Heutiger Zustand

Der Krater

(leicht verändert nach HÜTTNER 1974, s. Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:500000, 4. Auflage, München 1996).

Der Krater ist bis etwa 750 m in die ehemalige jungtertiäre Landschaft eingetieft. Darunter ist das kristalline Grundgebirge bis mehrere Kilometer Tiefe in abnehmender Intensität zertrümmert und zerrüttet, aber praktisch noch im ursprünglichen Verband. Die Trümmermassen-Decke im Albvorland ist abgetragen, ebenso ein guter Teil der ehemals höher reichenden Seesedimente, vor allem der weichen Beckentone.

Die Gesteine

Schema der gegenseitigen Beziehungen der Impaktgesteine Bild vergrössern Schema der gegenseitigen Beziehungen der Impaktgesteine

Typisch für das Nördlinger Ries sind die sog. Impaktgesteine. Das sind die Gesteine, die durch den Einschlag (Impakt) des Ries-Meteoriten so umgeformt wurden, dass völlig neue Gesteinstypen entstanden. Man kann sie nach ihrer Zusammensetzung und dem Grad der Veränderung ihrer Ausgangsgesteine folgendermaßen einteilen:

Bunte Trümmermassen

Die Bunten Trümmermassen bestehen aus einem Gemenge aller im Kraterbereich ehemals vorhandener Gesteine (Kristallines Grundgebirge, Trias-Randfazies, Keuper, Lias, Dogger, Malm, teilweise Oberkreide, verschiedene Tertiärstufen bis ins Mittelmiozän). Die Größe der Partikel reicht von feinem Gesteinsstaub bis zu zwar zerrütteten und deformierten, aber doch einigermaßen im Verband gebliebenen Komplexen in der Größenordnung von 1km Durchmesser.
Bei der geologischen Kartierung wurden einheitliche Komplexe (sofern sie hinreichend groß sind, um in dem gewählten Kartenmaßstab zur Darstellung kommen zu können) gemäß ihrer stratigraphischen Zugehörigkeit ausgeschieden und, da sie sich nicht mehr am ursprünglichen Bildungsort befinden, als dislozierte oder allochthone Schollen bezeichnet.
Die Mächtigkeit der bunten Trümmermassen außerhalb des Kraters liegt im Durchschnitt bei etwa 30 bis 50 m, kann aber auch nicht selten bis 80 m (in der Bohrung Monheim auch über 130 m) betragen. Die Komponenten der Bunten Trümmermassen stammen überwiegend aus dem sedimentären Deckgebirge und nur zu etwa 5 - 10% aus dem kristallinen Grundgebirge.

Bunte Brekzie

Das kleinerstückige Gemenge, das die Schollen meist umschließt, wird als Bunte Brekzie zusammengefasst.

In der Kraterrandzone bestehen die Bunten Trümmermassen überwiegend aus einem Schollenmosaik. Bunte Brekzie tritt dort zurück und ist meist grobstückig ausgebildet. Im Verbreitungsgebiet außerhalb des Kraters nimmt ihr Anteil jedoch mit der Entfernung vom Kraterrand zu. Im gleichen Sinn erfolgt eine Abnahme der Schollengröße mit der Entfernung vom Kraterrand.

Allochthone Schollen

Die allochthonen (= ortsfremden) Schollen sind meist intern stark deformiert und von zahlreichen Störungen durchsetzt. Harte, spröde Gesteine zeigen verschiedene Formen starker Zerklüftung und teilweise Verruschelung. Die intensiv zertrümmerten und zermahlenen Gesteine werden dann als "Gries" bezeichnet. In den verruschelten Zonen liegen gröbere und feinere, eckige Bruchstücke in einer feinkörnigen, sandig-pulverigen Grundmasse aus zermahlenem Gestein wie in einem Mörtel (sog. "Mörteltextur"). Die intensive Zermahlung zeigt, dass die Bewegungen unter hohem Druck erfolgt sind.

Polymikte Kristallinbrekzien

Die polymikten Kristallinbrekzien bestehen überwiegend aus kristallinem Grundgebirgsmaterial verschiedener Art, dem nicht selten, aber mengenmäßig sehr untergeordnet, etwas Deckgebirgsmaterial beigemengt sein kann. Die Brekzien besitzen eine feinkörnige Grundmasse aus zerriebenem Kristallinmaterial, in welche größere Kristallinfragmente eingelagert sind.

Suevit

Der Suevit ist eine polymikte Kristallinbrekzie mit wechselnd hohem, aber immer vorhandenem Glasgehalt. Die Komponenten zeigen alle Stufen der Stoßwellenmetamorphose, wobei jedoch die Stufe des vollkommen aufgeschmolzenen kristallinen Grundgebirges kennzeichnend ist. Diese zu Glas erstarrten Schmelzanteile bilden bei dem Suevitvorkommen in der Randzone und außerhalb des Kraters charakteristisch geformte Fladen ("Flädle").

Zusammenfassend können die Impaktgesteine des Rieses und ihre gegenseitigen Beziehungen durch das abgebildete Schema dargestellt werden (Nach HÜTTNER 1977 in Geologica Bavarica Band 76).

Impaktgesteine

Zeugen der hohen Verformungskräfte sind auch die Stützskelette (Rostren) von Belemnitentieren. Sie sind von zahlreichen Brüchen, die schräg zur Längsachse verlaufen, durchsetzt, zerschert und wieder verheilt. Man nennt diese zerdrückten Fossilien dann "Riesbelemniten".

Durch die enorme Wirkung des Impakterlebnisses auf den Untergrund haben sich auch Schilffflächen auf massiven Malmkalken gebildet. Es sind glatte, ebene oder leicht buckelige Flächen, die auf das Kraterzentrum gerichtete Striemen aufweisen. Sie sind zurückzuführen auf horizontale Bewegungen der überschobenen Bunten Trümmermassen.

Impaktgestein Suevitblock Bild vergrössern Suevitblock aus dem Suevitbruch Ottingen