Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Bachmuschel (Unio crassus (Gesamtart))

Rote Liste Bayern: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Vom Aussterben bedroht
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Die Bachmuschel ist in Mitteleuropa weit verbreitet und erreicht im Osten den Ural und Mesopotamien.

In Bayern war diese Art einst sehr häufig, die meisten Vorkommen sind heute erloschen. Oft existieren nur noch Restvorkommen, die sich nicht mehr fortpflanzen können, weil sie entweder zu alt sind oder weil die kritische Populationsdichte (s. u.) unterschritten ist. Eine Häufung von aktuellen Vorkommen zeigt sich in Schwaben und im oberbayerischen Donaumoos.

Fundortkarte

Bachmuschel (Unio crassus (Gesamtart))

Nachweise ab 1990



Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1990

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5527 Mellrichstadt
5628 Bad Königshofen i.Grabfeld
5630 Bad Rodach
5638 Triebel (Vogtland)
5726 Bad Kissingen Nord
5727 Münnerstadt
5730 Heldburg
5733 Kronach
5824 Gräfendorf
5825 Hammelburg
5830 Pfarrweisach
5831 Seßlach
5931 Ebensfeld
5935 Marktschorgast
5939 Waldsassen
6020 Aschaffenburg
6031 Bamberg Nord
6034 Mistelgau
6035 Bayreuth
6036 Weidenberg
6133 Muggendorf
6134 Waischenfeld
6137 Kemnath
6139 Falkenberg
6228 Wiesentheid
6231 Adelsdorf
6232 Forchheim
6233 Ebermannstadt
6234 Pottenstein
6236 Eschenbach i.d.OPf.
6237 Grafenwöhr
6328 Scheinfeld
6331 Röttenbach
6336 Vilseck
6431 Herzogenaurach
6432 Erlangen Süd
6439 Tännesberg
6440 Moosbach
6529 Markt Erlbach
6530 Langenzenn
6532 Nürnberg
6539 Nabburg
6628 Leutershausen
6630 Heilsbronn
6638 Schwandorf
6639 Wackersdorf
6640 Neunburg vorm Wald
6643 Furth i.Wald
6738 Burglengenfeld
6739 Bruck i.d.OPf.
6833 Hilpoltstein
6837 Kallmünz
6838 Regenstauf
6931 Weißenburg i.Bay.
6932 Nennslingen
6933 Thalmässing
7029 Oettingen i.Bay.
7031 Treuchtlingen
7038 Bad Abbach
7040 Pfatter
7041 Münster
7128 Nördlingen
7129 Deiningen
7130 Wemding
7136 Neustadt a.d.Donau
7137 Abensberg
7138 Langquaid
7139 Aufhausen
7140 Geiselhöring
7143 Deggendorf
7228 Neresheim-Ost
7229 Bissingen
7230 Donauwörth
7231 Genderkingen
7232 Burgheim Nord
7233 Neuburg a.d.Donau
7234 Ingolstadt
7237 Siegenburg
7239 Mallersdorf
7242 Wallersdorf
7243 Plattling
7244 Osterhofen
7245 Schöllnach
7328 Wittislingen
7329 Höchstädt a.d.Donau
7332 Burgheim Süd
7333 Karlshuld
7334 Reichertshofen
7341 Dingolfing Ost
7342 Landau a.d.Isar
7346 Hutthurm
7429 Dillingen a.d.Donau Ost
7432 Pöttmes
7437 Bruckberg
7438 Landshut West
7439 Landshut Ost
7442 Arnstorf
7528 Burgau
7529 Zusmarshausen
7530 Gablingen
7532 Aichach
7533 Kühbach
7537 Moosburg a.d.Isar
7538 Buch a.Erlbach
7539 Geisenhausen
7540 Vilsbiburg
7541 Gangkofen
7542 Eggenfelden
7626 Ulm-Südost (Neu-Ulm)
7636 Freising Süd
7641 Neumarkt-Sankt Veit
7643 Tann
7726 Illertissen
7727 Buch
7732 Mammendorf
7733 Maisach
7738 Dorfen
7739 Schwindegg
7740 Ampfing
7741 Mühldorf a.Inn
7826 Kirchberg an der Iller
7827 Babenhausen
7830 Schwabmünchen
7833 Fürstenfeldbruck
7927 Amendingen
7928 Mindelheim
7932 Utting am Ammersee
7938 Steinhöring
7939 Wasserburg a.Inn
8027 Memmingen
8028 Markt Rettenbach
8032 Dießen a.Ammersee
8035 Sauerlach
8037 Glonn
8038 Rott a.Inn
8039 Bad Endorf
8040 Eggstätt
8041 Traunreut
8042 Waging a.See
8043 Laufen
8132 Weilheim i.OB
8133 Seeshaupt
8134 Königsdorf
8135 Sachsenkam
8139 Stephanskirchen
8228 Wildpoldsried
8229 Marktoberdorf
8232 Uffing a.Staffelsee
8233 Iffeldorf
8234 Penzberg
8324 Wangen im Allgäu West
8329 Nesselwang Ost
Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

Lebensraum und Lebensweise

Die Bachmuschel besiedelt saubere, aber eher nährstoffreichere Bäche und Flüsse mit mäßig strömendem Wasser und sandig-kiesigem Substrat. Sie ernährt sich von feinen und feinsten organischen Teilchen, die sie mit Hilfe ihrer Kiemen ausfiltert. Bevorzugt wird eine Gewässergüte um Güteklasse II und geringe Nitratbelastung.

