Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Auerhuhn (Tetrao urogallus)

Rote Liste Bayern: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Vom Aussterben bedroht
Erhaltungszustand Kontinental: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/schlecht

Verbreitung und Bestandssituation

Das Areal des Auerhuhns erstreckt sich lückenhaft in Gebirgen und größeren Waldgebieten von Schottland über Nordeuropa bis zum Baikalsee. In Bayern brütet Tetrao urogallus major (C.L. Brehm 1831).

Das Auerhuhn ist in den Alpen und in den Hochlagen des Bayerischen Waldes fast flächig verbreitet, ohne erkennbare Arealveränderung.

Kleinere, stark isolierte Populationen existieren in der Rhön, im Fichtelgebirge, im Nürnberger Reichswald und in der Adelegg.

Diese Lokalpopulationen haben verglichen mit dem Zeitraum 1996-99 um 15% abgenommen, besonders auffällig in der Rhön und im Nürnberger Reichswald. Erhebliche Bestandsrückgänge und Arealverluste sind seit Mitte des letzten Jahrhunderts in Bayern außerhalb der Alpen zu verzeichnen.

Im Gegensatz dazu liegt die aktuelle Bestandsschätzung für Bayern deutlich über jener aus dem Zeitraum 1996-99. Dabei ist jedoch von einer methodisch bedingten Diskrepanz auszugehen.

Brutbestand BY: 600-900 Brutpaare.

Fundortkarte

Auerhuhn (Tetrao urogallus)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5533 Tettau
5534 Lehesten
5535 Moorbad Lobenstein
5626 Sandberg
5634 Teuschnitz
5635 Nordhalben
5726 Bad Kissingen Nord
5738 Rehau
5837 Weißenstadt
5934 Thurnau
5937 Fichtelberg
5938 Marktredwitz
6034 Mistelgau
6037 Ebnath
6038 Waldershof
6135 Creußen
6139 Falkenberg
6234 Pottenstein
6235 Pegnitz
6239 Neustadt a.d.Waldnaab
6320 Michelstadt
6335 Auerbach i.d.OPf.
6432 Erlangen Süd
6433 Lauf a.d.Pegnitz
6440 Moosbach
6533 Röthenbach a.d.Pegnitz
6632 Schwabach
6633 Feucht
6637 Rieden
6639 Wackersdorf
6642 Waldmünchen
6732 Roth
6733 Allersberg
6742 Cham Ost
6743 Neukirchen b.Hl.Blut
6744 Rittsteig
6843 Kötzting
6844 Lam
6845 Bayerisch Eisenstein
6942 Sankt Englmar
6943 Viechtach
6944 Bodenmais
6945 Zwiesel
6946 Hirschbach
7043 Ruhmannsfelden
7044 Regen
7046 Spiegelau
7047 Finsterau
7145 Schöfweg
7146 Grafenau
7147 Freyung
7148 Bischofsreut
7247 Waldkirchen
7248 Jandelsbrunn
8136 Holzkirchen
8142 Teisendorf
8226 Isny im Allgäu-Nord
8227 Kempten (Allgäu)
8236 Tegernsee
8237 Miesbach
8238 Neubeuern
8239 Aschau i.Chiemgau
8240 Marquartstein
8241 Ruhpolding
8242 Inzell
8243 Bad Reichenhall
8326 Isny im Allgäu Süd
8328 Nesselwang West
8329 Nesselwang Ost
8330 Roßhaupten
8331 Bad Bayersoien
8332 Unterammergau
8333 Murnau a.Staffelsee
8334 Kochel a.See
8335 Lenggries
8336 Rottach-Egern
8337 Josefsthal
8338 Bayrischzell
8339 Oberaudorf
8340 Reit im Winkl
8341 Seegatterl
8342 Schneizlreuth
8343 Berchtesgaden West
8344 Berchtesgaden Ost
8426 Oberstaufen
8427 Immenstadt i.Allgäu
8428 Hindelang
8429 Pfronten
8430 Füssen
8431 Linderhof
8432 Oberammergau
8433 Eschenlohe
8434 Vorderriß
8435 Fall
8442 Hirschbichl
8443 Königssee
8444 Hoher Göll
8526 Balderschwang
8527 Oberstdorf
8528 Hinterstein
8531 Zugspitze
8532 Garmisch-Partenkirchen
8533 Mittenwald
8534 Östl. Karwendelspitze
8543 Funtensee
8626 Hoher Ifen
8627 Einödsbach
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Primärlebensräume sind in Bayern vor allem schüttere Bergwälder unterhalb der Waldgrenze (Alpen, Mittelgebirge) und Kaltluftlagen, speziell in Hochlagen-Fichtenwäldern, Waldmooren und Randlagen von Mooren. Durch Waldnutzung entstand eine breite Palette von Sekundärlebensräumen, die z.T. relativ hohe Siedlungsdichten zulassen (speziell nährstoffzehrende, "ausbeuterische" Nutzungsformen, wie Streunutzung, Waldweide sowie Lücken- und Ränderbildung durch Saum- und Femelschlag). Eine Schlüsselrolle spielen neben den Nahrungsbäumen Kiefer, Fichte (Tanne), Buche (Ahorn), Vogelbeere und Lärche vor allem reiche Vorkommen an Heidel- und Rauschbeere, Heidekraut, Wollgras und Moosen. Die Art benötigt weitständige Altbestände mit durchbrochenem Kronendach (optimal 60-70 % Kronenschluss) und flächenhafte Bodenvegetation (optimal 80 % Heidelbeere). Die Hauptbalzzeit der Auerhähne ("Arenabalz") erstreckt sich von APR bis JUN, darauf folgt die Mauserzeit von MAI bis SEP/NOV.. Ab SEP findet die Herbstbalz statt. Im Winter Zusammenschluss zu eingeschlechtlichen Gruppen.

