Nachhaltige Beschaffung in Behörden, Städten und Kommunen

Bund, Länder und Kommunen beschaffen jährlich Waren und Dienstleistungen im Wert von über 350 Milliarden Euro. Diese reichen von Bürobedarf und Computern über Textilien bis hin zu Reinigungs- oder Verpflegungsdienstleistungen. Die beschafften Produkte wirken sich aus auf Umwelt und Gesellschaft. Herstellung und Betrieb verbrauchen Energie und Ressourcen, nach Ende der Nutzungsphase müssen die Produkte entsorgt werden. Dazu kommt, dass viele der hierzulande konsumierten Waren in Ländern hergestellt werden, in denen es immer wieder zu Verstößen gegen Arbeits- und Menschenrechte kommt.

Umweltschutz der öffentlichen Hand ist wegen seines Verfassungsranges besonders gefordert. Es gilt bei allen Entscheidungen und Handeln das Gemeinwohl und den Umweltschutz ausreichend zu berücksichtigen. Öffentliche Auftraggeber können ihre Marktmacht nutzen, um gezielt umweltfreundliche und sozial verträgliche Waren einzukaufen. Sie haben damit die Möglichkeit, zum Erhalt und zur Besserung unserer Lebensgrundlagen beizutragen, Produktionsbedingungen zu beeinflussen und somit Markt, Umwelt und Gesellschaft positiv zu verändern.

Leitfaden "Umwelt- und Klimaschutz in Behörden"

Der aktualisierte Leitfaden bietet Informationen, Tipps und Hilfestellungen zur praktischen Umsetzung der nachhaltigen Beschaffung in Ihrer Behörde. Er gehört zum Maßnahmenpaket der bayerischen Klimaschutzoffensive. Ein zentrales Ziel ist es, die Klimaneutralität der bayerischen Verwaltung bis spätestens 2030 sicherzustellen. Zudem unterstützt er das Ziel der Staatsregierung, möglichst auf Einwegkunststoffartikel zu verzichten.

Gute Gründe für Nachhaltigkeit in der Beschaffung

  1. Bund, Länder und vor allem Kommunen sind große Auftraggeber in Deutschland. Mit einem Volumen von jährlich über 350 Milliarden Euro können sie einen gewichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten.
  2. Die Forderung nach Einhaltung ökologischer und sozialer Mindeststandards hat Auswirkungen auf die Unternehmenspolitik der Anbieter. Sie hilft mit, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen weltweit zu verbessern.
  3. Die erhöhte Nachfrage umweltfreundlicher und fairer Waren und Dienstleistungen befördert auch deren Angebot auf dem Markt. Sie stärkt damit nachhaltiges Wirtschaften weltweit.
  4. Nachhaltige Produkte mit geringeren Lebenszykluskosten sind oftmals kostengünstiger als konventionelle. So werden Mittel der öffentlichen Hand eingespart.
  5. Behörden und Verwaltungen werden ihrer gesellschaftlichen Vorbildfunktion gerecht. Wirtschaft und Bürger werden zur Nachahmung angeregt.

Wann, wenn nicht jetzt?

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Die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Beschaffung wurden in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert. Insbesondere die Reform des deutschen Vergaberechts 2016 hat die Handlungsspielräume deutlich erweitert. Öffentliche Auftraggeber haben heute weitreichende Möglichkeiten, ökologische und soziale Kriterien in alle Stufen des Vergabeverfahrens zu integrieren.

Auch auf der politischen Agenda nimmt das Thema eine prominente Stellung ein. Als vielversprechendes Instrument zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung hat das Konzept der öko-sozialen Beschaffung Einzug gefunden in politische Grundsatzpapiere und Strategien.

Um die praktische Umsetzung zu erleichtern, wurde die Informationsplattform "Kompass Nachhaltigkeit" ins Leben gerufen. Diese stellt Ausschreibungskriterien für eine Reihe von Produkten sowie Praxisbeispiele zur Verfügung. Zudem wurde eine "Kompetenzstelle Nachhaltige Beschaffung" geschaffen, die öffentliche Auftraggeber zu Fragen der nachhaltigen Beschaffung berät und schult.

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