PRESSEMITTEILUNG

Nr. 50 / Donnerstag, 03. November 2022

Natur
Fast die Hälfte der bayerischen Wildbienenarten in unterfränkischen Dörfern gefunden

Forschende untersuchten mehrere Lebensräume vom Hausgarten bis zum Friedhof
Die in Bayern stark gefährdete Mohnbiene beißt kleine Stücke von den Blütenblättern des Klatsch-Mohns ab und kleidet damit ihr Nest aus.
Die in Bayern stark gefährdete Mohnbiene beißt kleine Stücke von den Blütenblättern des Klatsch-Mohns ab und kleidet damit ihr Nest aus. (Quelle: Naturbildarchiv GÜNTER)

+++ Von den 520 in Bayern vorkommenden Wildbienenarten haben die Forschenden in einer Aufnahmesaison 257 Arten gefunden. Darunter befinden sich 17 Hummelarten, die ebenso zu den Wildbienen zählen. „Die Zahlen sind beeindruckend“, sind sich Sonja Schulze von der Universität Würzburg und Janet Emig vom Biodiversitätszentrum Rhön im Bayerischen Landesamt für Umwelt einig. +++

In jedem Dorf wurden fünf verschiedene Lebensräume untersucht: Hausgärten, Bauerngärten, Brachflächen, Friedhöfe und kommunale Grünflächen. Um den Wert der verschiedenen Lebensräume für Wildbienen zu messen, erfassten die Forschenden neben der Artenvielfalt von Wildbienen auch ihre Häufigkeit sowie das Angebot an Blütenpflanzen. Die höchste Wildbienen- und Pflanzenvielfalt fanden sie in Summe in den Hausgärten vor.

Allerdings unterlag die Pflanzenvielfalt dort großen Schwankungen: Neben Gärten mit sehr vielen verschiedenen Blütenpflanzen gab es auch zahlreiche mit nur wenigen Arten. Doch gerade die Pflanzenvielfalt ist eine wichtige Voraussetzung für die Wildbienenvielfalt: „Viele Wildbienen sind auf bestimmte Pflanzen spezialisiert. Fehlt die Futterpflanze, kann die Wildbienenart dort nicht leben“, erklärt Janet Emig.

Kommunale Grünflächen schnitten im Vergleich insbesondere bei der Pflanzenvielfalt weniger gut ab. Trotzdem sehen die Forschenden dort hohes Potenzial, wenn die Flächen nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht und nicht mit Schnittgut gemulcht werden. Durch das Entfernen des Schnittguts werden der Fläche Nährstoffe entzogen, was sich positiv auf die Pflanzenvielfalt auswirkt. Außerdem kommen die Pflanzen so zur Blüte und bieten den Wildbienen Nahrung. „Wenn Bürgerinnen und Bürger ungemähten Flächen noch mehr Verständnis entgegenbringen, gehen vielleicht weitere Kommunen diesen Weg“, wünscht sich Schulze.

Die Datenerfassung fand im Rahmen des Projekts „Wildbienen in Dörfern“ statt. Es basiert auf der Annahme, dass Dörfer sehr gute Lebensräume für Wildbienen sein können. Denn Nahrungsquellen und Nistplätze von Wildbienen liegen dort häufig nah beieinander – zum Beispiel in Form alter Gebäude mit Ritzen zum Nisten und blütenreichen Hausgärten nebenan. Das ist entscheidend, weil Wildbienen den gesammelten Pollen regelmäßig zu ihrem Nest zurückbringen, um ihre Brut zu versorgen. Dabei fliegen die meisten Wildbienen nur wenige hundert Meter.

Weitere Informationen zum Projekt und kostenlose Wildbienenbroschüren sind erhältlich unter: www.bioz.bayern.de.

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