Die Kleine Hufeisennase in Bayern

In den 1950iger bis 1970iger Jahren kam es zu einem nahezu vollständigen Zusammenbruch der bayerischen Bestände der Kleinen Hufeisennase. Infolgedessen beschränkte sich ihre Verbreitung in Bayern auf das südliche Alpenvorland und die Alpen in Oberbayern, während sie in Nordbayern als fast verschollen und unmittelbar vom Aussterben bedroht galt. Seit einigen Jahren erholt sich die überlebende Restpopulation erfreulicherweise deutlich. 2020 konnten bei den jährlich stattfindenden Kontrollen über 1.200 Tiere erfasst werden. In der größten bekannten Kolonie in Aschau im Landkreis Rosenheim wurde mit 483 Wochenstubentieren ein neuer Maximalwert erreicht.

Der Bestand der Kleinen Hufeisennase in Südbayern

In Südbayern sind die Kolonien trotz Umbau- oder Holzschutzmaßnahmen in den drei länger bekannten Wochenstubenquartieren in den Landkreisen Rosenheim und Bad Tölz-Wolfratshausen stark angewachsen. Die Gebäudesanierungen wurden durch die Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern intensiv betreut. Vor allem in den Landkreisen Rosenheim, Berchtesgadener Land und Miesbach wurden außerdem zahlreiche Gebäude nach weiteren Vorkommen der Kleinen Hufeisennase abgesucht und nach Rücksprache mit den Kirchengemeinden für Fledermäuse wieder zugänglich gemacht, um den Quartierverbund zu stärken. Die Quartier- und Jagdhabitatnutzung sowie die Nahrungswahl der Kolonie in Schloss Herrenchiemsee wurden in mehreren Diplomarbeiten intensiv untersucht.

Der Bestand der Kleinen Hufeisennase in Nordbayern

In den vergangenen zwei Jahrzenten wurden im Rahmen des Fledermausmonitorings der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Nordbayern und der Verbände der Höhlenforschenden in jedem Winter 2 bis 5 Einzeltiere der Kleinen Hufeisennase in Winterquartieren der Nördlichen Frankenalb gefunden, 2014/15 auch zwei Einzeltiere im nördlichen Frankenwald. Daher fanden 2014 bis 2016 in beispielloser Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlich im Fledermausschutz Aktiven, der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Nordbayern, den Naturschutzbehörden, Verbänden (Höhlenforschende, Landesbund für Vogelschutz) und Planungsbüros umfangreiche Untersuchungen zu den Restvorkommen der dort lebenden Kleinen Hufeisennasen statt. Dabei wurden in unterirdischen Quartieren (Höhlen und Keller) automatische Geräte zur Rufaufzeichnung installiert. Unter den aufgezeichneten Ortungsrufen der nachts ein- und ausfliegenden Fledermäuse wurde gezielt nach der Anwesenheit von Kleinen Hufeisennasen gesucht. So konnten insgesamt 101 potenzielle Quartiere beprobt werden. An 23 Höhlen oder Kellern wurden tatsächlich Kleine Hufeisennasen akustisch nachgewiesen, darunter an 15 Standorten erstmalig. 2014 gelang erstmals nach über 25 Jahren ein Reproduktionsnachweis in der Frankenalb. In den Folgejahren wurden mittels Telemetrie zwei Wochenstubenquartiere in der nördlichen Frankenalb sowie überraschenderweise eines im Frankenwald gefunden. Letzteres ist in Zusammenhang mit dem Thüringer Vorkommen der Kleinen Hufeisennase zu sehen.

2014 gelang erstmals nach über 25 Jahren ein Reproduktionsnachweis in der Frankenalb. Die anschließende Suche nach dem oder den Wochenstubenquartieren gestaltete sich schwierig, 2015 und 2016 wurden jedoch mittels Telemetrie zwei Quartiere in der nördlichen Frankenalb sowie überraschenderweise eines im Frankenwald gefunden. Letzteres ist in Zusammenhang mit dem Thüringer Vorkommen der Kleinen Hufeisennase zu sehen. Entgegen der Erfahrungen in Südbayern, wo sowohl die langjährig bekannten als auch die im Berichtszeitraum neu entdeckten Kolonien immer mindestens zehn Weibchen umfassen, sind die bisher entdeckten Vorkommen in Oberfranken individuenarm.

Durch die intensiven Untersuchungen von potenziellen Winterquartieren der Art ist mittlerweile eine deutlich größere Anzahl an Objekten (meist Karsthöhlen im Malm und Felsenkeller im Dogger) bekannt, in denen die Art überwintert. Die nebenstehende Bestandsgrafik der Winternachweise ist daher auch durch die Zunahme der kontrollierten Winterquartiere beeinflusst. Es ist aber davon auszugehen, dass auch die oberfränkische Population – wie die südbayerischen Vorkommen – tatsächlich zunimmt. Während in der Vergangenheit in den einzelnen Winterquartieren immer nur einzelne (oder maximal zwei) Tiere der Art angetroffen wurden, liegen aus den Wintern seit 2018/19 mehrfache Beobachtungen von drei oder vier Exemplaren aus einem Winterquartier vor.