Für eine erfolgreiche Fortpflanzung ist die getrenntgeschlechtliche Bachmuschel auf bestimmte Fischarten, die als Wirtsfische dienen, angewiesen. Die Bachmuschel-Männchen geben ihre Spermien ins freie Wasser ab. Die Spermien werden dann von den Bachmuschel-Weibchen mit dem Atemwasser aufgenommen und gelangen in die Mantelhöhle der Muschel, wo es zur Befruchtung kommt. Die befruchteten Eier gelangen in die Brutkammern an den äußeren Kiemen in denen sich die Eier innerhalb von 3-6 Wochen zu etwa 0,2mm große Larven (Glochidien) entwickeln. Wenn die Glochidien reif sind werden sie vom Weibchen ausgestoßen heften sich innerhalb von wenigen Tagen als Parasiten an die Kiemen der Wirtsfische. Gut geeignete Wirtsfischarten sind Döbel (Leuciscus cephalus), Elritze (Phoxinus phoxinus), Flussbarsch (Perca fluviatilis), Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus), Mühlkoppe (Cottus gobio) und Dreistachliger Stichling (Gasterosteus aculeatus). Während der parasitären Phase am Wirtsfisch entwickeln sich die Larven zu fertigen Jungmuscheln. Der Fisch wird dadurch normalerweise nicht geschädigt. Nach 2-6 Wochen fallen die Glochidien von den Kiemen ab und vergraben sich im Interstitial (Kieslückensystem) des Gewässergrunds, wo sie weiter wachsen. Die Jungmuscheln erscheinen dann nach einigen Jahren (ca. 1-3) an der Oberfläche des Bachbetts.

Für eine nachhaltige und selbsterhaltende Reproduktion bei einer Bachmuschelpopulation muss diese eine kritische Populationsdichte und Größe haben. Diese wird bei stark dezimierten Vorkommen häufig unterschritten wodurch sich die Fortpflanzungschancen der Muscheln erheblich verringern.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Die Ursachen für die enormen Bestandsverluste lagen im wesentlichen in der Gewässerverschmutzung, deren "Altlasten" bis heute in den Sedimenten nachwirken, in denen die Bachmuscheln leben, obwohl die Gewässergüte vielerorts deutlich verbessert werden konnte.

  • Eutrophierung bzw. Verschlechterung der Gewässergüte der Fließgewässer durch Einträge von Nährstoffen / Dünger (v.a. Nitrat, Phosphat), Pestiziden
  • Veränderung der Struktur und Morphologie der Fließgewässer durch Aus- und Verbaumaßnahmen (Verrohrungen, Querverbauungen mit Unterbrechung der Durchgängigkeit für Wirtsfische, Ufer- und Sohlbefestigungen, Sohlvertiefungen usw.) in Verbindung mit geänderten Strömungs-/Sedimentationsverhältnissen
  • intensive Grund- bzw. Sohlräumungen
  • Versauerung der Gewässer durch Nadelholz-Monokulturen im Einzugsbereich
  • Freizeitnutzung mit mechanischer Gefährdung durch Kanuten, Sportfischer usw.
  • Rückgang von autochthonen Wirtsfischarten durch falschen Fischbesatz, durch Verschlechterung des Gewässerzustandes
  • Veränderungen der Gewässersohle und Zusetzen des Interstitials durch Schwebstoffe und Sedimente (teilweise auch vor Biberdämmen!)
  • Verluste durch Bisamratten (Ondatra zibethica)

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Anlage von Pufferstreifen zum Schutz vor Einträgen von Schadstoffen und Sedimenten
  • extensive (insbesondere düngerarme) Bewirtschaftung im Einzugsgebiet
  • Verschluss bzw. Rückbau von Dränagen
  • Anlage von Gräben parallel zum Bachmuschelgewässer, um Dränagen abzufangen
  • Anlage von Absetzbecken / Sedimentfallen mit gesicherter, regelmäßiger Entnahme (auch seitlich als "Grabentaschen" möglich; Vorsicht vor zu starker Erwärmung des Wassers!)
  • Umstellung der Gewässerunterhaltung und -pflege auf bachmuschelschonende Räumungen (nur abschnittsweise mit Umsetzen sichtbarer Tiere)
  • Rückbau von Barrieren / Querverbauungen
  • Pflanzung von Ufergehölzen (sowohl zur Beschattung als auch zur Befestigung des Ufers)
  • Bisam-Bekämpfung, insbesondere Etablierung von Bisamfängern mit entsprechender Vergütung
  • Besatzmaßnahmen mit Wirtsfischen oder Aussetzen künstlich infizierter Fische

Ergänzende Informationen

Literatur

BAYERISCHES LANDESAMT FÜR UMWELTSCHUTZ (Hrsg.) (1995): Muscheln. - München, Text und Konzeption: ÖKON GmbH; 29 S.

http://www.fisch.wzw.tum.de/index.php?id=24

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