Natur: Nr. 15 / Donnerstag, 02. April 2026
Zahlreiche Neufunde bei Libellen zu verzeichnen
Die Gestreifte Quelljungfer (Cordulegaster bidentata) ist die deutlich seltenere von zwei ähnlichen und nahe verwandten Arten. Sie lebt an Quellen und kleinen Bachoberläufen, wo sich die Larven im sandig-schlammigen Bodensubstrat entwickeln. (Quelle: Ch. Mayr, LfU)6900 Nachweise von bemerkenswerten Tierarten verteilt auf 560 Lebensräume im Landkreis Regen: Im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) haben Experten seit Mai 2023 nach seltenen Tierarten gesucht und zu ihren Lebensräumen geforscht. Nun liegen die Ergebnisse dieser Naturschutzfachkartierung vor. Vergleichbare Kartierungen werden landkreisweise in ganz Bayern durchgeführt und geben Auskunft über die Verbreitung und den Bestand ausgewählter Tiergruppen.
Untersucht werden in den jeweiligen Landkreisen ausgewählte Flächen, die sich besonders als Lebensraum für seltene Tierarten eignen. Der Nationalpark Bayerischer Wald war dabei nicht Gegenstand der Erfassung. Im Landkreis Regen ging es um Vögel, speziell in wald- und heckenreichen Gebieten. Auch die Artengruppen Reptilien, Amphibien, Tagfalter, Libellen und Heuschrecken wurden intensiv untersucht. Das Untersuchungsprogramm entstand in Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde vor Ort.
Ziel der Naturschutzfachkartierung ist es, konkrete Flächen, an denen bemerkenswerte Arten vorkommen, zu benennen und eine Einschätzung zur Gesamtsituation der Arten zu erhalten. Die Beurteilung von Bestandsveränderungen ist oftmals schwierig. So müssen methodische Unterschiede bei der Erhebung der Daten berücksichtigt werden, um keine falschen Schlüsse zu ziehen.
Bei den Libellen gelang eine große Zahl an Neufunden, so dass eine Einschätzung zur Lage etlicher Einzelarten nun möglich ist. An den zahlreichen Quellbächen im Landkreis finden sich zwei Arten von Quelljungfern, die mit einer Flügelspannweite von 10 cm zu unseren größten Libellenarten gehören. Die gefährdete Speer-Azurjungfer kommt an etlichen Gewässern vor, während die Gemeine Binsenjungfer, die in der Roten Liste auf der Vorwarnstufe rangiert, einen abnehmenden Trend verzeichnet. Herausragende Gebiete im Hinblick auf die Libellen sind das Naturschutzgebiet Todtenau bei Kirchberg im Wald und der Arbersee, wo sich eine Reihe von hochspezialisierten Arten finden, wie zum Beispiel die Kleine Moosjungfer.
Wird eine Art aktuell selten nachgewiesen und werden an einer Reihe ehemals bekannter Fundorte trotz intensiver Suche keine Individuen mehr angetroffen, so ist der Rückgang der Art offensichtlich. Dies trifft insbesondere auf Amphibien und Reptilien wie z. B. Kreuzotter, Zauneidechse und Bergmolch zu, aber auch auf Vertreter der untersuchten Insektengruppen.
Im Landkreis Regen sind wie in anderen Teilen Bayerns bei den Tagfaltern Einbußen an Arten und geeigneten Lebensräumen groß, so dass die Experten hier von einem deutlichen Rückgang sprechen. Beispiele hierfür sind die Feuerfalter-Arten oder der Prächtige Bläuling, die an etlichen ehemaligen Standorten nicht mehr zu finden sind. Auch einzelne Heuschrecken wie der Feldgrashüpfer sind deutlich seltener geworden. Ein Neubürger ist hingegen die Lauchschrecke, der es in den letzten Jahren gelungen ist, von Süden her immer mehr Feuchtwiesen des Landkreises zu besiedeln.
Bestandsveränderungen bei Arten stehen mittlerweile häufig im Zusammenhang mit Klimaveränderungen. Steigende Temperaturen können wärmeliebende mediterrane Arten begünstigen. Geringere Niederschläge können das Trockenfallen von Moorschlenken und Quellbächen zur Folge haben, was sich schädlich auf einige Libellen auswirkt oder ungünstig für feuchtigkeitsliebende Wiesenbewohner ist. Diese klimatischen Faktoren sind kaum mit lokalen Maßnahmen zu kompensieren. Umso bedeutsamer ist es, bei der Pflege und Bewirtschaftung von Flächen eine Vielfalt an Strukturen zu erhalten. Durch den Erhalt von Säumen, der Förderung von Beweidung, der Pflege von mageren extensiven Flächen oder der schonenden Mahd von Grabenrändern kann man dem Artenschwund entgegenwirken, um nur einige Beispiele zu nennen. Mit konkreten Vorschlägen unterstützen die Fachleute die Bemühungen von Naturschutzbehörden, Verbänden und Eigentümern, Artenvielfalt und Biodiversität quasi vor der eigenen Haustür zu erhalten.
Die aktuellen Kartierungsdaten stellen eine hervorragende Basis dar, mit der sich auch künftige Entwicklungen vergleichen lassen.
Informationen zur Naturschutzfachkartierung
Die Naturschutzfachkartierung wird auf Landkreisebene durchgeführt. Die Ergebnisse sind wichtige Grundlagendaten für bedrohte Arten und ihre Lebensräume und werden in einer landesweiten Datenbank zentral gespeichert. Wiederholungskartierungen dienen dazu, die Daten aktuell zu halten und Trends aufzuzeigen. Sie stehen Behörden, Kommunen, Verbänden, Planungsbüros und Wissenschaftlern zur Verfügung und liefern bei der Erarbeitung von Landschafts- und Grünordnungsplänen, bei Eingriffen in die Landschaft, bei der Planung von Schutzprojekten und für die Landschaftspflege wichtige Informationen. Das LfU koordiniert die Arbeiten bayernweit und stellt die Ergebnisse auf Anfrage zur Verfügung.
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