Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Alpenbraunelle (Prunella collaris)

Rote Liste Bayern:
Rote Liste Deutschland: Extrem seltene Arten und Arten mit geografischen Restriktion
Erhaltungszustand Kontinental:
Erhaltungszustand Alpin: In Bezug auf Status Brutvorkommen: günstig

Verbreitung und Bestandssituation

Das Areal der Art erstreckt sich, aufgesplittert in viele Populationen, in der montanen und alpinen Stufe der Gebirge von Nordafrika über die Alpen und Osteuropa bis Japan. -- In Bayern brütet Prunella c. collaris (Scopoli 1786).

Die Alpenbraunelle ist in Bayern innerhalb des Alpenraums nahezu flächendeckend bis etwa 2.300 m ü. NN verbreitet. Eine wesentliche Veränderung des alpinen Areals im Vergleich zum Zeitraum 1996-99 ist nicht erkennbar. Die höchste Bestandsschätzung wurde aus dem Wettersteingebirge gemeldet.

Das isolierte Vorkommen im Bayerischen Wald konnte nicht mehr bestätigt werden.

Die aktuelle Bestandsschätzung liegt deutlich unter jener aus dem Zeitraum der letzten Kartierperiode von 1996-99. Neben der Möglichkeit einer Ausdünnung der Population kommen jedoch Unsicherheiten in der quantitativen Erfassung für den Unterschied der Bestandsschätzungen in Frage. Aufgrund des polygamen Sozialsystems und regelmäßig auftretenden Nichtbrütern ist die Ermittlung von Revierzahlen mit großen Unsicherheiten behaftet und Angaben zur Bestandsentwicklung sind mit den verwendeten Methoden kaum möglich.

Brutbestand BY: 430-800 Brutpaare.

Fundortkarte

Alpenbraunelle (Prunella collaris)

Nachweise ab 1990



Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1990

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
8237 Miesbach
8238 Neubeuern
8239 Aschau i.Chiemgau
8240 Marquartstein
8241 Ruhpolding
8242 Inzell
8243 Bad Reichenhall
8244 Berchtesgaden Nord
8333 Murnau a.Staffelsee
8334 Kochel a.See
8335 Lenggries
8336 Rottach-Egern
8337 Josefsthal
8338 Bayrischzell
8341 Seegatterl
8342 Schneizlreuth
8427 Immenstadt i.Allgäu
8428 Hindelang
8429 Pfronten
8430 Füssen
8431 Linderhof
8432 Oberammergau
8433 Eschenlohe
8434 Vorderriß
8435 Fall
8442 Hirschbichl
8443 Königssee
8444 Hoher Göll
8526 Balderschwang
8527 Oberstdorf
8528 Hinterstein
8531 Zugspitze
8532 Garmisch-Partenkirchen
8533 Mittenwald
8534 Östl. Karwendelspitze
8543 Funtensee
8544 Funtensee Ost
8626 Hoher Ifen
8627 Einödsbach
8628 Hochvogel
8633 Mittenwald Süd
8727 Biberkopf
Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

Lebensraum und Lebensweise

Die Alpenbraunelle besiedelt reich strukturiertes Felsgelände mit steilen Abbrüchen, Block- und Schutthalden, Kare und mehr oder weniger ausgedehnte Alpinrasen. Letztere sind zusammen mit Schneefeldern für das Aufsammeln von Insekten von Bedeutung. Die Nester werden meist in Felsspalten und -höhlen angelegt, nur sehr selten findet man sie freistehend, von oben kaum durch Vegetation gedeckt. Schlafplätze in Höhlen und Spalten von Felswänden.

Phänologie

Spärlicher Brutvogel der Alpen, Teil- und Kurzstreckenzieher.

Wanderungen: Z.T. nur Vertikalwanderungen bis in die Täler, selten bis ins Alpenvorland. Die Reviere dürften, je nach Höhenlage und Ausaperung, von MRZ bis MAI besiedelt werden; Abzug der Jungen ab AUG (gefütterte Junge findet man noch bis in den SEP), sonst witterungsbedingt.

Brut: Nischen- und Höhlenbrüter; Nest in Felsspalten und -nischen, auch in Geröll, am Boden und an Hütten, Legebeginn frühestens Mitte MAI, meist bis Ende JUN. -- Brutzeit: APR/MAI bis AUG/SEP.

Tagesperiodik: Tagaktiv


Brutzeit-Diagramm
Dunkle Sektorenfarbe weist auf die Hauptbrutzeit der Art in Bayern hin.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Die Alpenbraunelle ist nur in einem begrenzten Gebiet mit geringer Abundanz verbreitet. Sie zählt daher auf der Roten Liste zu den Arten mit geografischer Restriktion.

Der immer stärker aufkommende Alpentourismus hat bisher offenbar noch wenig zu einer Gefährdung beigetragen. Die meist im blanken, schroffen Fels brütenden Vögel dürften sich selbst durch Kletterrouten und -steige kaum gestört fühlen und deswegen nur ausnahmsweise ihr Territorium aufgeben.

Für das vermutliche Reliktvorkommen im Bayerischen Wald besteht wegen seiner Kleinräumigkeit ein allerdings nicht geringes Risiko durch Besucher, die das Wegegebot im Arbergebiet nicht respektieren und die Brutvögel zum Aufgeben dieses einmaligen voralpinen Brückenkopfes veranlassen.

An die extremen Witterungsbedingungen in den Hochlagen der Alpen mit Wintereinbrüchen noch im Hochsommer, die höchstens vorübergehend zu Bestandseinbußen führen mögen, ist die Art offenbar gut angepasst.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Einrichtung von Ruhezonen / Wegegebote um bekannte Brutplätze.

Sonstige Hinweise

Die Bestandserfassung ist schwierig, da Männchen oft in der Überzahl, auch wird ohne klare Paarbindung in Gruppen von 5-9 Individuen gebrütet. -- Über Siedlungsdichte und Winteraufenthalte der Art ist in Bayern noch wenig bekannt.

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