Natur: Nr. 34 / Dienstag, 14. Juli 2026

Mit DNA-Marker den Mehlbeer-Hybriden am Jenner auf der Spur
 

Ein Team aus Botanikern sucht am Jenner nach Mehlbeer-Hybriden. Ein Team aus Botanikern sucht am Jenner nach Mehlbeer-Hybriden (Quelle: Stephanie Millonig)

Nach der aktuellen Roten Liste von 2024 sind fünf Mehlbeeren-Arten vom Aussterben bedroht und weitere 13 stark gefährdet. In einem Artenhilfsprogramm (AHP) des LfU werden in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Amt für Waldgenetik die Mehlbeer-Arten erforscht und Schutzkonzepte entwickelt.

Gemeinsamer Ortstermin am Jenner

Martin Feulner schiebt einen Trieb mit einigen Blättern zwischen Zeitungspapier fürs Herbarium, junge Blätter landen für den späteren Trocknungsprozess für die Genanalyse in einem Teebeutel. Feulner und seine Kollegin Christie Philipp stehen in einem Latschenfeld im Nationalpark Berchtesgaden und untersuchen im Auftrag des Landesamtes für Umwelt (LfU) Mehlbeer-Arten. Einige Arten kommen nur geografisch begrenzt vor und sind somit für den Artenschutz relevant. „Bald jeder Gebirgsstock hat seine eigene Mehlbeere“, sagt Norbert Meyer bei dem Ortstermin und verweist auf die Lippert- oder Berchtesgadener Mehlbeere, die nur in den Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen vorkommt. Der Kartierer ist ein langjähriger Kenner der bayerischen Mehlbeeren. Dazu zählen die Echte Mehlbeere, die Eberesche - auch Vogelbeere genannt, die Zwerg-Mehlbeere und die Elsbeere. Unter Anderem die bayerischen Alpen sind ein Mehlbeeren-Hotspot und der Ortstermin zum Artenhilfsprogramm Mehlbeere führt Kartierende und Mitarbeitende des LfU, des Bayerischen Amts für Waldgenetik (AWG) und des Nationalparks auf den Jenner.

Was macht Mehlbeeren biologisch interessant?

Sie können sich untereinander kreuzen, das heißt gemeinsame Nachkommen, sogenannte Hybride bilden. Beispielsweise gilt die Berchtesgadener-Mehlbeere als Mix aus Vogelbeere und Echter Mehlbeere. Diese Hybride können sich ungeschlechtlich fortpflanzen. So entwickeln sich Kleinarten mit Merkmalen beider Elternarten, beispielsweise Form der Blätter oder Blüten. Mit der Tour auf den Jenner will das Team auch eine Kreuzung zwischen Berchtesgadener Mehlbeere und Zwerg-Mehlbeere ist, erfassen. Möglich sind in dem komplexen Fortpflanzungsgeschehen auch Rückkreuzungen mit Vogel-, Zwerg-, Echter Mehlbeere oder Elsbeere. „Wer mit wem?“ - bei dieser Frage kommen Dr. Barbara Fussi und Dr. Muhidin Šeho vom AWG ins Spiel: Das AWG untersucht die gesammelten Proben. Mit der Genanalyse der Blätter lässt sich prüfen, ob es räumlich-genetische Strukturen und daraus unterscheidbare Herkunftsgebiete der Echten Mehlbeere gibt. Mit Hilfe der DNA-Marker ist eine Identifizierung von Hybriden sowie Rückkreuzungen mit anderen Mehlbeer-Arten möglich. „Die endemischen, also nur an einem Ort vorkommenden und dort angepassten Kleinarten gilt es zu schützen“, erläutert LfU-Botaniker Marcel Ruff, der für das Artenhilfsprogramm zuständig ist. „Sie werden im Rahmen des AHP erfasst, Pflegemaßnahmen angestoßen, die beispielsweise lichte Waldverhältnisse schaffen, und Keimlingsgärten sowie potenzielle Pflanzflächen gesucht, um diese Gehölzarten zu vermehren. Hier am Jenner gibt es beispielsweise die Berchtesgadener Mehlbeere.“

Die Echte Mehlbeere gewinnt auch als Klimabaum an Bedeutung

Die Forschenden gehen davon aus, dass Mehlbeeren über die vielen Kleinarten und den Genaustausch mit den Eltern eine große genetische Vielfalt erreichen, die die Überlebenschance erhöht. Dieses Potenzial gilt es im Waldbau zu erhalten und zu nutzen, wie Šeho ausführt. Er hebt die Zusammenarbeit zwischen der Umwelt- und Forstverwaltung hervor und berichtet über praktische Erkenntnisse aus der Forschung zu Mehlbeeren: Im Forst soll der Fokus auf dem Anbau von gebietsheimischen Mehlbeer-Arten auf Sonderstandorten liegen. Obwohl nicht gefährdet, soll auch die Echte Mehlbeere gefördert und aktiv eingebracht werden. Denn als hitzeresistente Artengruppe kommt den Mehlbeeren im Klimawald eine wichtige Rolle zu. Auch als Stadtbaum kann die Mehlbeere punkten. Im alpinen Schutzwald schützen Mehlbeeren vor Erosion und bieten Vögeln, Insekten und Kleinsäugern wie der Haselmaus Nahrung.

Weitere Informationen:

 



Fotos


Nachdruck und Auswertung von Pressemitteilungen sind allgemein gestattet. Auch die veröffentlichten Pressefotos dürfen im Rahmen der Berichterstattung zur zugehörigen Pressemitteilung mit entsprechender Quellenangabe verwendet werden.

Besuchen Sie uns in den sozialen Netzwerken


Kontakt zur Pressestelle

Bayerisches Landesamt für Umwelt
Pressestelle
Bürgermeister-Ulrich-Straße 160
86179 Augsburg
Tel.: 08 21/ 9071-5242
Fax: 08 21/ 9071-5009

Pressestelle

Matthias Häußler (Pressesprecher)

Bianca Roß (stv. Pressesprecherin)

Referatsleitung

Barbara Thome