Erläuterungen zu den IfR-Messwerten

Die Messgeräte in den IfR-Stationen erfassen unter anderem die Dosisleistung und den Niederschlag sowie die Konzentration radioaktiver Aerosole. Die Messwertverläufe werden im LfU routinemäßig überprüft. Bei erhöhten Messwerten wird ein Alarm im LfU ausgelöst. Die Ursache für den erhöhten Messwert wird ermittelt und falls notwendig Maßnahmen eingeleitet. Bei der Ursachenforschung werden die unten beschriebenen Phänomene der natürlichen Radioaktivität berücksichtigt. Messwerte mit außergewöhnlichen Signalen, Sprüngen oder Spitzen können auch durch defekte Messgeräte, Wartungs- oder Kalibrierarbeiten verursacht sein.

Dosisleistung

Die naturbedingt vorhandene Dosisleistung in Bayern kann zwischen 0,05 - 0,25 µSv/h (Mikrosievert pro Stunde) variieren. Diese Schwankungsbreite lässt sich auf zwei ortstypische Faktoren zurückführen:

  • den unterschiedlichen Gehalt des Bodens an natürlichen radioaktiven Stoffen (z.B. Uran, Thorium, Kalium, etc.) und
  • den mit der Höhe zunehmenden Beitrag der kosmischen Strahlung auf Grund der geringeren Abschirmung durch die Atmosphäre (dadurch z.B. etwas höhere Dosisleistung auf der Zuspitze).

Auch das Wetter hat einen erheblichen Einfluss auf die Dosisleistung. Sie steigt in der Regel bei Niederschlag, weil die natürlichen radioaktiven Aerosole in der Luft (Radon-Zerfallsprodukte) ausgewaschen und am Boden ablagert werden. Dort werden sie durch die Bodennähe des Dosisleistungs-Messgerätes stärker erfasst. Die IfR-Stationen sind mit Niederschlagsmessgeräten ausgestattet, damit dieser Effekt erkannt wird.

Beispieldarstellung zur Messung der Dosisleistung. Erhöhung der Dosisleistung bei höherem Niederschlag. Beispiel Messwertverlauf der Dosisleistung bei Niederschlag

Messwerte der Dosisleistung bis 0,300 µSv/h sind normal, darüber gelten sie als erhöht und werden besonders geprüft.

Aerosole gesamt

Die Gesamtkonzentration radioaktiver Aerosole wird im Wesentlichen durch Zerfallsprodukte von Radon, also natürliche radioaktive Stoffe, bestimmt. Dabei ist oft ein ausgesprochener "Tagesgang" der Messwerte zu beobachten. Dieser ergibt sich vor allem durch den Tag/Nacht-Temperaturunterschied. Durch die Erwärmung des Bodens infolge der Sonneneinstrahlung setzt am frühen Vormittag eine Aufwärtsströmung der Luft ein. Die an Aerosole angelagerte Radioaktivität aus der bodennahen Luftschicht wird dadurch nach oben transportiert und nicht so schnell durch die aus dem Boden nachgebildeten Aerosole ersetzt. Da das Gerät zur Messung der Aerosolaktivität die Luft aus der bodennahen Luftschicht ansaugt, nimmt der Messwert morgens ab. In der Nacht kühlt der Boden wieder ab und die Aufwärtsströmung der Luft hört auf. Die an die Aerosole gebundene Radioaktivität reichert sich in Bodennähe und somit in der Nähe des Messgerätes an. Der Messwert steigt wieder.

Messwerte der Aerosolkonzentration bis 250 Bq/m3 sind normal, darüber gelten sie als erhöht und werden besonders geprüft.

Aerosole künstlich

Die Konzentration künstlicher radioaktiver Aerosole in der Luft wird aus der gemessenen Gesamt-Aerosolkonzentration (Summe aus künstlichem und natürlichem Anteil) durch ein mathematisches Verfahren ermittelt. Das Verfahren basiert auf einem konstanten Verhältnis der natürlichen Alpha- und Beta-Strahler. Dieses radioaktive Gleichgewicht ist insbesondere bei speziellen Wetterlagen (Niederschlag, etc.) nicht immer gegeben. Aus diesem Grund sind ermittelte Werte bis etwa 8 Bq/m³ auf Schwankungen des natürlichen Alpha/Beta-Verhältnisses zurückzuführen. Werte darüber werden als erhöht eingestuft und besonders geprüft.