Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Flußseeschwalbe (Sterna hirundo)

Rote Liste Bayern: Gefährdet
Rote Liste Deutschland: Stark gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Das Areal der Flussseeschwalbe erstreckt sich über ganz Europa.

-- In Bayern brütet Sterna h. hirundo (Linnaeus 1758).

Die Flussseeschwalbe brütet in Bayern lokal und fast ausschließlich in Südbayern. Mit einer Einzelbrut bei Schwandorf im Jahr 2004 drang die Art auch nach Nordbayern vor. Im Vergleich zum Erfassungszeitraum 1996-99 kam es durch die Bereitstellung von Brutflößen und -inseln in Baggerseen und Staubereichen der Flüsse zu Neuansiedlungen im Donautal, an der Unteren Mindel, Günz und Iller und damit es zu einer deutlichen Arealerweiterung. Als Metapopulation sind die größten Kolonien mit bis zu 70 Paaren derzeit am Starnberger See, am Ammersee und an der Mittleren Isar zu finden.

Der heutige Bestand ist aber vermutlich nur ein Bruchteil des Bestandes am Ende des 19. und Beginn des 20. Jh.

2003 fand eine erfolgreiche Einzelbrut am Chiemsee statt. In Nordbayern fehlen Hinweise auf Brutversuche. In Bayern brüten derzeit etwa 16 % der deutschen Binnenland-Population, die aber das gleichzeitige Schrumpfen der Küsten-Population um ein Drittel nicht ausgleichen konnte.

Die aktuelle Bestandsschätzung liegt gut doppelt so hoch wie die Zählungen im Jahr 1996. Neuansiedlungen entstehen ausschließlich durch menschliche Hilfe. Bei anhaltender Betreuung gibt es ein beträchtliches Wachstumspotenzial.

Brutbestand BY: 300-350 Brutpaare.

Fundortkarte

Flußseeschwalbe (Sterna hirundo)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5831 Seßlach
5833 Burgkunstadt
5929 Haßfurt
5931 Ebensfeld
5934 Thurnau
6528 Marktbergel
6639 Wackersdorf
6733 Allersberg
6830 Gunzenhausen
6831 Spalt
7040 Pfatter
7041 Münster
7141 Straubing
7232 Burgheim Nord
7234 Ingolstadt
7235 Vohburg a.d.Donau
7330 Mertingen
7340 Dingolfing West
7341 Dingolfing Ost
7342 Landau a.d.Isar
7427 Sontheim a.d.Brenz
7428 Dillingen a.d.Donau West
7429 Dillingen a.d.Donau Ost
7437 Bruckberg
7438 Landshut West
7526 Ulm Nordost
7527 Günzburg
7537 Moosburg a.d.Isar
7538 Buch a.Erlbach
7543 Pfarrkirchen
7544 Bad Birnbach
7626 Ulm-Südost (Neu-Ulm)
7627 Ichenhausen
7628 Jettingen
7637 Erding
7641 Neumarkt-Sankt Veit
7645 Rotthalmünster
7727 Buch
7728 Krumbach (Schwaben)
7732 Mammendorf
7734 Dachau
7735 Oberschleißheim
7736 Ismaning
7743 Marktl
7744 Simbach a.Inn
7745 Rotthalmünster Süd
7827 Babenhausen
7833 Fürstenfeldbruck
7836 München-Trudering
7937 Grafing b.München
7939 Wasserburg a.Inn
7943 Tittmoning Ost
8032 Dießen a.Ammersee
8033 Tutzing
8034 Starnberg Süd
8035 Sauerlach
8038 Rott a.Inn
8039 Bad Endorf
8040 Eggstätt
8042 Waging a.See
8127 Bad Grönenbach
8132 Weilheim i.OB
8133 Seeshaupt
8134 Königsdorf
8137 Bruckmühl
8138 Rosenheim
8139 Stephanskirchen
8140 Prien a.Chiemsee
8141 Traunstein
8233 Iffeldorf
8330 Roßhaupten
8332 Unterammergau
8424 Lindau (Bodensee)
8427 Immenstadt i.Allgäu
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Abgesehen von einer Einzelbrut am Chiemsee liegen derzeit alle Brutplätze auf künstlichen Anlagen (Brutflöße, geschüttete Inseln, Wellenbrecher u.a.) auf Stillgewässern oder in Stauhaltungen. Dort wird meist von Menschenhand die Vegetation lückenhaft und niedrig gehalten. Eine Kolonie bewegt sich in der Größenordnung von 50-60, drei liegen in der Spanne von 30-45, die restlichen unter 10 Brutpaaren. Von diesen kleineren Kolonien gibt es 7, außerdem brüten noch 9 Einzelpaare (Stand 2003).

