Zusammenarbeit zwischen Westkap und Bayern beim Umstieg auf eine klimafreundliche Kälte- und Klimatechnik

Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und die Regierung von Westkap (Südafrika) haben im Oktober 2017 ein gemeinsames Projekt zur Umstellung auf klimafreundliche Kältemittel gestartet. Ziel ist es, den Einsatz klimaschädlicher fluorierte Gase in der Kälte- und Klimatechnik zu reduzieren und Anreize für einen Umstieg zu natürlichen Kältemitteltechnologien zu schaffen. Die Stärkung von Fachkenntnissen im Umgang mit klimafreundlichen Kältemitteln sowie die Vernetzung und der Austausch von Fachexperten und Entscheidungsträgern sollen diesen Prozess unterstützen.
Die Umsetzung der Projektaktivitäten wird durch das Bayerische Landesamt für Umwelt gesteuert. Hauptpartner des Projekts ist Proklima - ein Programm der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

Hintergrund

Fluorkohlenwasserstoffe (FKW, HFKW) werden als Kältemittel in Klima- und Kälteanlagen eingesetzt. Diese Stoffe besitzen ein hohes Treibhauspotenzial und sind oft bis zu mehrere tausend Mal klimawirksamer als Kohlendioxid (CO2). Bei Leckagen - zum Beispiel während des Betriebs oder der Wartung einer Kälteanlage - können erhebliche Emissionen dieser Gase in die Umwelt auftreten. Für die kommenden Jahre wird global eine steigende Nachfrage an künstlich erzeugter Kälte prognostiziert, womit sich die Situation - ohne eine Beschränkung der Verwendung von Fluorkohlenwasserstoffen - weiter verschärfen würde.

Auf der 28. Tagung der Vertragsparteien des Montrealer Protokolls in Kigali in 2016 wurde von den Mitgliedern der Vereinten Nationen eine Verminderung der Emissionen von HFKW und anderen fluorierten Treibhausgasen beschlossen. Ziel der Kigali-Vereinbarungen ist es, den HFKW-Verbrauch bis 2047 um mehr als 80% zu senken und somit den Anstieg der globalen Temperatur bis zum Ende dieses Jahrhunderts um bis zu 0,5°C zu verhindern. Die getroffenen Vereinbarungen treten zum 01. Januar 2019 in Kraft.

Projektziele und Vorgehensweise

Stahlflasche mit KältemittelBild vergrössern CO2-Kälteanlagen werden beispielsweise bereits in der gewerblichen und industriellen Kältetechnik verwendet

Die Regierung von Westkap und das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz unterstützen den Umstieg auf eine klimafreundliche Kälte- und Klimatechnik, die natürliche Kältemittel wie Kohlenwasserstoffe oder Kohlendioxid, anstelle von Fluorkohlenwasserstoffen nutzt. Natürliche Kältemittel zeichnen sich durch ein niedriges Treibhauspotential aus und haben keine schädigende Wirkung auf die Ozonschicht. Einige Betriebe und gewerbliche Einrichtungen konnten bereits erfolgreich auf eine klimafreundliche Kälte- und Klimatechnik umstellen und aufzeigen, dass Kälteanlagen auf Basis natürlicher Kältemittel wirtschaftlich und energieeffizient angeschafft und betrieben werden können. Diese Gute-Praxis-Beispiele können auch für andere Betriebe Anreize für einen Wechsel zu natürlichen Kältemitteltechnologien darstellen.

Bei der Umstellung auf natürliche Kältemittel in Kälte- und Klimaanlagen sind Fachkenntnisse des Personals zum richtigen Umgang und Betrieb dieser Kälteanlagen gefordert. In einem zweiwöchigen Trainingskurs in Deutschland werden ausgewählte technische Experten und Trainer aus der Provinz Westkap in Theorie und Praxis zum Betrieb und der Wartung von Kältetechnologien mit natürlichen Kältemitteln wie Propan (R290), Kohlendioxid (R744) und Ammoniak (R717) geschult. Diese können nach dem abgeschlossenen Training in ihren Heimatländern als Multiplikatoren für klimafreundliche Kältetechnologien ihr gelerntes Wissen mit anderen teilen.

Teilnehmer des Trainingskurses bei ÜbungenBild vergrössern Teilnehmer des zweiwöchigen Trainingskurses an der Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik

Weiterhin werden Fachdialoge für Experten und Entscheidungsträger in der Provinz Westkap durchgeführt und Themen wie Energieeffizienz, Risikominimierung und Ausbildung des technischen Personals bei der Umstellung auf natürliche Kältemittel diskutiert.

Der Trainingskurs und die Fachdialoge werden organisatorisch von der GIZ Proklima unterstützt. Diese setzt sich bereits seit vielen Jahren für den Einsatz nachhaltiger ozon- und klimafreundlicher Technologien in der Klima- und Kältetechnik ein und unterstützt diesen Prozess durch Stärkung der Fachkenntnisse, Politikberatung und Technologietransfer.