Phänologie

Seltener bis sehr seltener Brutvogel

Wanderungen: Sehr ortstreu, gelegentlich kleine Wanderungen von Jungvögeln oder Kurzaufenthalte im Tal.

Brut: Bodenbrüter; Nest in selbst gescharrter Mulde, Legebeginn Mitte/Ende APR, meist erst im MAI (JUN), Auflösung der Familienverbände spätestens im SEP. -- Brutzeit: APR bis JUL/AUG.

Tagesperiodik: Tagaktiv. Balzbeginn 1 Stunde vor Sonnenaufgang, 2. Gipfel in der Abenddämmerung.


Brutzeit-Diagramm
Dunkle Sektorenfarbe weist auf die Hauptbrutzeit der Art in Bayern hin.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Der Bestand des Auerhuhns ist in Bayern vom Aussterben bedroht.

Waldbau hat einen großen Einfluss auf die Qualität des Habitats: Negativ wirkt sich eine zu hohe Erschließungsdichte und Fragmentierung der Wälder (etwa durch ausgebaute Forstwege und Kahlschläge) aus, wodurch Prädatoren begünstigt werden können. Großflächig dicht geschlossene Bestände behindern das Aufkommen einer vielfältigen Krautschicht und Beerstrauchdeckung. Ebenfalls negativ wirken sich aus: der erhöhte Eintrag von Nährstoffen (Rückgang der Heidelbeere infolge Stickstoffanreicherung im Boden, schnelleres Zuwachsen von Bestandslücken), sowie die Zunahme touristischer Störungen (speziell Skitouren und Mountainbiken). Daraus resultiert vor allem der Arealverlust in den Sekundärbiotopen. Während eine extensive, kleinflächige und räumlich gut kontrollierbare Beweidung durchaus eine günstige (lockere und kurzrasige) Krautvegetation bewirken kann, führen überhöhte Wilddichten großflächig zum Verlust wichtiger Nahrungspflanzen (z.B. Mischbaumarten wie Tanne).

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Lenkung der Freizeitnutzung bei Störungen durch Tourismus und Jagdbetrieb vor allem während der Wintermonate.

Jede Form der Waldnutzung, die taigaartige Waldstrukturen, geringen Feinddruck und großräumig zusammenhängende Waldflächen induziert, kann die Brutplatzqualität fördern.

Vor allem der räumliche Verbund von geeigneten Habitatflächen (z.B. durch Renaturierung von Bachläufen, Durchforstung und Auflockerung dicht geschlossener Waldbestände in Verbundkorridoren zwischen Altholzkomplexen (Richtwerte: Kronenüberschirmungsgrade von 80% und weniger)). Zum Erhalt von potenziellen Balzplätzen sollten vorhandene Altholzkomplexe mit einzelnen markanten, starkastigen Bäumen möglichst in einem großflächigen Verbund (Richtwerte: mind. 50 ha am Stück) erhalten bleiben.

Möglichst Verzicht auf Zäune oder Verblendung von bestehenden Forstkulturzäunen.

Bei Windenergienanlagen: Prüfbereich von 1.000 m um bekannte Neststandorte, innerhalb dessen zu prüfen ist, ob und in welchem Umfang die Zugriffsverbote nach § 44 Abs. 1 BNatschG erfüllt sind.

Sonstige Hinweise

Maßnahmen zur Bestandsstützung oder Wiederansiedlung mit Zuchtvögeln haben höchstens örtlichen Erfolg gezeigt.

Die konstante Besiedlung von Balzplätzen mit geeignetem Habitat im Umkreis von 3 bis 4 km vom Balzplatzzentrum spielt eine wichtige Rolle für produktive Vorkommen.

Die Vermehrung wird weniger durch die Schlüpfrate als durch die Kükensterblichkeit eingeschränkt.

Ergänzende Informationen

Ornithologischer Anzeiger 48. Band, 2009: Raufußhühner.

Suchant, R. & V. Braunisch 2008: Rahmenbedingungen und Handlungsfelder für den Aktionsplan Auerhuhn. Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. 68 S.

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