Zur Nahrungssuche nutzen die Vögel nahezu alle Gewässertypen, wie Flüsse, Stauhaltungen, Altwässer, Rückhaltebecken, kleine und große Seen, Kiesgrubengewässer, Weiher und Teiche.

Phänologie

Sehr seltener Brutvogel, vereinzelt Durchzügler, Langstreckenzieher.

Wanderungen: Heimzug APR/MAI, Wegzug AUG/SEP (OKT).

Brut: Bodenbrüter, in Bayern nahezu ausschließlich auf kiesbeschichteten Brutflößen, Legeperiode ab Ende APR, Hauptlegezeit MAI. -- Brutzeit: (APR) MAI bis AUG.

Tagesperiodik: Tagaktiv.


Brutzeit-Diagramm
Dunkle Sektorenfarbe weist auf die Hauptbrutzeit der Art in Bayern hin.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Der Bestand der Art ist in Bayern vom Aussterben bedroht.

Ursache sind vor allem fehlende Kiesbänke, da viele Flüsse aufgrund von Querbauwerken keine natürliche Geschiebedynamik mehr aufweisen.

Geeignete Kiesinseln entstehen daher nicht mehr neu, vorhandene wachsen durch Sukzession zu.

Zudem sind die Standorte auf Kiesbänken starken Störungen durch Badende, Angler und Bootsfahrer ausgesetzt.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Erhaltung und Entwicklung von dynamischen Auenbereichen und einer intakten Flussmorphologie mit einer naturnahen Überflutungs- und Geschiebedynamik (v.a. Rückbau von Uferbefestigungen, Schaffung von Retentionsflächen).

Erhaltung und Entwicklung von vegetationsarmen Kies- und Schotterbänken an Flüssen, Seen und an Abgrabungsgewässern.

Mit Nisthilfen kann vor allem in Schwaben und in Nordbayern die Gründung neuer Kolonien begünstigt werden.

Störungen sind in der Zeit der Brutplatzwahl ab APR bis zum Ende der Brutzeit im JUL unbedingt zu vermeiden (Lenkung der Freizeitnutzung).

Bei Windenergienanlagen: Prüfbereich von 1.000 m um bekannte Neststandorte; Prüfbereich von 4.000 m für regelmäßig aufgesuchte Nahrungshabitate um geplante Windenergienanlagen, innerhalb derer zu prüfen ist, ob und in welchem Umfang die Zugriffsverbote nach § 44 Abs. 1 BNatschG erfüllt sind.

Sonstige Hinweise

Bedeutende Gewässer für die Flussseeschwalbe:

Nach aktuellen Daten von Wetlands International 2006, die Gebiete können sich bei neuer Datengrundlage ändern.

Brut:

Internationale Bedeutung:> 350 Ind.-

Nationale Bedeutung:> 187 Ind.-

Landesweite Bedeutung:> 3 Ind. Ammersee, Donau: km 2246-2405, Starnberger See, Isar: Moosburger Stausee (Mittlere Isarstauseen), Isar: Echinger Stausee (Mittlere Isarstauseen), Inn: Stauraum KW Braunau, Oberegger Günzstausee, Isar: Baggersee Wörth.

Ergänzende Informationen

Wahl, J., S. Garthe, T. Heinicke, W. Knief, B. Petersen, C. Sudfeldt & P. Südbeck 2007: Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. Ber. Vogelschutz 44: 83-105.

Wahl, J. & T. Heinicke 2013: Aktualisierung der Schwellenwerte zur Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. Ber. Vogelschutz 49/50: 85-97.

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