Ökosystem See – Lebensräume

Wie ist ein See gegliedert?

Das Pelagial ist der Freiwasserkörper des Sees. Darin hält sich das sog. Plankton (überwiegend mikroskopisch kleine pflanzliche und tierische Schwebeorganismen) und Fische auf. Zum pflanzlichen (Phyto-) Plankton werden Algen und bestimmte Bakterien gezählt. Das tierische (Zoo-) Plankton besteht aus Kleinkrebsen, Räder- und Wimperntierchen.

Das Benthal umfasst den gesamten Bodenbereich des Gewässers und ist unterteilt in Litoral und Profundal. Das Litoral stellt dabei die durchlichtete, pflanzen- und tierreiche Uferzone des Benthal dar. An das Litoral schließt sich das Profundal an. Es ist der lichtarme bis lichtlose Bodenbereich des Süßwassers, der frei von wurzelnden Pflanzen ist.

Die Kompensationsebene unterteilt zum einen das Benthal (wie oben erläutert) und zum anderen den Freiwasserkörper in zwei Bereiche.

  1. trophogene oder euphotische Zone (Aufbauzone): belichtete Zone mit Photosynthesemöglichkeit.
  2. tropholytische oder aphotische Zone (Abbauzone): unbelichteter Bereich, keine Biomassenproduktion durch Photosynthese.
Schemazeichnung eines Sees mit Bruchwald am Ufer und immer weiter Richtung Seemitte Seggengürtel, Schilfgürtel, Seerosengürtel, lebende Muscheln, Laichkrautgürtel, Caraceengürtel, Mollusken-Schalenzone mit Rotalgen; weitere Begriffe zu den Zonen sind im Text erklärt, wie Pelagial, trophogene Zone, Kompensationsebene, tropholytische Zone, Benthal und Profundal Schema der Zonierung eines Sees

Der See wird je nach Trophiegrad von einem charakteristischen Pflanzengürtel geprägt. Im Falle eines eutrophen Sees kann man zum Beispiel folgenden Gürtel beobachten (vom Ufer des Sees aus): Erlenbruch, Riedgräser, Röhricht, Schwimmblattpflanzen, Unterwasserpflanzen und Algen.

Trophie

Vor allem der Gehalt an Phosphat und Nitrat sowie an organischen Nährstoffen bestimmt, welche Arten, wie viel verschiedene Arten und wie viele Individuen in einem See leben können.

Seen werden anhand der Mittelwerte (nur Vegetationszeitraum März bis November) von Chlorophyll a, Gesamtphosphor und Sichttiefe in Trophiestufen eingeteilt. Der Nährstoffgehalt eines Sees hat vor allem während der Sommerstagnation Auswirkungen. Generell gilt, je weniger Sauerstoff zur Verfügung steht, desto mehr Pflanzennährstoffe enthält das Gewässer. Bei Überdüngung (hypertroph) bildet sich nach dem Sommer eine extrem sauerstoffarme Bodenschicht aus.

Oligotrophe (nährstoffarme) Seen sind Gewässer mit wenig Nährstoffen und deshalb geringer organischer Produktion. Das Pflanzen- und Algenwachstum wird durch die geringe Phosphatzufuhr begrenzt. Das Plankton ist zwar artenreich, aber individuenarm. Da das Phytoplankton als Nahrungsgrundlage dient, sind auch alle anderen Organismengruppen (zum Beispiel Zooplankton, Fische) auf eine geringere Menge begrenzt. Oligotrophe Gewässer haben oft grobkörnige Uferstrukturen mit geringem Pflanzenbewuchs. Ihr Wasser ist sehr klar und erscheint blau bis dunkelgrün. Die Sichttiefe ist in der Regel größer als sechs Meter. Am Ende der Sommerstagnation ist auch in den tiefen Schichten noch ausreichend Sauerstoff vorhanden. Im sauerstoffreichen Tiefenwasser enthaltene dreiwertige Eisenionen (Fe3+) fällen freigesetztes Phosphat und entziehen es so dem Stoffkreislauf (Phosphatfalle).

Mesotroph nennt man Seen, die sich in einem Übergangsstadium von oligotroph zu eutroph befinden. Der Nährstoffgehalt ist höher und Licht dringt noch in tiefere Wasserschichten vor. Mit zunehmender Dichte des Phytoplanktons ändert sich die Eindringtiefe des Lichtes. Die Sichttiefe beträgt noch mehr als zwei Meter und die Sauerstoffsättigung am Ende der Sommerstagnation ist niedriger als in oligotrophen Seen, aber noch vorhanden. Die Phosphatfalle bleibt wirksam.

Eutrophe Seen haben einen hohen Phosphatgehalt und daher eine hohe Biomasse-Produktion. Das Hypolimnion (bodennahe Schicht) eutropher Seen wird im Sommer sehr sauerstoffarm. Das Epilimnion dagegen ist durch Photosynthese mit Sauerstoff übersättigt und das Plankton ist sehr arten- und individuenreich. Der Grund des Gewässers ist mit einer anaeroben Faulschlammschicht bedeckt, aus dem Eisen-II-phosphat ausdiffundieren kann. Während der Wasserzirkulation im Frühjahr und Herbst trägt das zu einer schnellen Rückdüngung des Gewässers bei. Nach der Frühjahrs-Vollzirkulation tritt häufig eine Algenblüte auf. Das Wasser wird trüb und ist meist durch unterschiedliche Algen grünlich bis gelbbraun gefärbt. Die Sichttiefe liegt in der Regel unter zwei Metern.

Hypertroph oder polytroph werden Seen genannt, bei denen der Nährstoffgehalt und damit die Biomassenproduktion so hoch sind, dass bis zum Ende der Sommerstagnation der Sauerstoff im Hyolimnion weitgehend aufgebraucht ist. Nur die obersten Wasserschichten des Epilimnions weisen für spezialisierte Organismen noch tolerierbare Wachstumsbedingungen auf. Es kann zu Fischsterben kommen (Sauerstoffmangel). Die Sichttiefe liegt unter einem Meter. Umgangssprachlich werden solche Gewässer häufig als „umgekippt“ bezeichnet.

Hypertroph können aber auch künstlich gedüngte Kleingewässer wie Karpfenteiche sein. Sie werden absichtlich sehr flach angelegt. Dadurch wird die Ausbildung einer an Sauerstoff verarmten Bodenschicht verhindert und die erhöhte Produktion kann fischereilich genutzt werden.