Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana)

Rote Liste Bayern: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Das Areal des Tüpfelsumpfhuhns erstreckt sich von Westeuropa bis Kasachstan. -- In Bayern brütet Porzana porzana (Linnaeus 1766).

Das Tüpfelsumpfhuhn ist in Bayern nur auf wenige lokale Vorkommen beschränkt. Das Brutareal hat sich im Vergleich zum Erfassungszeitraum 1996-99 kaum verändert. Schwerpunkte liegen am Unteren Inn, im Voralpinen Hügel- und Moorland (Murnauer Moos, Loisach-Kochelsee-Moore, Ammersee- und Chiemseegebiet). Insbesondere in den letztgenannten kam es zu einem Zuwachs an Nachweisen. Einzelne Nachweise gibt es in Flusstälern Südbayerns, im Maintal und in Weihergebieten Nordbayerns. Die Art war auch in der Vergangenheit in Bayern ein nur seltener und in seinen Beständen stark schwankender Brutvogel. Zwischen 1980 und 2005 ist eine Bestandsabnahme um ca. 40 % festzustellen. Die Abstände zwischen den mehr oder minder isolierten Vorkommen sind größer geworden. So wurden z.B. das Schwandorf-Schwarzenfelder Weihergebiet und der Große Rußweiher vollständig geräumt und auch im Voralpengebiet wurden Brutplätze aufgegeben. Andererseits können die Bestände in manchen traditionellen Brutgebieten der Art - z.B. in Abhängigkeit vom Wasserstand - starken Schwankungen unterliegen.

Die aktuelle Bestandsschätzung liegt im Bereich jener aus den Jahren 1996-99, wobei jedoch die Obergrenze deutlich niedriger ist. Der bundesweite Trend zwischen 1980 und 2005 verläuft wie in ganz Mitteleuropa negativ.

Brutbestand BY: 50-70 Brutpaare.

Fundortkarte

Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5627 Bad Neustadt a.d.Saale
5630 Bad Rodach
5731 Coburg
5831 Seßlach
5832 Lichtenfels
5833 Burgkunstadt
5927 Schweinfurt
5929 Haßfurt
5931 Ebensfeld
5932 Uetzing
6024 Karlstadt
6027 Grettstadt
6030 Eltmann
6031 Bamberg Nord
6040 Neualbenreuth
6130 Burgebrach
6139 Falkenberg
6231 Adelsdorf
6233 Ebermannstadt
6330 Uehlfeld
6331 Röttenbach
6337 Kaltenbrunn
6341 Frankenreuth
6527 Burgbernheim
6627 Rothenburg ob der Tauber
6629 Ansbach Nord
6639 Wackersdorf
6726 Rot am See
6727 Schillingsfürst
6735 Deining
6741 Cham West
6742 Cham Ost
6830 Gunzenhausen
6832 Heideck
6835 Wissing
6841 Roding
6930 Heidenheim
6933 Thalmässing
7040 Pfatter
7041 Münster
7136 Neustadt a.d.Donau
7232 Burgheim Nord
7233 Neuburg a.d.Donau
7234 Ingolstadt
7243 Plattling
7339 Ergoldsbach
7441 Frontenhausen
7727 Buch
7736 Ismaning
7742 Altötting
7743 Marktl
7828 Kirchheim i.Schw.
7832 Türkenfeld
7930 Buchloe
7932 Utting am Ammersee
7933 Weßling
7942 Tittmoning
8029 Kaufbeuren-Neugablonz
8032 Dießen a.Ammersee
8033 Tutzing
8042 Waging a.See
8126 Leutkirch im Allgäu-Ost
8131 Schongau
8138 Rosenheim
8139 Stephanskirchen
8140 Prien a.Chiemsee
8141 Traunstein
8227 Kempten (Allgäu)
8233 Iffeldorf
8234 Penzberg
8241 Ruhpolding
8328 Nesselwang West
8329 Nesselwang Ost
8332 Unterammergau
8333 Murnau a.Staffelsee
8334 Kochel a.See
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Das Tüpfelsumpfhuhn brütet in Bayern vor allem in Fischteichgebieten, an künstlichen und natürlichen Seen und Altwässern mit ausgedehnten Seggenzonen oder vergleichbaren feuchten bis nassen Grasgesellschaften und vereinzelt auch in Resten von Niedermooren und an Flüssen (z.B. Alz). Entscheidender abiotischer Faktor ist der Wasserstand. Die Wassertiefe sollte nicht größer als 30 cm sein. Schon geringfügige Änderungen des Wasserstandes führen zu Umzug oder vollständiger Aufgabe des Nistplatzes.

Phänologie

Sehr seltener Brutvogel, Durchzügler, Langstreckenzieher.

Wanderungen: Ankunft im Brutgebiet APR, Wegzug SEP/OKT (früher bei Habitatverschlechterung); Durchzug im APR sowie zwischen JUL und OKT, v.a. AUG/SEP. Rufaktivität im MAI deutet auf Revierinhaber hin.

Brut: Bodenbrüter, das Nest steht entweder direkt auf feuchtem Boden oder in höchstens 15 cm tiefen Flachwasserzonen, Eiablage ab Mitte APR bis Ende JUL, Hauptlegezeit MAI. -- Brutzeit: MAI bis AUG/SEP.

Tagesperiodik: Tag- und dämmerungs- bzw. nachtaktiv; Balzrufe die ganze Nacht.


Brutzeit-Diagramm
Dunkle Sektorenfarbe weist auf die Hauptbrutzeit der Art in Bayern hin.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Das Tüpfelsumpfhuhn ist in Bayern vom Aussterben bedroht. Im Ostbayerischen Grundgebirge und Alpenvorland ist es stark gefährdet.

Ständige Gefährdung des Lebensraums dieser sensiblen Art mit einem sehr kleinen Bestand bedeuten ein unverändert hohes Risiko des Aussterbens.

Gefährdungen sind:

Veränderungen des Wasserstandes. Sowohl Absenkung und Austrocknung als auch Anstieg oder Anstau werden nicht toleriert. Dies betrifft z.B. das Management des Wasserstandes und den Bespannungsrhythmus in Fischteichgebieten. Ebenso beim Ausbau der ostbayerischen Donau, wo Bruthabitate entweder völlig zerstört wurden oder durch Aufstau der Wasserstand stieg.

Auch Meliorierungsmaßnahmen in Feuchtgebieten für die Gewinnung von Ackerland oder Intensivgrünland führen zu Habitatverlusten.

Hinzu kommen witterungsbedingte Wasserstandsänderungen, die für den kleinen Bestand ständig einen Risikofaktor darstellen.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Erhalt und Entwicklung von Feuchtgebieten mit wasserstands-orientierten Management durch Anlage von Feuchtbiotopen wie Flachwassertümpel, Wiedervernässung von Feuchtgrünland, Überstauung von Niedermoorflächen.

Ergänzende Informationen

Wahl, J., S. Garthe, T. Heinicke, W. Knief, B. Petersen, C. Sudfeldt & P. Südbeck 2007: Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. Ber. Vogelschutz 44: 83-105.

Wahl, J. & T. Heinicke 2013: Aktualisierung der Schwellenwerte zur Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. Ber. Vogelschutz 49/50: 85-97.

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