermorphologie

Die Gestalt der Flüsse, die Ausformung der Flussbetten und die Zusammensetzung des Materials von Gewässersohle und Aue unterliegen ständig natürlichen und anthropogen bedingten Veränderungen. Sie sind durch Transportvorgänge des fließenden Wassers, die Verfrachtung von Feststoffen (Schwebstoff und Geschiebe) sowie durch Einflüsse des geologischen Untergrunds, des Reliefs, des Klimas und der Vegetation geprägt. Das Längsprofil eines Flusses kann grundsätzlich in einen Oberlauf, Mittellauf und Unterlauf gegliedert werden. Während im steilen Oberlauf die Erosion überwiegt, befindet sich der Mittellauf im Wesentlichen in einer dynamischen Gleichgewichtslage. Im flachen Unterlauf dominiert die Akkumulation.

Bayernkarte mit Fließgewässern, in der die Vorranggewässer für Sanierungsmaßnahmen in zwei Kategorien rot (Klasse 1) und gelb (Klasse 2) hervorgehoben sind. Diese befinden sich in Südbayern. Fließgewässer in Bayern mit erheblich gestörtem Feststoffhaushalt

Seit etwa zwei Jahrhunderten bestimmen anthropogene Eingriffe wie Laufverlegungen, Begradigung, Längs- und Querverbauungen das Erscheinungsbild der Fließgewässer. Diese Eingriffe in Grundriss, Längs- und Querschnitt eines Flusses beeinflussen das Abflussgeschehen und den Feststofftransport. Das dynamische morphologische Gleichgewicht eines Fließgewässers wird gestört, und es kommt zu erheblichen Veränderungen. Typische Erscheinungsformen eines gestörten Systems sind massive Sohleintiefungen in freien Fließstrecken oder Auflandungen in Stauräumen und strömungsberuhigten Abschnitten. Mit entsprechenden Sanierungsmaßnahmen wird heute versucht, die Situation zu verbessern. Die nachfolgende Abbildung zeigt Flüsse in Bayern mit stark gestörtem Feststoffhaushalt, die als Vorranggewässer für Sanierungsmaßnahmen kategorisiert werden.

Zur Dokumentation der gewässermorphologischen Situation werden folgende Parameter der Fließgewässer regelmäßig erfasst:

Zum Geschiebetransport der Flüsse in Bayern liegen in der Regel keine Messdaten vor. Die Geschiebefracht kann jedoch abgeleitet werden aus der Bilanzierung von Querprofilveränderungen unter Berücksichtigung von Geschiebeentnahmen und –zugaben sowie ggf. dem Abrieb. Die zur Verfügung stehenden Messverfahren (zum Beispiel Geschiebefänger, Geophone) liefern entweder lediglich an kleineren Gewässern repräsentative Ergebnisse oder stehen in einem ungünstigen Verhältnis zum hohen Aufwand. Vereinzelt werden Messkampagnen an der Donau von der Bundeswasserstraßenverwaltung durchgeführt.

Kiesiges Gewässerbett im Lech Gewässersohle des Lechs südlich von Augsburg mit unterschiedlichem Material in Deckschicht und Innenschicht

Feststoffentnahmen, -zugaben und -umlagerungen aus bzw. in Fließgewässern sind beim jeweils zuständigen Wasserwirtschaftsamt meldepflichtig und werden am LfU zentral dokumentiert.

Für morphologische Studien an einzelnen Gewässern wird die Gewässersohle nach Korngrößenzusammensetzung und Schichtenaufbau analysiert.

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