Beschreibung, Ökologie und Standortansprüche
In Bayern kommen über 40 verschiedene Arten der Gattung Sorbus vor. Neben den häufigen Arten wie Vogelbeere, Elsbeere, Speierling und Gemeine Mehlbeere, gibt es seltene Arten wie die Ries- Mehlbeere, die Meierott-Mehlbeere oder die Mergenthaler-Mehlbeere. Viele besiedeln ein nur sehr kleines Verbreitungsgebiet. Der Verbreitungsschwerpunkt in Bayern liegt in der Frankenalb und in den Muschelkalkgebieten Unterfrankens.
Mehlbeer-Arten treten in Bayern an sehr trockenen und heißen Standorten wie in Trockenwäldern in Unterfranken bis zu montanen Bergwäldern und Schluchtwäldern in den Alpen mit über 1800 mm Niederschlag im Jahr auf. Mehlbeeren sind besonders an Grenzstandorte angepasst, d.h. sie können an Standorten gedeihen, an denen andere Baumarten nicht überleben können. In der Frankenalb sind das vor allem Felsstandorte, aber auch Blockhalden mit geringer Humusauflage sowie sehr heiße und trockene Südhänge. Sie besiedeln neben Nieder- und Mittelwäldern auch Steilhänge und Waldränder.
Die Arten der Artengruppe Sorbus aria agg.können Nachkommen mit der Elsbeere oder der Vogelbeere bilden (Hybridisierung). Daraus hervorgegangen ist beispielsweise die Fränkische Mehlbeere (Sorbus franconica), ein Endemit der Nördlichen Frankenalb, also eine Art die nur dort vorkommt und einmalig ist. Die besondere Art der Samenbildung ohne Befruchtung (Apomixis) bei den Mehlbeeren führt dazu, dass Endemiten oft genetisch einheitliche Klone darstellen, die sowohl aus Stockausschlägen und Wurzelschossern als auch aus Samen wachsen können.
Schnizleins Mehlbeere am Hartenfels bei Neukirchen mit einem Stammdurchmesser von 62 cm und einer Höhe von ca. 20 m; Foto: Christie Philipp
Echte Mehlbeere (Sorbus aria) auf einer Basaltblockhalde am Steinberg in der Bayerischen Rhön; Foto: Christie Philipp
Motivation und Bedarf
Aufgrund ihres hohen Lichtbedarfs und des langsamen Wuchses sind viele Mehlbeeren, darunter auch viele Endemiten, durch die Konkurrenz anderer Baumarten bedroht. Viele Wälder sind durch den Wegfall von historischer Nieder- und Mittelwaldnutzung zu dunkel und dicht, sodass die Mehlbeere sich nur mit Unterstützung behaupten kann. Dies kann z.B. durch Schaffung lichter Strukturen oder durch gezieltes Zurücknehmen der bedrängenden Bäume erfolgen. Nach der aktuellen Roten Liste von 2024 sind fünf Sorbus-Arten vom Aussterben bedroht und weitere 13 stark gefährdet.
Ziel
Es sollen einerseits Schutzmaßnahmen für die vorhandenen Vorkommen erarbeitet und umgesetzt werden, andererseits sollen begleitende genetische Untersuchungen durchgeführt werden, um zu klären, inwieweit die endemischen neue Arten genetisch eigenständig sind und ob sich S. aria mit endemischen Arten rückkreuzen kann und so eine Bedrohung für die endemische Mehlbeerenflora darstellen könnte. Zudem sollen Blattproben für eine genetische Untersuchung zu Wuchsgebieten von Sorbus aria s.str. durch das Amt für Waldgenetik (AWG) gesammelt werden.
Inhalt der Schutzmaßnahmen
- Breite Erfassung der Vorkommen von Mehlbeer-Arten der Rote Liste Kategorien 1 und 2
- Einrichten von Keimlingsgärten (in Einzelfällen Sammeln von Samen und Nachzucht zu Stützungspflanzungen)
- Suche von potentiellen Ansiedlungsflächen, die für den langfristigen Erhalt erforderlich sind
- Planung notwendiger Pflegemaßnahmen und wo möglich Begleitung bei der Durchführung
- Abstimmungstermine vor Ort mit uNB, hNB und Vertretern vom Forst
Sorbus lippertiana (Berchtesgadener Mehlbeere) hat ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen; Foto: Andreas Zehm
Eine Bastard-Mehlbeere (Sorbus „Leienfels“), entstanden durch Hybridisierung der Gewöhnlichen Mehlbeere mit der Eberesche, an der Burgruine Leienfels in der Nördlichen Frankenalb. Foto: Martin Feulner
Laufzeit
2024 - 2027
