Der "Daniel" in Nördlingen

Der Glockenturm der St. Georgskirche in Nördlingen Bild vergrössern Der "Daniel"

Der etwa 90 m hohe Glockenturm der spätgotischen St.-Georgskirche in Nördlingen wurde 1454-1490 erbaut, der Turmhelm in einer zweiten Bauphase von 1537 bis 1539 fertig gestellt. Kirche und Turm gelten als Musterbeispiele für die Verwendung von Suevit als Baumaterial. Suevit ist ein seltenes Impaktgestein, welches beim Einschlag des Asteroiden unter hohen Drücken und Temperaturen entstand. Gebrochen wurde der Suevit im heute ausgebeuteten Steinbruch Alte Bürg ca. 8 Kilometer südwestlich von Nördlingen, um dann mittels Ochsenkarren zur Baustelle im Stadtzentrum transportiert zu werden. Im Laufe der Zeit wies das Kirchenbauwerk, aufgrund der hohen Verwitterungsanfälligkeit des Suevits, jedoch deutlich sichtbare Schäden auf. Kirche und Turm waren deswegen im letzten Jahrhundert über viele Jahrzehnte eingerüstet, die St.-Georgs-Bauhütte wurde bereits in den 1960er Jahren eingerichtet.

In den letzten Jahren wurde an manchen Stellen der Fassade der Suevit durch fränkischen Keupersandstein von größerer Haltbarkeit ausgetauscht. Dieser fügt sich jedoch optisch weniger harmonisch in das Gesamtbild ein. Aus diesem Anlass wurde in einem Verbundprojekt zwischen Bayerischem Landesamt für Umwelt (LfU) und Bayerischem Landesamt für Denkmalpflege (LfD) die Suche nach geeignetem Baumaterial intensiviert. Fündig wurde man schließlich im Suevitsteinbruch Seelbronn, der seitdem benötigtes Material für Ausbesserungsarbeiten liefert.

Seit längerem ist bekannt, dass der Suevit mikroskopisch kleine Diamanten enthält, die jedoch mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Sie sind auf Graphiteinschlüsse im Kristallinen Grundgebirge zurückzuführend, die aufgrund der hohen Drücke beim Impakt eine Umwandlung in Diamant erfahren haben. Die Gesamtmenge an Diamanten in der Bausubstanz der St.-Georgskirche wird auf ca. 500 Gramm geschätzt, wobei die Größe der einzelnen Kristalle 0,3mm nicht überschreitet.

Hat man die 350 Stufen bis zur Turmspitze erklommen, bietet sich eine hervorragende Aussicht über die Stadt Nördlingen und das Ries. Der hohe Südrand des Meteoritenkraters ist von hier aus gut zu erkennen.

In der Turmstube wohnte früher ein Türmer, der über die Stadt zu wachen hatte. Bis heute ruft er halbstündlich zwischen zehn und zwölf Uhr nachts sein "So G´sell so". Mit diesem Ruf wurde die Verbindung zwischen den einzelnen Stadttoren aufrechterhalten und die Wachsamkeit gegenseitig kontrolliert.

Seinen Namen erhielt der Daniel wohl nach dem Bibelvers (Daniel 2,48): "Und der König erhöhte Daniel und [...] machte ihn zum Fürsten über das ganze Land".

Weiterführende Informationen

Links