Strahlung: Nr. 18 / Donnerstag, 23. April 2026
40 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl am 26. April 1986 spielen die damals freigesetzten radioaktiven Stoffe in Bayern kaum noch eine Rolle. Nur das langlebige Cäsium-137 ist noch nachweisbar. Darauf weisen das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hin.
Erhöhte Messwerte von Cäsium-137 findet man im Wesentlichen nur noch in manchen Wildpilzen und vereinzelt auch in Wildbret (Fleisch von freilebendem Wildschwein, Reh oder Hirsch). Alle anderen Lebensmittel weisen hingegen keine oder nur noch sehr niedrige Werte auf und liegen damit auf einem Niveau wie vor dem Reaktorunfall. Im Trinkwasser ist keine künstliche Radioaktivität mehr nachweisbar.
Ursache für die erhöhten Cäsium-Gehalte in Wildpilzen und Wildbret ist die noch anhaltende Verfügbarkeit von Cäsium-137 in Waldböden. Wildpilze nehmen das chemische Element aus dem Boden auf, werden wiederum von Wildschweinen gefressen, sodass sich das Cäsium im Fleisch der Tiere anreichert. Um sicherstellen zu können, dass nur Wildfleisch unter dem Höchstwert von 600 Bq/kg an den Verbraucher weitergegeben wird, spielen sogenannte Qualifizierte Wildbretmessstellen (QWM) eine wichtige Rolle in Bayern. Die QWM werden vom Bayerischen Jagdverband, Landratsämtern und den Bayerischen Staatsforsten betrieben. Dort können Jäger ortsnah das erlegte Wildbret auf Cäsium-137 messen lassen. Falls Lebensmittel und damit auch Wildbret den Höchstwert überschreiten, dürfen sie nicht in den Handel gebracht werden.
Konkrete Situation im Handel
Aus dem bayerischen Einzel- bzw. Großhandel wurden in den letzten fünf Jahren keine Lebensmittel aufgrund zu hoher Cäsium-Gehalte beanstandet. 2025 analysierte das LfU für das LGL 152 Proben Wildschweinfleisch auf den Cäsium-137-Gehalt. Die Produkte stammten bis auf sechs Proben (Importware) aus dem bayerischen Handel, aus Restaurants und von Direktvermarktern. Keine Probe überschritt den Höchstwert von 600 Bq/kg, was sich mit den Ergebnissen der Untersuchungen der Vorjahre deckt. Daneben wurden im Jahr 2025 auch 89 Wildpilzproben aus bayerischen Wäldern untersucht, ebenfalls ohne Beanstandung.
Weiterführende Informationen
Natürliche Radioaktivität existiert unabhängig vom Menschen und ist seit Anbeginn der Erde in der Umwelt vorhanden. Beispiele hierfür sind Kalium-40 oder Uran-238. Andere natürliche Radionuklide wie Kohlenstoff-14, Tritium oder Radon werden durch die Reaktion von Atomkernen mit kosmischer Strahlung ständig neu gebildet oder sind Zerfallsprodukte der natürlichen Zerfallsreihen.
Natürliche Radionuklide kommen auch in allen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln vor, in der Atemluft, in Baustoffen usw. und tragen damit zu ungefähr der Hälfte der durchschnittlichen Strahlenexposition des Menschen in Bayern bei. Die andere Hälfte der Strahlenexposition hat einen künstlichen Ursprung wie zum Beispiel ionisierende Strahlung aus medizinischen und technischen Anwendungen. Nur ein sehr kleiner Anteil wird durch künstliche Radionuklide beigetragen, die beim Kernkraftwerksunfall von Tschernobyl frei wurden.
Unmittelbar nach dem Reaktorunfall wurden bundesweite Messprogramme zur Überwachung der Radioaktivität in Umwelt und Lebensmitteln eingeführt. Diese sind im sogenannten Integrierten Mess- und Informationssystem (IMIS) verankert. Das Bayerische Landesamt für Umwelt untersucht in seinen Strahlenschutzlaboren in Augsburg und Kulmbach Proben aus der Umwelt, wie Lebensmittel, Futtermittel, Wasser und Boden, darunter jährlich bis zu 250 Wildfleisch- und Wildpilzproben auf verschiedene Radionuklide. LGL, LfU und das Bundesamt für Strahlenschutz haben weitere Informationen zum Thema Radioaktivität in Umwelt und Lebensmitteln veröffentlicht:
- 40 Jahre nach Tschernobyl – Der Reaktorunfall von Tschernobyl und seine Auswirkungen auf Bayern, Infoblatt LfU
- Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt, LfU
- Radioaktivität in Lebensmitteln - Untersuchungsergebnisse 2025, LGL
- Übersicht zu häufig gestellten Fragen zum Thema Radioaktivität in Lebensmitteln, LGL
- 40. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschornobyl, BfS
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