Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)

Rote Liste Bayern: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Vom Aussterben bedroht
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin: Ungünstig/schlecht

Verbreitung und Bestandssituation

Die Kleine Hufeisennase ist in Europa von Irland über West- und Mitteleuropa, das Mittelmeergebiet bis Russland und Vorderasien zu finden.

In Deutschland hat sich das Verbreitungsgebiet seit etwa Mitte des 20. Jahrhunderts gravierend verkleinert. Heute sind nur noch ca. 10 % des ursprünglichen Areals besiedelt, nämlich Teile Mitteldeutschlands in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sowie in Bayern.

In Bayern kommt die Kleine Hufeisennase vor allem noch im südlichen Alpenvorland und in den oberbayrischen Alpen vor, wo sie sich in vier bekannten Wochenstuben auch fortpflanzt. In Nordbayern werden in der nördlichen Frankenalb pro Winter zwischen zwei bis fünf Individuen gefunden, die eine winzige Restpopulation darstellen. Der Gesamtbestand umfasst in Bayern etwa 500 Tiere.

Fundortkarte

Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5534 Lehesten
5832 Lichtenfels
6034 Mistelgau
6133 Muggendorf
6134 Waischenfeld
6233 Ebermannstadt
6234 Pottenstein
6332 Erlangen Nord
6335 Auerbach i.d.OPf.
6336 Vilseck
6435 Pommelsbrunn
6837 Kallmünz
6843 Kötzting
6931 Weißenburg i.Bay.
6934 Beilngries
6945 Zwiesel
7036 Riedenburg
7041 Münster
7138 Langquaid
7338 Hohenthann
7347 Hauzenberg
8037 Glonn
8042 Waging a.See
8043 Laufen
8134 Königsdorf
8135 Sachsenkam
8137 Bruckmühl
8139 Stephanskirchen
8140 Prien a.Chiemsee
8142 Teisendorf
8143 Freilassing
8231 Peiting
8232 Uffing a.Staffelsee
8234 Penzberg
8235 Bad Tölz
8238 Neubeuern
8239 Aschau i.Chiemgau
8240 Marquartstein
8241 Ruhpolding
8242 Inzell
8243 Bad Reichenhall
8333 Murnau a.Staffelsee
8334 Kochel a.See
8339 Oberaudorf
8342 Schneizlreuth
8343 Berchtesgaden West
8430 Füssen
8431 Linderhof
8432 Oberammergau
8433 Eschenlohe
8443 Königssee
8527 Oberstdorf
8532 Garmisch-Partenkirchen
8533 Mittenwald
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Kleine Hufeisennasen bevorzugen zur Jagd Laub- und Mischwälder sowie abwechslungsreiche Landschaften mit Hecken, Weiden und Streuobstbereichen. Gute Bedingungen findet die Art in wärmebegünstigten Regionen, in denen gleichzeitig die Entfernungen zwischen Sommer- und Winterquartieren nicht weit sind.

Die Tiere benötigen im Sommer ruhige, warme und mit großen Einflugöffnungen versehene Dachböden, einzelne Männchen können sich in Mitteleuropa im Sommer auch in unterirdischen Quartieren aufhalten. Die Quartiere sollten von vielfältig strukturierten, kleinräumigen Landschaften mit extensiv genutzten Kulturflächen sowie Wald umgeben sein. In den Wochenstuben findet sich auch ein gewisser Teil der Männchen wieder (bis 30 %). Die Jungen kommen von Mitte Juni bis Mitte Juli zur Welt und können bereits mit vier bis sechs Wochen selbstständig Nahrung suchen. Etwa im August lösen sich die Wochenstuben allmählich wieder auf.

Als Winterquartier nutzen die Tiere über fünf Grad warme, unterirdische Quartiere wie Höhlen und Stollen oder geräumige Keller.

Nahrung, insbesondere kleinere Fluginsekten wie Schmetterlinge und Zweiflügler (u .a. Mücken), fängt die Kleine Hufeisennase überwiegend in Laub- und Mischwäldern. Dabei überfliegt sie kleinere Freiflächen in einer Flughöhe von nur 0,25 bis 0,75 m mit einer relativ geringen Geschwindigkeit, aber äußerst wendig und verzehrt ihre Beute direkt im Flug. Dennoch wurden auch Tiere beobachtet, die in Baumkronen auf Beutezug gehen, wenn sich kleinere Lücken im Wald befinden.

In der Regel ist die Kleine Hufeisennase ihrem Winterquartier und der Wochenstube äußerst treu. Sie ist auf einen Quartierverbund angewiesen, d. h. die Kolonien nutzen mehrere Quartiere in räumlicher Nähe zu unterschiedlichen Phasen der Jungenaufzucht oder wechseln bei Störungen. Zu diesem Quartierverbund gehören auch unterirdische Quartiere, die häufig nach dem Ausflug aus der Wochenstube als erstes aufgesucht werden.

Im Sommerquartier verzichtet diese Fledermausart im Gegensatz zu anderen Arten, die ebenfalls Gebäude bewohnen, meist auf Körperkontakt.

Kleine Hufeisennasen werden im Durchschnitt nur etwa sieben Jahre alt. Bei Einzeltieren konnte aufgrund von Ringmarkierungen aber auch schon Alter von 17 bzw. 21 Jahren nachgewiesen werden.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Beeinträchtigung der Jagdhabitate durch schleichenden, aber großflächigen Landschafts- und Nutzungswandel (Verlust an Kleinstrukturen, Leitlinien etc.)
  • Beeinträchtigungen/Zerstörung von Wochenstubenquartieren an Gebäuden durch unsachgemäße Sanierungsmaßnahmen oder Vertreibung
  • Gifte im Jagdgebiet (Insektizide, Pestizide) und in den Gebäudequartieren (Holzschutzmittel)
  • Sonstige Störungen, wie Störungen im Winterquartier, z. B. durch Nutzung von Höhlen, Ruinen und Gewölben für touristische Zwecke
  • Zerschneidung von Jagdgebieten oder Leitlinien durch neue Verkehrstrassen

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Öffnung/Optimierung alternativer Wochenstubenquartiere zur Bereitstellung eines Quartierverbundes
  • Anlage neuer (unzerschnittener) linearer Strukturen zwischen Wochenstube und Nahrungshabitaten
  • Minimierung von Störungen an bekannten Winter- und Schwarmquartieren (Vergitterung, Besucherlenkung, Informationstafeln)
  • Erhaltung/Förderung strukturreicher, lichter, alter Laub- und Mischwälder sowie gehölz- und grünlandreicher Kulturlandschaften um die Wochenstuben

Sonstige Hinweise

In Oberbayern wird derzeit angestrebt, in der Nähe bestehender Kolonien mit Hilfe von Öffentlichkeitsarbeit neue Quartiere bereitzustellen. Außerdem werden intensive Untersuchungen zur Nahrungsökologie und Habitatwahl durchgeführt.

Ergänzende Informationen

Meschede, A. & B.-U. Rudolph (Bearb.) (2004): Fledermäuse in Bayern. - Ulmer, Stuttgart.

Meschede, A. & B.-U. Rudolph (2010): 1985 - 2009: 25 Jahre Fledermausmonitoring in Bayern. - Schriftenr. des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, Augsburg.

http://www.tlug-jena.de/imperia/md/content/tlug/abt3/artensteckbriefe/fledermaeuse/artensteckbrief_rhinolophus_hipposides_030309.pdf

http://www.lfu.bayern.de/natur/fachinformationen/artenhilfsprogramm_fledermaus/doc/bericht_bayern_flmabkommen.pdf

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