Nach § 4 Abs. 5 BBodSchV kann die Genehmigungsbehörde ab einer Einwirkungsfläche von mehr als 3.000 m2 vom Vorhabensträger eine bodenkundlichen Baubegleitung (BBB) nach DIN 19639 verlangen. Dies ist generell zu empfehlen bei Böden, die nach Bauabschluss wieder natürliche Bodenfunktionen erfüllen sollen, insbesondere:

  • land- oder forstwirtschaftlich genutzten Böden,
  • Böden, die die natürlichen Bodenfunktionen (§ 2 BBodSchV) in besonderem Maße erfüllen (z.B. organische Böden),
  • grund- oder stauwasserbeeinflusste Böden (z. B. in Flussauen).
Rapspflanzen auf einer Braunerde (Bild eines Bodenprofils). Intakte Böden sind unsere Lebensgrundlage

Eine BBB ist eine fachliche Beratung durch bodenkundlich geschultes Personal. Ihre frühzeitige Einbindung bietet Rechtssicherheit und vermeidet unerwartete Kosten, da bereits in der Planungsphase potenzielle Konflikte oder Bauwiderstände erkannt werden.

In der Vorplanung erstellt die Bodenkundliche Baubegleitung (BBB) ein auf die Maßnahme zugeschnittenes Bodenschutzkonzept.

Bei der Begleitung der Baumaßnahmen vor Ort gewährleistet die BBB den Erhalt der natürlichen Bodenfunktionen wie z. B. der Versickerungsleistung, der Wasserspeicherkapazität oder der natürlichen Ertragsfähigkeit. Nachsorge-Kosten (z.B. zur Auflösung baubedingter Bodenschäden) werden so minimiert.

Mit einem Bodenmanagementkonzept kann der Anfall von Bodenmaterial als Abfall minimiert und eine sinnvolle Wiederverwendung effizient geplant werden. Für überschüssige Aushubmassen können frühzeitig geeignete Verwertungswege gefunden werden.

Die Schädigung von Böden hat immer auch Auswirkungen auf das Klima und den regionalen Landschaftswasserhaushalt. Eine BBB ist somit auch ein wichtiger Baustein in der Vorsorge vor:

  • Sturzfluten und Hochwasser,
  • sommerlicher Trockenheit,
  • Verlust der Kühlleistung der Böden in sommerlichen Hitzeperioden.

Maßnahmenbeispiel

Der Einsatz mobiler Baustraßen schützt den Boden vor Verdichtung. Sachgerecht ausgebautes Bodenmaterial kann im Anschluss bodenschonend wieder eingebaut werden.

Irreversible Schäden werden vermieden und die natürlichen Bodenfunktionen gesichert. Eine hochwertige Wiedernutzung der Fläche nach Abschluss der Baumaßnahme wird gewährleistet.

Sachverständige / Bodenkundliche Baubegleiter

Der Bundesverband Boden e.V. (BVB) bietet in Kooperation mit der Universität Osnabrück die Weiterbildung "Bodenkundliche Baubegleitung" an. Die Zertifizierung ermöglicht den Teilnehmenden baubedingte Schädigungen der natürlichen Bodenfunktionen zu vermeiden, zu erfassen und zu bewerten.

Daneben gibt es auch einzelne andere Institutionen, die Fortbildungen zum Thema BBB anbieten.

Als Vorhabensträger finden Sie bereits zertifizierte Bodenkundliche Baubegleiter/Bodenkundliche Baubegleiterinnen zum Beispiel auf der entsprechenden Liste des Bundeverbands Boden.

Auch bei anderen Anbietern oder in den europäischen Nachbarländern (z.B. Schweiz oder Österreich) gibt es Qualifizierungskurse für die Bodenkundliche Baubegleitung. Die Eignung eines oder einer Sachverständigen ergibt sich neben einem entsprechenden Kursnachweis in aller Regel auch aus entsprechenden Referenzprojekten.