Strahlentherapie mit Radionukliden und Beschleunigern

Neben dem Einsatz für diagnostische Zwecke werden Radionuklide auch in der Therapie zur Zerstörung von wuchernden, meist bösartigen, Tumorzellen oder von solchen Zellen, die z.B. in Gelenken eine chronische Entzündung unterhalten, eingesetzt.

Grundsätzlich können bestimmte Zellen und Gewebe im Körper auf drei Wegen vernichtet werden:

  • durch chirurgische Entfernung des die Zellen enthaltenden Gewebes
  • durch Behandlung mit solchen Medikamenten, die Zellen abtöten, so genannte Zytostatika, und
  • durch ionisierende Strahlung, wobei das zu behandelnde Gewebe entweder von außen oder durch die Einschleusung von Radionukliden in das betroffene Gebiet bestrahlt wird.

Verglichen mit der Diagnostik ist das Spektrum der nuklearmedizinischen Therapie noch relativ klein. Am bekanntesten ist die Behandlung von gut- und bösartigen Schilddrüsenerkrankungen mit Radiojod, die in Deutschland seit mehr als 40 Jahren mit großem Erfolg betrieben wird. Mit ihr lässt sich ein Teil der Schilddrüsenzellen so in ihrer Teilungsfähigkeit beeinflussen oder abtöten, dass der gewünschte Therapieeffekt eintritt. So kann man mit Radiojod eine Schilddrüsenüberfunktion korrigieren, einen Kropf verkleinern oder gut- und bösartige Schilddrüsentumore beseitigen, was vor allem bei älteren Patienten mit eingeschränkter oder nicht mehr gegebener Operationsfähigkeit von Vorteil ist. In den letzten Jahren haben auch palliative Therapien an Bedeutung gewonnen, wie z.B. die Schmerzbehandlung mit Radium 223 bei Knochenmetastasen oder die Behandlung von Lebermetastasen mit Yttrium 90.

Andere Radionuklide verwendet man zur Therapie einer chronisch entzündeten Gelenkinnenhaut bei rheumatischen Erkrankungen sowie bei der Immuntherapie.

Auch für die sogenannte intrakavitäre Strahlentherapie mit umschlossenen radioaktiven Stoffen, die z.B. für die Behandlung von bösartigen Erkrankungen der Gebärmutter eingesetzt wird, sind im Laufe der Jahre wesentliche technische Verbesserungen erzielt geworden. So werden heute hierfür nur noch Afterloading-Geräte eingesetzt, die zu einer nur noch minimalen Strahlenexposition des Bedienpersonals führen.

Die perkutane (perkutan = durch die Haut, d.h. von außen) Strahlentherapie mit Isotopen wie z.B. die Telekobalttherapie (mit Kobalt 60) und Telecäsiumtherapie (mit Cäsium 137) , die über viele Jahrzehnte verwendet wurde, ist seit den 80er Jahren nahezu vollständig durch Therapie mit Linearbeschleunigern abgelöst worden, die neben Photonen auch Elektronenstrahlung für die Strahlenbehandlung liefern. Der Verzicht auf radioaktive Quellen bietet eine Reihe von Vorteilen, z.B. fallen bestimmte Anforderungen an Brand- und Diebstahlschutz weg. Ständige Optimierung der technischen Ausstattung dieser Geräte (z.B. Multi-Leaf-Kollimatoren), der Bestrahlungstechniken (3D-konformal, IMRT, VMAT, etc.) sowie der Bestrahlungsplanung führen dabei zu einem sich ständig verbessernden Niveau der Schonung gesunden Gewebes außerhalb des zu bestrahlenden Zielvolumens. Dies ist besonders bei sog. Risikoorganen (z.B. Rückenmark, rotes Knochenmark, Lunge) von Bedeutung.